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Freibad-Besuch in Sicht – aber nicht überall

Kostenpflichtiger Inhalt: Freizeit : Freibad-Besuch in Sicht – aber nicht überall

Von der Prognose, dass ein komplettes Aus zu erwarten ist, bis hin zur Ankündigung, dass doch was geht: Von den Kommunen, die Bäder unterhalten, kommen unterschiedliche Signale.

Es könnte alles so schön sein. Der Sommer kommt, die Lust auf ein erfrischendes Bad in einem Freibad steigt. Besonders im frischen klaren Wasser der Eifeler Maare fühlen sich jedes Jahr Tausende von Menschen wohl, und nicht nur Einheimische. Durch Corona stehen hinter der Öffnung der Freibäder allerdings große Fragezeichen.

Und das, obwohl die Landesregierung dieser Tage verkündet hat, dass Freibäder grundsätzlich ab dem 27. Mai – Hallenbäder ab dem 10. Juni – unter Auflagen wie Zugangskontrollen, Quadratmeter pro Person, Nachverfolgbarkeit, Abstandsregeln, Mund- und Nasenschutz öffnen dürfen. Doch genau das ist der Knackpunkt.

„Ich rechne nicht damit, dass wir in diesem Jahr den Schwimmbetrieb wieder aufnehmen können“, sagt beispielsweise Gillenfelds Ortsbürgermeister Karl-Heinz Schlifter zum Schwimmbetrieb am Pulvermaar. „Die ganzen Schutzmaßnahmen können bei uns nicht umgesetzt werden“. Der wichtigste Grund sei, dass Kinder- und Nichtschwimmerbecken mit Pulvermaar-Wasser befüllt und nicht mit Chlor versetzt werden, also nichts, mit dem Viren abgetötet werden könnten. Die Einnahmen in diesem Jahr werden für Gillenfeld also mutmaßlich bei Null liegen. Im Schnitt habe die Gemeinde durch den Betrieb am Pulvermaar jährlich rund 120♦000 Euro Umsatz gemacht und nach Abzug aller Kosten immer noch schwarze Zahlen geschrieben, sagt Schlifter. Anders als in diesem Jahr: „Das Wasser in den Becken muss gewechselt werden, damit es nicht umschlägt, die Wiese wird gemäht und die Hecken geschnitten. Sowieso muss alles rund herum sauber gehalten werden“, sagt der Ortsbürgermeister. Zudem liefen Telefon- und Stromkosten weiter.

Nicht anders verhält es sich am Schalkenmehrener Maar. Da habe man im vergangenen Herbst in ein neues Rettungsboot investiert, das noch nicht zu Wasser gelassen werden konnte, sagt Ortsbürgermeister Peter Hartogh. Wie auch sein Gillenfelder Amtskollege hat er eine große Befürchtung: die illegalen Schwimmer. Beide Maare stehen unter Naturschutz, deshalb ist Schwimmen außerhalb der Badeanstalt verboten. Aber in Schalkenmehren ist der Uferbereich leicht zugänglich. Daher habe er die Untere Landespflegebehörde um Unterstützung bei der Kontrolle gebeten, die ihm auch zugesagt wurde, sagt Hartogh. Zudem wolle man den Uferbereich mit Zäunen absperren oder den Schilfgürtel ausweiten.

Einen Schwimmbetrieb kann sich auch Hartogh in diesem Jahr nicht vorstellen. Somit bleiben auch die durchschnittlichen jährlichen Einnahmen von rund 100 000 Euro aus. Zwar habe er schon Vorschläge gemacht, wie man eventuell den Badebetrieb aufnehmen könnte – zum Beispiel könne man im Kassenbereich die Badegäste einlassen und an anderer Stelle wieder hinaus, ebenso an einer bestimmten Stelle den Wassereinstieg zulassen und eine andere Stelle zum Ausstieg vorsehen und auf der Wiese könne man dann mit vorschriftsmäßigem Abstand liegen – doch „die Kreisverwaltung hat das abgelehnt“, sagt Hartogh. Auch am Schalkenmehrener Maar bleiben die Unterhaltungskosten bestehen.

Was das Naturfreibad Gemündener Maar angeht, will der Dauner Stadtbürgermeister Friedhelm Marder einen Badebetrieb 2020 nicht kategorisch ausschließen. „Wir stehen Gewehr bei Fuß und sind binnen kurzer Zeit in der Lage, das Freibad zu öffnen, wenn es die Rahmenbedingungen erlauben. Das gilt auch fürs Hallenbad.“ Den Besuch des Freibads zu versagen, wäre aus Marders Sicht „ein tiefer Eingriff für Einheimische und Gäste.“ Wie in Gillenfeld und Schalkenmehren sei es auch am Gemündener Maar unmöglich, Schwimmen komplett zu unterbinden: „Es gibt so viele Möglichkeiten außerhalb des Freibads ins Wasser zu kommen, da ist eine umfassende Kontrolle nicht machbar.“

Noch ist das Freibad in Gerolstein geschlossen, an einer Öffnung zu Pfingsten wird aber gearbeitet. Foto: TV/Mario Hübner

Noch vor wenigen Wochen war der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Kelberg, Johannes Saxler, davon ausgegangen, dass die Saison 2020 im Freibad Kelberg ausfallen würde. „Mittlerweile sehe ich das etwas anders“, erklärt der Verwaltungschef auf TV-Anfrage. „In das Thema ist ja echt Bewegung gekommen“, hat er fest gestellt. „Deshalb gehen wir von einer wie auch immer gearteten Nutzung des Kelberger Bads aus.“ Und dämpft gleich allzu große Hoffnungen: „Einen Badebetrieb, wie wir in bislang kannten, wird es aber mit Sicherheit nicht geben“, sagt Saxler, „durch Corona und die damit verbundenen Auflagen ist allenfalls eine deutlich reduzierte Variante vorstellbar.“

Gerolsteins Bürgermeister Hans Peter Böffgen sagt: „Wir würden gerne das Freibad zum nächst möglichen Zeitpunkt, eventuell dem Pfingstwochenende, öffnen.“  Grundsätzlich sei das Freibad Gerolstein für eine Öffnung vorbereitet, über die Details würden sich Rathausspitze, Bademeister und die Chefin der Betreibergesellschaft dieser Tage beraten. Der Bürgermeister sagt: „Ein normaler Badebetrieb mit über 1000 Besuchern am Tag ist nicht realistisch. Wir können uns aber vorstellen, dass zumindest ein Schwimmbetrieb bei einer begrenzten Gästezahl unter Einhaltung von Abstands- und Hygieneregeln ermöglicht wird.“

Für den Betrieb der drei Hallenbäder in Hillesheim, Jünkerath und Gerolstein (Hallen- und Freibad) wendet die VG Gerolstein rund 500♦000 Euro jährlich auf. In 2020 wird der Aufwand aufgrund verschiedener Unterhaltungsmaßnahmen in allen drei Bädern und zu erwartenden Ausfällen bei den Eintrittsgeldern laut Böffgen bei mindestens 600♦000 Euro liegen.

Hinzu kommt eine größere Investition (Erneuerung der Lüftungsanlage) im Hallenbad Gerolstein, die mit gut einer halben Million Euro kalkuliert ist.

Das Naturfreibad am Gemündener Maar ist derzeit noch geschlossen. Foto: TV/Mario Hübner

Auch in Trier warten die Gäste sehnlichst auf die Öffnung der beiden Freibäder. Die Stadtverwaltung gibt für deren Öffnung noch kein grünes Licht: „Das Amt für Schulen und Sport arbeitet mit Hochdruck an einer Planung, wie die Öffnung eines oder der beiden Freibäder unter den notwendigen Sicherheits-, Abstands- und Hygieneregelungen möglich gemacht werden kann“, so ein Sprecher. „Ob und wann eine Öffnung realisiert werden kann, dazu können wir im Moment noch nichts sagen.“