Flüchtlingsfamilie endlich in Daun wieder vereint.

Soziales : „Papa, was für ein komischer Regen!“

Jahrelang lebte Nebi nach seiner Flucht aus Eritrea von Ehefrau und Kindern getrennt. Nun ist dank vielfältiger Hilfe die fünfköpfige Familie in Daun vereint – und die Kinder sehen zum ersten Mal Schnee.

Montags nachmittags herrscht im Haus der Jugend Hochbetrieb der besonderen Art. Dann verwandelt sich seit fast vier Jahren der Jugendtreff  ins Café Asyl als Treffpunkt von Flüchtlingen, Betreuern und Freunden. An diesem Nachmittag ist besonders viel los. Denn Nebi (41) aus Eritrea, der das Café Asyl von Anfang an besucht, bringt heute zum ersten Mal seine Familie mit: seine Frau Terhas (33) und seine Kinder Sarah (11), Musie (9) und Jonetan (7). In der Woche zuvor waren die Vier auf dem Frankfurter Flughafen gelandet, waren dort von Nebi und seinem ebenfalls in der Eifel lebenden Neffen in Empfang genommen worden.

   „Nebis weit ausgebreitete Arme, als sich die Tür öffnete und seine Frau und die Kinder auf ihn zugelaufen kamen, werde ich mein Lebtag nicht vergessen“, erzählt nun Volkhard Bangert vom Lions Club (LC) Daun dem Trierischen Volksfreund – „und auch nicht den Gesang der Kinder während der Heimfahrt.“ Der LC hatte den Transport in die Eifel organisiert. Die Institution hatte sich seit mehr als einem Jahr für die Familienzusammenführung eingesetzt, hatte Spenden gesammelt und Mittel aus den eigenen Reihen beigesteuert.

   Eine ganze Reihe von Menschen aus Daun und Umgebung stehen Nebi seit seiner Ankunft in Meisburg zur Seite und unterstützen ihn. Ob Werner Schättgen (Neroth), der ihm noch vor Beginn des offiziellen Deutschkurses privat Sprachunterricht gab; oder Rita Schmaus (Daun), die ihn seit der ersten Stunde des von ihr ins Leben gerufenen Café Asyl kennt, fördert und fordert; oder Elisabeth Schäfer (Pelm), deren besonderer Schützling er über die Jahre war und die vor einem Jahr den Spendenaufruf für die Familienzusammenführung startete; auch Wolfgang Meier (Weidenbach), dessen Unternehmen HTI-Bau (Daun-Pützborn) Nebi zum Straßenbauer ausbildete und ihm nach der Gesellenprüfung eine feste Anstellung gab; kürzlich Karl-Heinz Abele, der Nebi und seiner Familie eine Wohnung mitten in Daun vermietete. Von Vereinen und Privatleuten kamen Geld- und Sachspenden; der LC Daun übernahm die Koordination. Nebi konnte den Führerschein machen. Die Kinder besuchen ab sofort die Grundschule Daun.

   „Nebi ist fleißig und lernbegierig und hat persönlich alles daran gesetzt, dass seine Familie nach Deutschland kommt und dass er sie möglichst selbst ernähren kann“, beschreibt Rita Schmaus den Mann aus Eritrea (siehe Hintergrund).

     Fünf Jahre bekam Nebi seine Familie nicht zu sehen, nachdem er 2012 aus Eritrea geflüchtet und zwei Jahre über Grenzen, durch Wüsten und über das Mittelmeer unterwegs war und in der Vulkaneifel landete. 2016 wurde er als Asylant anerkannt, daraufhin konnte er den Antrag auf Familienzusammenführung stellen.

Doch auch seine Familie erlebte eine Odyssee. Frau und Kinder reisten illegal in den benachbarten Sudan aus, lebten dort unter schlimmsten Bedingungen in einem Flüchtlingslager, bevor der zweite Teil der Familienflucht sie in die Hauptstadt Karthum führte. Dort wartete die Familie ein ganzes Jahr lang auf einen Termin bei der deutschen Botschaft als Voraussetzung für die Ausreise nach Deutschland. Während dieser Zeit besuchte Nebi seine Familie in Karthum, musste sich dann aber noch ein weiteres Jahr gedulden. Letztlich gelang die Zusammenführung, weil Menschen und Organisationen in Nebis neuer Heimat die Kosten für Schlepper, Lebenshaltung, Visa- und Passgebühren sowie Flugtickets aufbrachten.

„So ein Glück“, sagt Nebi im vollbesetzten Café Asyl. Da kommt Musie von draußen und ruft aufgeregt: „Papa, schau mal, was für ein komischer Regen!“ Draußen schneit es, und Nebis Kinder sehen zum ersten Mal im Leben die weißen Flocken.

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