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Flüchtlingsdrama im Kurzfilm

 Das Führungsgremium der Film-AG des St.-Matthias-Gymnasiums. Links unten sitzt Hauptdarstellerin Leonie Büdenbender, oben rechts Lehrerin Annika Breitenberger. TV-Foto: Lydia Vasiliou
Das Führungsgremium der Film-AG des St.-Matthias-Gymnasiums. Links unten sitzt Hauptdarstellerin Leonie Büdenbender, oben rechts Lehrerin Annika Breitenberger. TV-Foto: Lydia Vasiliou FOTO: (e_gero )
Gerolstein. AG des St.-Matthias-Gymnasiums regt mit "Das Mädchen von der Tanke" zum Nachdenken an. Lydia Vasiliou

Gerolstein Schauplatz Tankstelle: Junge Flüchtlinge betreten den Shop und bedienen sich an der Getränkevitrine. Anne, "das Mädchen von der Tanke", ruft ihren Bruder Dennis, der die jungen Leute mit den Worten "Scheiß Kanaken! Geht dahin, wo ihr herkommt" hasserfüllt vertreibt. Als Anne dann noch zusehen muss, wie ihr Bruder in einer Flüchtlingsunterkunft gewalttätig wird, beginnt in ihr ein Prozess - der rechtsradikalen Gesinnung ihres sozialen Umfelds zum Trotz. Die höchst aktuellen Szenen stammen aus dem Kurzfilm, den die Film-AG am St.-Matthias-Gymnasium in Gerolstein gedreht hat. "Das Mädchen von der Tanke" ist der Titel des rund zwölfminütigen Dramas. Hauptdarstellerin ist die 13-jährige Leonie Büdenbender.
Angefangen hat alles mit einem Schreibwettbewerb im Rahmen der Reihe Tatort Eifel. "Ein Schüler unserer Schule gewann den Wettbewerb. Der Preis war die Verfilmung seiner Geschichte mit einem Profi-Team", sagt Lehrerin Annika Breitenberger. Das war vor etwa eineinhalb Jahren. 22 Schüler aus den Klassen acht bis zwölf nehmen an der Film-AG teil. Es gibt Posten vom Drehbuchautor bis zur Maske.
Mehrere Kurzfilme sind gedreht worden. Dazu gehört unter anderem die Serie "Blackout", die im vergangenen Jahr im Kinopalast in Daun gezeigt wurde. "Die fünf Folgen waren alle ausverkauft. Von den Einnahmen waren wir in der Lage, neues Equipment zu kaufen, was man auch an der Qualität deutlich spürt", sagt Konstantin Cloeren, zuständig für Kamera und Technik. Zu Anfang gab es vom Förderverein der Schule ein Startkapital von 5000 Euro. Mittlerweile ist die AG weg von Krimis und Gruselstories, hin zu anderen Themen mit mehr Zeitgeist. "Natürlich haben wir uns vorher überlegt, ob wir uns überhaupt an ein solches Thema heranwagen können, und auch gefragt, wann die beste Zeit dazu ist", sagt Drehbuchautor und Regisseur Diego Zahnen. Die Idee zum Flüchtlingsdrama stammt von ihm. "Ich musste nicht lange erklären, jeder hat die Problematik sofort verstanden". Gesagt, getan: Vier Drehtage, drei Schnitttage, und der Film war im Kasten. Was sich so einfach anhört, sieht in der Praxis anders aus. "Wir haben beispielsweise bei laufendem Betrieb in der Tankstelle gedreht, jede Szene wurde in verschiedenen Perspektiven aufgenommen und bis zu fünf Mal wiederholt", beschreibt Regisseur Diego Zahnen die Problematik. Gedreht und geschnitten wurde auch an Feiertagen oder am Wochenende. "Das geht nur mit Schülern, die auch motiviert sind", betont AG-Leiterin Breitenberger. "Es hat mich zunächst Überwindung gekostet, einen Neonazi zu spielen, aber in einer Zeit, in der der Rechtsradikalismus zunimmt, habe ich mich doch dazu entschlossen", sagt Jonathan Schmiegel. Um den Film einem breiten Publikum zu präsentieren, ist er nun auf dem YouTube-Kanal "SMGFilm" zu sehen und hat in kurzer Zeit schon mehr als 1900 Klicks erreicht.
Auch wenn einige bald das Abitur haben und die Schule verlassen werden, soll die Filmarbeit dennoch weitergehen. Zunächst ist noch ein Image-Film für das St.-Matthias-Gymnasium geplant. "Wir wollten der Schule was zurückgeben, denn wir wurden immer voll unterstützt", betonen die jungen Leute aus dem Führungsteam. "Außerdem sind wir inzwischen das Aushängeschild für das Gymnasium."
Den Film gibt es im Internet zu sehen auf der Videoplattform YouTube. Weitere Informationen gibt es auch auf der Facebook-Seite der Film-AG: SMG Film.