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Franzosen sind die Väter der Standesämter

Franzosen sind die Väter der Standesämter

Im Jahre 1794 sind die Franzosen in die linksrheinischen Gebiete und auch in die Eifel einmarschiert. Als Besatzungsmacht zerstörten sie nahezu alle alten kirchlichen und weltlichen Strukturen und ersetzten sie durch neue Organisationsformen, Gesetze und Verordnungen.

Gefell. Organisations- und Verwaltungsstrukturen wurden von den Franzosen nach der Besetzung der Gebiete bis zum Rhein durch moderne ersetzt. Dadurch herrschte zunächst einmal ein großes Durcheinander, was zur Unzufriedenheit führte und sogar zu Aufständen und offenem Widerstand. Daneben aber führten die Franzosen auch fundamentale Neuerungen ein, die sich zum Vorteil für das besetzte Land und seine Menschen erwiesen, wie unter anderem erste Formen von Menschenrechten, eine freiere Gesellschaftsordnung, die Trennung von Justiz und Verwaltung, die Einführung eines Gesetzbuches (Code civil) und auch die Bildung von Standesämtern.Dorf geschichte(n)


Bis dahin lag die Führung von Personenstandsregistern ausschließlich in den Händen des Klerus. Taufen, Eheschließungen und Sterbefälle wurden in entsprechenden Kirchenbüchern festgehalten, wobei die Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit einzelner Pfarrer in ihren Pfarreien - sehr zum Leidwesen heutiger Familienforscher - häufig zu wünschen übrig ließ.
Die Franzosen führten nun ab 1798 in ihren besetzten Gebieten Standesämter ein. Die Führung von Personenstandsbüchern über Geburten, Hochzeiten und Sterbefälle wurde Aufgabe von Zivilbeamten, meist eines Gemeindevorstehers, der sie in französischer Sprache abzufassen hatte. Die standesamtliche Trauung mit der regulären Möglichkeit der Ehescheidung wurde Pflicht. Die kirchliche Trauung blieb daneben eine Privatsache.
Anhand eines aus dem Französischen ins Deutsche übersetzten Geburtsaktes soll dies veranschaulicht werden: Nr. 12. Am 18. Tag des Monats Nivôse im Jahr 11 (also 18. Januar 1803) der Französischen Republik.Geburtsakt von Gotthard Britz, geboren am 17. Nivôse um drei Uhr morgens, Sohn von Johann Britz, Beruf Ackerer, wohnhaft in Géfelle, und Katharina Britz, geborene Pauli, angemeldet durch den Bürger Johann Britz, Vater des Kindes, rechtmäßig verheiratet. Das Geschlecht des Kindes wurde als männlich erkannt. Erster Zeuge: Johann Adam Reicherts, 41 Jahre, wohnhaft in Géfelle. Zweiter Zeuge: Johann Jax, 52 Jahre, wohnhaft in Géfelle. Auf unser Verlangen hin hat obengenannter Johann Britz diese Angaben gemacht und mit mir unterschrieben. Es folgen die Unterschriften von Johann Britz und Johann Jax. "Mit Ausnahme von Jean Adam Reicherts, der erklärte, nicht schreiben zu können." Der Akt wurde bestätigt durch Johann Peter Lenarz, Bürgermeister der Bürgermeisterei Sarmersbach, in der Funktion eines Standesbeamten. Alois Mayer