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Freiwilligen Feuerwehr (FFW) Kelberg hilft Flutopfern

Feuerwehr : Kelberger Feuerwehr hilft an der Ahr

Seit Wochen sind die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr (FFW) Kelberg an der Ahr im Einsatz. Sie bringen Hilfsgüter dorthin, wo die Menschen sie brauchen.

Hundert Geschichten wären niederzuschreiben über das, was während des Besuchs unserer Zeitung am und im Bauhof der Werke der Verbandsgemeinde (VG) geschieht und erzählt wird. Etwa von den drei Feuerwehrfahrzeugen, die voll beladen und startklar für die Fahrt in eine Handvoll Dörfer zwischen Ahrbrück und Marienthal vor dem in eine Einsatzzentrale umgewandelten Gebäude stehen. Im ersten Wagen hat der 15-jährige Bennet Schneider aus Berenbach (siehe Extra) auf dem Beifahrersitz Platz genommen. Seine Aufgabe an diesem Tag ist es, mit seiner Ortskenntnis und dem Kontakt zu den Ansprechpartnern in den Dörfern fünf Männer der FFW der Stadt Verden an der Aller (Niedersachsen) zu navigieren und zu begleiten.

Unter diesen Verdener Feuerwehrleuten ist auch der Ortsbrandmeister und Pressesprecher Torben Voigt. Bei der Übergabe eines kleinen Lösch­fahrzeuges an die FFW Bongard hätten sie Arno Radermacher, den Wehrleiter der VG Kelberg, kürzlich kennen gelernt und ihm ihre Unterstützung bei der Fluthilfe angeboten, erzählt Voigt. „Wir könnten ein paar Leute von euch gut brauchen“, zitiert der Verdener den Wehrleiter. Dann nämlich könnten Einsatzkräfte aus den eigenen Reihen sich mal ausruhen. Gesagt, getan. Nun bilden Torben Voigt und seine vier Feuerwehrkameraden den ersten Hilfstrupp. Sie werden von Kelberger Feuerwehrleuten beherbergt und nach drei Tagen von einer weiteren Fünfer-Mannschaft abgelöst. „Super“, sagt Arno Radermacher.

„Die Einsätze sind perfekt organisiert“, lobt Torben Voigt. Besonders beeindruckt sei er von dem Prinzip des „ganz kleinen Dienstwegs“. Soll heißen: Es wird mithilfe von Handzetteln bei Kontaktpersonen in den betroffenen Orten erfragt, was konkret benötigt wird. Dann werden die entsprechenden Hilfsgüter entweder aus dem Lagerbestand genommen oder umgehend beschafft und an Ort und Stelle gebracht. Und zwar an allen Werktagen mit bis zu drei Fahrten täglich. Dabei sind neben dem Nützlichen und Nötigen für die Erwachsenen immer auch Süßigkeiten, Spielsachen und Eis am Stiel für die Kinder an Bord.

Für den reibungslosen Ablauf dieses Bestellsystems sorgt – neben vielen weiteren, wie ausdrücklich betont wird, ein dreifach besetztes Team vorneweg: Winfried Müller, der als pensionierter Soldat noch über äußerst hilfreiche Kontakte zur Bundeswehr verfügt und in Kelberg der Schriftführer des Fördervereins der FFW und zudem in der VG-Feuerwehr tätig ist; Astrid Schneider aus Berenbach, Bürokauffrau und als Mitglied des Tambour- und Fanfarencorps’ der FFW Kelberg eng verbunden; Marina Schwarz aus Bereborn, Unternehmensberaterin und Ehefrau eines Feuerwehrmanns. Die Kombination – pensioniert (Winfried Müller), beruflich im Urlaub (Astrid Schneider), selbstständig (Marina Schwarz) – sei ideal, finden die drei. Und schwirren wieder mal davon, nachdem sie noch ein Dankeschön an ihre Familien ausgesprochen haben, die ihnen seit Wochen den Rücken für ihre Zeit und Kräfte zehrende ehrenamtliche Aufgabe freihalten, sowie an die etwa 70 freiwilligen Helfer, die je nachdem mal für eine Stunde, einen Tag oder eine Woche mithelfen.

Wo sich jetzt die Fluthilfe-Einsatzzentrale und das Sammellager der FFW im Industriegebiet Richtung Köttelbach befindet, ist eigentlich der Arbeitsplatz der Brüder Arno Radermacher (Bereich Wasserversorgung) und Thomas Radermacher (Bereich Abwasser), und hier stehen sonst die Betriebsfahrzeuge der VG-Werke.

Damit Platz für all die Hilfsgüter und Helfer ist, nehmen die Mitarbeiter die Fahrzeuge mit nach Hause - auch ein Beispiel von dem, was Torben Voigt unter „kleinem Dienstweg“ versteht. Arno Radermacher schätzt, dass seit Beginn des Fluthilfe-Einsatzes allein in Kelberg Güter im Wert von zwei bis drei Millionen Euro umgesetzt wurden. „Wenn wir etwas kaufen, bekommen wir es oft zum Einkaufspreis oder mit Rabatt“, sagt er – „und ganz viel gespendet und geschenkt.“ Es sei ein riesiges Netzwerk entstanden. Er selbst sei immer noch besonders berührt von einem seiner ersten Einsätze am Nürburgring. „Wir standen mit Taschen voller Lebensmittel bereit, ein Hubschrauber nach dem anderen landete und wurde beladen, hob wieder ab und versorgte die Menschen, die zum Teil noch auf den Dächern ihrer Häuser saßen, aus der Luft“, erinnert sich Arno Radermacher.

Wenn sie jetzt in die Dörfer kämen, sei auch das Zuhören wichtig. „Uns geben die Menschen dort Kraft mit ihrer Dankbarkeit“, bringt er einen weiteren Aspekt auf den Punkt.

Astrid Schneider – eben hat sie ein Telefongespräch wegen der Mittagsverpflegung der Helfer aus Verden geführt – schwärmt bei allem Schweren von dem sagenhaften Zusammenhalt der Ehrenamtlichen und von der tollen Unterstützung durch die Unternehmen aus Kelberg und Umgebung. Ob es um die Beschaffung von Gitterboxen, Paletten, Kuchen, Kaffeebechern, Brotmessern oder Eistee gehe, es werde alles möglich gemacht. „In einem Dorf an der Ahr hatten die Fluthelfer Grillfleisch gespendet bekommen, und Grills waren auch vorhanden. Was fehlte, war Grillkohle“, erzählt Astrid Schneider. Klar, dass die Kelberger auch in diesem Fall umgehend helfen konnten.

Da kündigt Winfried Müller die Ankunft eines mit Getränken, Schubkarren, Bautrockengeräten und Waschmaschinen beladenen Lastwagens der Firma Enke aus Düsseldorf an. Es ist deren vierte Fuhre nach Kelberg seit Beginn der Fluthilfe, dieses Mal begleitet von Firmenchef Hans-Ulrich Kainzinger. „Ich fühle mich der Region so eng verbunden, dass ich mit meinen Leuten helfe, wo und wie es nur geht“, erklärt er. „Was hier in Kelberg geleistet wird, ist vorbildlich“, meint er.

Zu den Unterstützern gehört auch Peter Veenstra, der in Kelberg wohnende Leiter einer Allianz-Generalagentur mit Sitz in Adenau. „Wenn ich jetzt Kunden im Kata­strophengebiet wegen der Schadensregulierung aufsuche, habe ich immer den Kofferraum voll mit allem Möglichem, was die Leute in den Dörfern jetzt am nötigsten brauchen“, erklärt er. Da ist es gut, dass der Vorrat im Lager der FFW in Kelberg so groß ist. Und bestens geordnet – nach Hygieneartikeln, Lebensmitteln, Arbeitsgeräten und wie die Beschriftungen auf den Behältnissen sonst noch alle lauten.

 Der 15-jährige Bennet Schneider verbringt seine kompletten Schulferien bei der Fluthilfe der Kelberger Feuerwehr
Der 15-jährige Bennet Schneider verbringt seine kompletten Schulferien bei der Fluthilfe der Kelberger Feuerwehr Foto: Brigitte Bettscheider

Mehr Informationen über das Fluthilfe-Projekt finden sich auf der Facebook-Seite der Freiwilligen Feuerwehr Kelberg. Telefonisch sind Kontakt und Info möglich während der Dienstzeiten der Verbandsgemeinde-Verwaltung unter der Rufnummer 02692/87229.