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Freiheitsstrafe für ehemaligen Wehrpflichtigen

Freiheitsstrafe für ehemaligen Wehrpflichtigen

Zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten auf Bewährung sowie 500 Euro Geldbuße an das Soldatenhilfswerk hat das Amtsgericht Daun gestern einen 22-jährigen ehemaligen Wehrpflichtigen wegen Fernbleibens von der Truppe verurteilt. Der Mann aus dem Ruhrgebiet, der in Gerolstein stationiert war, nahm das Urteil an. Damit ist es rechtskräftig.

Daun. Da die Bundeswehr seit Jahresbeginn keine Wehrpflichtigen mehr einzieht, dürfte es einer der letzten Prozesse dieser Art gewesen sein. Und er dauerte lange, denn erst im vierten Anlauf war es so weit: Nachdem der Angeklagte bei drei Terminen nicht im Amtsgericht in Daun erschienen war, griff die Polizei in seiner heutigen Heimatstadt Bottrop den 22-Jährigen während der Arbeit auf und brachte ihn zur Verhandlung in die Vulkaneifel. Dort erschien er dann folgerichtig in Malermontur.
Mit Bundeswehr abgeschlossen


Wenn auch ungewollt: Viel deutlicher hätte er nicht zum Ausdruck bringen können, dass er mit dem Kapitel Bundeswehr schon lange abgeschlossen hat.
Dazu passte auch sein Statement gegenüber dem TV nach der Urteilsverkündung: "Ich bin heilfroh, dass das Thema nun durch ist." Der ehemalige Wehrpflichtige hatte für sein eigenmächtiges Fehlen nach eigenen Angaben bereits bei der Bundeswehr zwei Mal eine Disziplinararreststrafe von drei und vier Wochen verbüßt. Im September wurde er dann aus der Bundeswehr entlassen.
Seine eigenmächtigen "Urlaubsverlängerungen", wie Richter Hans Schrot es nannte, hatte der gebürtige Gelsenkirchener damit begründet, dass er "familiäre Dinge" zu regeln hatte. Unter anderem sei es um "Unterhaltsdinge" für seinen Sohn gegangen, sagte der ledige Mann.
Richter Schrot folgte mit seinem Urteil der Forderung der Staatsanwaltschaft. Und er blieb bewusst im unteren Bereich des Strafmaßes.
Er sagte: "Das Wehrstrafgesetz ist nun einmal ziemlich streng in seinen Strafandrohungen, und für eigenmächtige Abwesenheit von der Truppe ist sofort Freiheitsstrafe vorgesehen." Bis zu drei Jahren. Bei Fahnenflucht, also wenn sich ein Soldat dauerhaft dem Wehrdienst oder dem Waffeneinsatz entzieht, gar bis zu fünf Jahren.
Dennoch machte Schrot mildernde Umstände geltend. Er sagte: "Es handelt sich hier ja eindeutig um ein Auslaufmodell, und daher besteht auch nicht die Gefahr, dass sich das wiederholt. Da reicht es aus, mit einer Freiheitsstrafe zu drohen - sprich, das Urteil auf Bewährung auszusetzen." Die wiederum verhängte er für drei Jahre.
Fünf Mal ferngeblieben


Im Detail wurde der 22-Jährige wegen eigenmächtiger Abwesenheit von der Truppe in fünf Fällen verurteilt: drei Mal zwischen dem 10. Februar und dem 31. März 2010, durchgängig vom 19. bis zum 26. April sowie vom 17. bis zum 23. Mai. Insgesamt 29 Tage. Die Feldjäger, die Polizei der Bundeswehr, haben den Flüchtigen mehrfach gefasst und zurückgebracht, zwischenzeitlich war er aber für mehrere Monate - in bester Soldatenmanier - in Deckung gegangen und nicht auffindbar.