1. Region
  2. Vulkaneifel

Freude bei Händlern im Eifelkreis, Ernüchterung in der Vulkaneifel

So sieht es aus nach dem Lockdown : Freude bei Händlern im Eifelkreis, Ernüchterung in der Vulkaneifel

Am Montag bleibt der große Ansturm nach dem Lockdown aus, doch die Gewerbetreibenden freuen sich über jeden einzelnen Kunden. Im Vulkaneifelkreis könnte am Mittwoch alles wieder vorbei sein.

Die Schiebetür des Hagebaumarktes in Hillesheim öffnet sich, als sei nichts gewesen. Das gesamte Sortiment liegt griffbereit in den Regalen, man muss es tatsächlich nur herausnehmen und in den Einkaufswagen legen.

Nach fast vier Monaten Lockdown eine Sensation für Heimwerker, Gartenfreunde und sonstige Schrauber – von denen aber lediglich einige wenige gekommen sind. Der Filialleiter lässt sich dazu nicht befragen und verweist auf die Presseabteilung der Unternehmenszentrale.

Doch die Kunden und das Personal wissen, wo der Hammer hängt: „Die Indidenzzahl ist in der Vulkaneifel auf rund 53 gestiegen“, sagt eine Verkäuferin. „Wenn das so bleibt, oder wenn noch mehr Infizierte dazu kommen, werden wir ab Donnerstag wieder schließen müssen“, erklärt sie einem älteren Kunden, der zurzeit sein Badezimmer renoviert. „Dann fahre ich eben nach Prüm“, sagt der Mann im Blaumann. Worauf eine Diskussion in der kurzen Schlange vor der Kasse entflammt, ob der Kunde das überhaupt dürfe. Eine Frau, die ihren Einkaufswagen mit Blumenerde und Geranien voll beladen hat, beendet den lebhaften Meinungsaustausch mit der berechtigten Frage: „Wer soll das denn überhaupt kontrollieren?“.

In ihren insgesamt sechs Geschäften in der Gerolsteiner Innenstadt sei der Montag erfreulich gut verlaufen, sagt Gerlinde Blaumeiser. „Auch wenn von einem Ansturm keine Rede sein kann.“ Die Inzidenzzahlen seien im Laufe des Wochenendes wiederum auf mehr als 50 gestiegen (am Freitag lagen sie noch bei 39,6, am Sonntag bei 52,8 Infizierten je 100 000 Einwohnern Anmerkung der Redaktion). Falls wir wieder schließen müssen, werden wir erneut mit Terminvergaben und einem Abholservice arbeiten. Wir reagieren von Tag zu Tag.“

Buchhandlungen gelten seit den Corona-Lockerungen am Montag als „Geschäfte des täglichen Bedarfs“ und sind – soweit die Inzidenz nicht erneut über 100 steige – uneingeschränkt geöffnet, sagt Simone Behme, Inhaberin der Buchhandlung Behme in Prüm. „Selbstverständlich gelten die üblichen Bedingungen: ein Kunde pro zehn Quadratmeter und die Maskenpflicht“, sagt die Buchhändlerin.

„Wir sind überglücklich, wieder aufmachen zu dürfen und freuen uns über jeden Kunden, der durch die Ladentür kommt“, sagt Behme. Und sie hoffe darauf, dass die Fallzahlen nicht erneut steigen: „Wir warten ab, sind für das erste aber sehr froh, uns wieder präsentieren zu dürfen.“

In der Bitburger Einkaufsmeile freut sich Lars Messerich, Inhaber des gleichnamigen Modehauses, über regen Kundenbesuch am Montag. Wir und auch die Kunden sind sehr glücklich mit dieser Situation.“ Allerdings habe es im Vorfeld sehr viele telefonische Anfragen gegeben, ob sein Geschäft auch wirklich öffne. „Die Endverbraucher sind zunehmend verunsichert“, resümiert Messerich.

„Wir Gewerbetreibenden pochen auf neue Regelungen, die sich nicht nur auf den Inzidenzwert im Kreis beziehen, um diesen JoJo-Effekt zu beenden.“ Die Kunden seien regelrecht verwirrt gewesen und hätten mehrmals nachgefragt, ob sie den Laden betreten dürften, berichtet Sabine Kranz, Verkäuferin bei Ragazzi Moden Bitburg. „Unsere Stammkundschaft war zwar informiert, aber Warteschlangen vor dem Geschäft gab es heute nicht.“

Reine Blumengeschäfte, wie das von Roland Münz in Prüm, sind bereits seit dem ersten März für die Kundschaft geöffnet, „daher hat es bei uns auch keinen überraschenden Ansturm gegeben“, erzählt Münz.

Das Angebot, Blumen, Gebinde und Kränze telefonisch zu bestellen und die Ware kontaktfrei abzuholen, habe in den vergangenen Monaten einwandfrei funktioniert, sagt Münz. „Wir sind einigermaßen gut durch den Lockdown gekommen, aber jetzt wird es Zeit, zur Normalität zurückzukehren.“

 Hobbygärtner sind unterwegs - wie hier in Hillesheim – aber es ist  eher ein kleiner Käuferkreis.
Hobbygärtner sind unterwegs - wie hier in Hillesheim – aber es ist  eher ein kleiner Käuferkreis. Foto: TV/Vladi Nowakowski

Sie freue sich über den aktuell niedrigen Inzidenzwert im Eifelkreis (Montag: 26,2 Anm. der Red.), sagt Daniele Haas, die Vorsitzende des Gewerbevereins Prüm. Das soll auch hoffentlich so bleiben: „Die Geschäftsleute haben alle Hygienemaßahmen und neuen Anforderungen umgesetzt und können ihre Kunden begrüßen.“ Erwartet sie jetzt einen Ansturm auf die Läden? Nein: „Ich glaube nicht, dass sich die Leute jetzt überall ins Auto setzen und die Städte stürmen.“ Sie fürchtet auch keinen Anstieg der Neuinfektionen infolge vermehrten Kundenverkehrs: „Die Geschäftsleute sind schon aus eigenem Interesse darauf bedacht, dass die Hygienekonzepte umgesetzt werden.“