Forstleute kämpfen um den Erhalt der Wälder

Daun/Gerolstein/Hillesheim · Die Eifeler Forstämter begegnen dem Klimawandel: So pflanzen sie vermehrt wärmeliebende Baumarten wie Ahorn, Eiche, Wildkirsche, Tanne, Douglasie und Kiefer. Fichte und Buche werden die Verliererinnen des Klimawandels sein.

Daun/Gerolstein/Hillesheim. Ob es den Verhandlungspartnern beim Klimagipfel in Paris gelingt, sich auf eine maximale Klimaerwärmung von zwei Grad Celsius zu einigen? Selbst wenn dieses Ziel, das den Vorsatz, die globale Erwärmung auf zwei Grad Celsius gegenüber dem Niveau vor Beginn der Industrialisierung zu begrenzen, beschreibt, umgesetzt wird: Die bisherige Temperaturverschiebung von rund 1,5 Grad Celsius hat bereits enorme Folgen für die Gesundheit und die Zukunft der Wälder - auch in der Eifel. "Der Klimawandel ist hier schon lange angekommen", erklärt Förster Klaus-Josef Mark vom Forstamt Daun.

Wie macht sich der Klimawandel in der Eifel bemerkbar?
"Das merken wir nicht nur daran, dass viele Obstbäume früher blühen und die Singvögel immer früher mit dem Brüten beginnen. Waldbesitzer und Forstleute stehen schon vor der Herausforderung, dass Klimaextreme wie Trockenheit, Hitzewellen, Stürme und lokale Tornados weiter zunehmen. Der Klimawandel ist die größte Herausforderung für die Erhaltung unserer Wälder." Mit dem früheren Vegetationsbeginn und späteren -ende, den wärmeren regenarmen Sommern und immer längeren Trockenphasen geraten die Wälder unter Wachstums-, Hitze- und Trockenstress. Zudem steigt die Gefahr durch Waldbrände. Dadurch erhöht sich das Risiko für Massenvermehrungen von Schädlingen wie Borkenkäfer, Maikäfer und andere heimische Arten und für den Zuzug wärmeliebender Schädlinge aus anderen Regionen.

Wie bereiten die Forstämter die betreuten Wälder auf den Klimawandel vor?
"Wir vor Ort können nicht warten, bis alle Forschungsergebnisse zum Klimawandel vorliegen, denn wir pflanzen heute die Bäume für die Enkel- und Urenkel. Darum müssen wir jetzt reagieren und die Wälder auf den Klimawandel vorbereiten, so dass sie stabil genug sind, den Klimaschwankungen zu trotzen", sagt Mark. Dabei setze man eine Mischung der Baumarten, um so das Risiko für den Wald zu verringern. In den kommenden Jahren würden vermehrt wärmeliebende Baumarten wie Ahorne, Eichen, Wildkirsche, Tannen, Douglasie, Kiefer gepflanzt. Auch Buchen und Fichten werde es künftig noch geben; allerdings eher in den höhergelegenen kälteren Gebieten. Wichtig ist auf jeden Fall der vielfältige (heterogene) Altersaufbau der möglichst artenreichen und standortgerechten Waldbestände. "Doch diese Arbeit erfordert Know-how, Geld und Zeit. Wir müssen jetzt investieren - und das in großem Stil", sagt der Förster.

Was hat sich in den vergangenen 30 Jahren in den deutschen Wäldern verändert?
Der Waldumbau begann vor rund 30 Jahren. Damals gab es in den Eifelwäldern 60 Prozent Nadelholz und 40 Prozent Laubholz. Nach den großen Windwürfen hat sich das Verhältnis umgekehrt, also 60 Prozent Laubholz und 40 Prozent Nadelholz. Die Waldgestaltung der Zukunft wird seit Beginn der planmäßigen Forstwirtschaft durch die Forsteinrichtung, einer im zehnjährigen Turnus wiederkehrenden betrieblichen Waldinventur im Zuge der nachhaltigen Waldwirtschaft, geplant und festgelegt. Der klimabedingte Waldumbau kann nicht nur mit einheimischen Baumarten erfolgen, weil diese ja überwiegend an das "alte" Klima angepasst sind.

Welche Folgen hat der Kilmawandel auf die Wälder?
"Leider werden auch bei uns die Fichte und hier und dort auch die Buche Verliererinnen des Klimawandels sein, da sie trockene Sommer besonders schlecht vertragen", führt Mark weiter aus. "Wenn sich außerdem die Niederschläge immer mehr in die Monate außerhalb der Vegetationszeit verschieben, dann kann ein Großteil des Wassers von den Bäumen nicht genutzt werden, und das Problem verschärft sich. Die Buche mit ihrer relativ hohen Bandbreite, was Schattenverträglichkeit, Wasser- und Nährstoffversorgung betrifft, ist zwar grundsätzlich besser geeignet als die Fichte. Falls es jedoch dazu kommen sollte, dass die Klimaerwärmung mehr als zwei Grad Celsius beträgt, wird auch die Buche spürbar insbesondere unter den höheren Temperaturen zu leiden haben." Damit künftig noch Bau- und Papierholz aus der Region für die Region produziert werden könne, müssen zunehmend Weißtannen und Douglasien gepflanzt werden. Mit ihrem tief reichenden Wurzelwerk gelten sie als stabilere Nadelbaumalternative zur Fichte und erschließen auch tiefere Bodenwasserschichten. red/utz
Extra

Klimaschützer Wald Einerseits ist der Wald vom Klimawandel selbst betroffen, andererseits trägt er aktiv zum Klimaschutz bei. Das Holz der Bäume bindet große Mengen des Treibhausgases Kohlendioxid (CO{-2}) und wirkt so dem Klimawandel entgegen. Bei ihrem Wachstum entziehen die Bäume pro Kubikmeter Holz, das sie bilden, der Luft etwa eine Tonne CO{-2}. Dabei binden sie 250 Kilo Kohlenstoff in Holz, Rinde, Zweigen, Blättern und Wurzeln. Zusätzlich produzieren sie 750 Kilo Sauerstoff für unsere Atemluft. Wird das Holz nachhaltig genutzt, bleibt das Kohlendioxid in langlebigen Holzprodukten gespeichert. In der oberirdischen Baumbiomasse der rheinland-pfälzischen Wälder sind derzeit etwa 274 Millionen Tonnen Kohlendioxid gebunden. Das entspricht der siebenfachen Menge des jährlichen CO{-2}-Ausstoßes von Rheinland-Pfalz. red