Jagd Wegen Corona bleibt angestammtes Brauchtum auf der Strecke

Daun · Forstamt Daun hat in diesem Herbst eine der ersten Treibjagden im Land unter Bedingungen der Pandemie organisiert.

 Hinweis auf eine Treibjagd: Solche Warnschilder sind im Herbst immer wieder an den Straßen zu finden.

Hinweis auf eine Treibjagd: Solche Warnschilder sind im Herbst immer wieder an den Straßen zu finden.

Foto: TV/Horst Womelsdorf

(red/sts) Wagen an Wagen reiht sich in der Dämmerung in mit Trassierband markierten Parkbuchten auf der zum Parkplatz umfunktionierten Wiese am Rande des Salmwalds. Dazwischen laufen Leute in orangefarbener Signalkleidung, ausgestattet mit Schutzmasken, und ordnen den Verkehr. Was auf den ersten Blick wie ein Autokino auf freiem Feld anmutet, ist unter Corona-Bedingungen die Versammlung von Jägern zu einer Gesellschaftsjagd des Forstamts Daun.

Es hat in diesem Herbst eine der ersten Treibjagden im Land unter Corona-Bedingungen organisiert „Während wir in früheren Jahren bei unserer ersten herbstlichen Bewegungsjagd im Forstrevier Salmwald rund 120 Personen als Teilnehmer begrüßen konnten, haben wir in diesem Jahr die Zahl auf 99 Personen beschränkt,“ berichtet Horst Womelsdorf, der Leiter des Forstamts.

Das Forstamt hat den Jagdteilnehmern mit der Einladung schriftliche Corona-Hinweise übersandt, mit denen unter anderem   darauf hingewiesen wurde, so weit wie möglich im Wagen zu bleiben beziehungsweise außerhalb des Autos eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen. „Das jagdliche Brauchtum, wie etwa zur Begrüßung das morgendliche Anblasen mit Jagdhörnern oder nach der Jagd das Legen der Strecke mit Verblasen, ebenso wie der gesellige Teil einer solchen Jagd, bleiben mit unseren Corona-Regelungen leider völlig auf der Strecke, was aber nicht zu ändern ist,“ bedauert Womelsdorf.

Der Leiter des Forstreviers Salmwald, Jürgen Sohns, der zusammen mit seinen Forstwirten die Jagden im Salmwald maßgeblich organisiert, erläutert, dass mit  Hunden, Hundeführern und Treibern das Wild in Bewegung gebracht und so den Jägern zugetrieben wird.

„Die Bewegungsjagd ist für eine effektive Bejagung vor allem des Rot- und Schwarzwildes unentbehrlich,“ erklärt Horst Womelsdorf. Im Mittel der vergangenen drei Jagdjahre wurden im Forstamt Daun rund 25 Prozent des Rehwildabschusses, aber 40 Prozent des Rotwild- und 65 Prozent  des Schwarzwildabschusses auf Bewegungsjagden erzielt. Rot- und Rehwildbestände müssten wegen der Wildschäden, die sie im Wald bei zu hohen Beständen anrichten können, reguliert werden: „Dies gilt vermehrt in den Zeiten des Klimawandels,“ sagt der Forstamtsleiter, „in denen einerseits durch Käfer-, Windwurf- und Trocknisschäden umfangreiche Kahlflächen entstanden sind, die möglichst mittels Naturverjüngung wiederbewaldet werden sollen, und in denen andererseits auch unser Wild  profitieren wird.“

„Das Schwarzwild“ ergänzt Jürgen Sohns, „schädigt weniger im Wald, kann aber bei einer zu hohen Population umso gravierendere Schäden auf Wiesen und in Feldern anrichten. Außerdem sind wir wegen der Afrikanischen Schweinepest, die nicht weit von der rheinland-pfälzischen Grenze in Belgien grassiert, gefordert, die Schwarzwildbestände zu reduzieren.“