Freispruch im Chlorgas-Prozess

Weil bei der Anlieferung von Schwefelsäure der Tank verwechselt wurde, entstanden im Sommer 2007 Ferienpark Gunderath giftige Chlorgasdämpfe, die 22 Personen verletzten. Der Fahrer des Chemielasters stand als Unglücksverursacher vorm Dauner Amtsgericht. Er wurde freigesprochen.

Daun. Die fünfeinhalbstündige Verhandlung hatte es in sich. Mit Vorwürfen und Spekulationen wurde auf keiner Seite gespart. Als die Schwefelsäure am 11. Juli 2007 im Ferienpark Gunderath (Verbandsgemeinde Kelberg) angeliefert wurde, waren nur der angeklagte Fahrer und eine Parkmitarbeiterin bei der Umfüllung dabei. Als die Säure in den Tank mit Chlorbleich-Lauge gefüllt wurde, verbreitete sich eine giftige, gelb-grünliche Gaswolke im Schwimmbad und den angrenzenden Restaurants. 22 Personen wurde verletzt, zwei davon schwer.

Verteidiger: "Mein Mandant wurde nicht fair behandelt"

 In einer 20-minütigen Verhandlungsunterbrechung erklärt Reinhard Barten (links), Gefahrgutexperte bei der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord, Staatsanwalt Sebastian Jakobs und Verteidiger Christoph Contzen die rechtlichen Finessen bei der Anlieferung von Schwefelsäure und Chlorbleich-Lauge. TV-Foto: Gabi Vogelsberg

In einer 20-minütigen Verhandlungsunterbrechung erklärt Reinhard Barten (links), Gefahrgutexperte bei der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord, Staatsanwalt Sebastian Jakobs und Verteidiger Christoph Contzen die rechtlichen Finessen bei der Anlieferung von Schwefelsäure und Chlorbleich-Lauge. TV-Foto: Gabi Vogelsberg



Die Parktechnikerin wies vor Gericht jede Schuld von sich. Der Angeklagte habe eigenmächtig die Chemikalie umgefüllt. Der 30-Jährige konterte: "Ich habe den Schlauch gar nicht in den Tank gesteckt und nur die Pumpe auf ihre Anweisung am Auto eingeschaltet." Nach acht Zeugenaussagen bilanzierte Staatsanwalt Sebastian Jakobs: "Die Beweisaufnahme kann die Darstellung des Angeklagten nicht widerlegen. Es ist nicht zu sagen, ob die Parkmitarbeiterin oder er Märchen erzählen." Durch häufiges Nachhaken bei drei weiteren Parkmitarbeitern im Zeugenstand machte Jakobs allerdings klar, dass deren schriftliche Einlassungen vom Anwalt der Parkbetreibergesellschaft verfasst wurden. Verteidiger Christoph Contzen: "Mein Mandant wurde in der Verhandlung nicht fair behandelt. Das Gericht sollte sich nicht veräppeln lassen. Die manipulierten Zeugenaussagen sind ein Fall für die Anwaltskammer." Das Gericht folgte seinem Antrag auf Freispruch. Richter Hans Schrot: "Die Beweisaufnahme war umfangreich und schwierig. An der Aussage der technischen Parkmitarbeiterin bestehen keine geringen Bedenken an deren Richtigkeit." Verteidiger Contzen sah sie gar "als Lügnerin entlarvt". Der Gefahrgutexperte der oberen Aufsichtsbehörde machte außerdem die rechtliche Seite deutlich, wonach der Angeklagte für die Umfüllung nach Gefahrgutrecht nicht verantwortlich sei. Staatsanwalt Jakobs sah trotzdem eine Teilschuld des Angeklagten und forderte eine Geldstrafe von 7200 Euro. Er behielt sich den Berufungsweg vor und prüft das Urteil.

Für den Angeklagten ist das Desaster noch nicht zu Ende. Am 2. März 2009 muss er vorm Aachener Landgericht erneut seine Unschuld beweisen. Die Parkgesellschaft und zwei Verletzte machen auf zivilrechtlichem Weg Schadensersatzsprüche geltend. Nach ersten Schätzungen insgesamt 390 000 Euro.

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