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Frischer Wind im Winkel

Frischer Wind im Winkel

WINKEL. Frischen Wind will der neue Bürgermeister der 180-Seelen-Gemeinde Winkel, der 39-jährige Jörg Prescher, als Nachfolger von Josef Hölzer in das Dorf bringen.

Nein, abgehoben ist Jörg Prescher im bildlichen Sinne nicht, wenn er meint, dass in Winkel der "Zündfunke" gefehlt hat, um das Dorf wieder zu beleben. Abheben - das macht der 39-jährige gebürtige Berliner aber doch öfter, nämlich vom Nato- Flugplatz Büchel, wo er als Waffensystemoffizier manchmal noch in einem Tornado-Kampfflugzeug sitzt, wenn er nicht bei der Bundeswehr- Kommandobehörde in Birkenfeld seinen Job verrichtet. 1992 trat Prescher nach seiner Bundeswehrausbildung seinen Dienst in Büchel an. Als Wohnort wählten er und seine Hamburger Frau Winkel aus. Dort gefiel es dem Ehepaar. Ihre Entscheidung stand fest: Auch nach einem dreijährigen beruflichen Intermezzo in Belgien wollte das Paar nach Winkel zurückkehren. Das klappte auch. Bei der Kommunalwahl 2004 wollte Prescher ("Ich fühle mich hier sehr wohl") den nächsten Schritt tun. "Ich habe mein Interesse bekundet, in den Gemeinderat zu kommen, weil mir das Dorf am Herzen liegt und mir an der Entscheidungsfindung gelegen ist", sagt er. Einen Hehl aus seinem Interesse am Bürgermeisteramt hatte er nie gemacht. "Ich wollte aber nicht unbedingt jetzt Bürgermeister werden. Meine Perspektive war, dies in fünf Jahren zu werden. Zunächst wollte ich nur einmal in die Gemeindearbeit reinschnuppern."Einstimmiges Votum im Gemeinderat

Doch es kam anders. Es gab keinen Bewerber für den Posten im neu gewählten Gemeinderat. "Man sprach mich an und eigentlich war es mir noch zu früh. Aber nach einigen schlaflosen Nächten habe ich zugesagt", sagt Prescher, der auch einstimmig vom Gemeinderat gewählt wurde. Der neue junge Dorfchef sieht sich trotz des plötzlichen Amtsantritts in der Lage, die Aufgaben kompetent wahrzunehmen. "Ich glaube, dass ich auf Grund meiner Berufserfahrung und mit dem, was ich dort erreicht habe, im Umgang mit den Behörden ein sicheres Auftreten habe und die Interessen des Dorfs gut vertreten kann." In den Augen von Jörg Prescher war das Dorf in den vergangenen Jahren etwas "eingeschlafen". Von der einst lebendigen Gemeinschaft eines Eifeler Dorfes sei nicht mehr viel geblieben. "Der Optimismus von früher ist weg. Das macht mich traurig. Meine Vorstellung von einem funktionierenden Dorf ist Hilfsbereitschaft und Selbstverständnis. Ganz wichtig ist mir, dass die Leute wieder aufeinander zugehen und etwas miteinander machen sollten. Das liegt mir am Herzen", sagt Prescher, der auch schon einen Anstoß zur Verbesserung gegeben hat. An jedem Freitag treffen sich nun Leute im Bürgersaal, spielen Karten und unterhalten sich. "Das Treffen ist schon ein guter Ansatz, damit die Menschen wieder miteinander sprechen", freut sich Prescher, der auch schon eine Anfrage wegen eines monatlichen Treffens der älteren Bürger im Dorf hat. Auch die Jugend soll wieder eine Perspektive in Winkel geboten bekommen. Der Jugendraum wird wieder geöffnet, wenn die jungen Leute bereit sind, Verantwortung zu tragen und sich den Regeln anpassen. Prescher wünscht sich, dass "die Bürger von sich aus Ideen einbringen und Interessengemeinschaften bilden. Meine Aufgabe ist es, diese Ideen aufzugreifen und umzusetzen".