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Fühlen, fachsimpeln, feilschen

Fühlen, fachsimpeln, feilschen

Markthändler an ihren Ständen gehören traditionell zum Stadtbild von Daun und Hillesheim. Doch die Konkurrenz durch Discounter und das Internet macht es den Beschickern immer schwerer. Der TV hat sich auf den Märkten umgesehen.

Daun/Hillesheim. Haushaltswaren, Kleidung, Obst und Gemüse: Auf Märkten kommen Beschicker und Kunden ins Geschäft - eine Tradition, die Jahrhunderte alt ist (siehe Extra). Waren Besucher früher auf das Angebot der Händler angewiesen, können sie heute aus einem Überfluss an Produkten in Supermärkten und dem Internet wählen, 24 Stunden, sieben Tage die Woche. Lohnt sich das Geschäft für die Beschicker noch? Und brauchen die Kunden den Markt? Der TV hat mit Marktleuten und Kunden in Daun und Hillesheim gesprochen.

Die Händler: Die Familie von Gudrun Pfeiffer arbeitet seit über 60 Jahren auf dem Markt. In ihrem "Gemischtwarenladen" mit Messern, Scheren und Gürteln ist die Frau aus Schleiden-Gemünd seit 1990 dabei, kommt regelmäßig nach Daun und Hillesheim. "Es ist ganz schön schwer geworden", sagt die 56-Jährige. Das Internet mache ihrer Zunft zu schaffen: großes Sortiment, billige Preise, keine Standgebühren. Und obwohl die Arbeit als Beschicker körperlich "richtig anstrengend" sei, schätzt Pfeiffer das Marktgeschehen: "Man lernt viele interessante Leute kennen." Anders eben als beim Einkauf im Netz.
Die Gespräche mit den Kunden sind auch die Motivation von Ingrid Wild aus Brühl, die seit zwei Jahren ihr Obst und Gemüse auch in Hillesheim anbietet. "Es geht nicht um Verkaufen und Abkassieren - wir geben Tipps zur Zubereitung, erklären Rezepte." Doch Wild machen Discounter mit Dauer-Billigpreisen und immer längeren Öffnungszeiten zu schaffen. "Wir punkten mit Frische, die mit dem Preis."

Die Kunden: Die Märkte leben vor allem von Stammkunden, meist älteren Menschen. "Wir kommen jeden Monat. Die Auswahl ist groß", erzählt das Dauner Ehepaar Christa (65) und Kurt (71) Willems. Zwischen den Auslagen stöbern die Besucher nicht nur nach Waren, sondern halten auch gerne ein Schwätzchen mit Bekannten.
Viele kaufen regelmäßig an bestimmten Ständen, kennen die Händler und ihre Produkte. Strümpfe und Hosen für ihren Mann bringt Magret Mohrs aus Mehren immer aus Daun mit. Wenn etwas nicht passt, wird es umgetauscht. "Das ist überhaupt kein Problem", sagt die 47-Jährige.
Viel los ist immer bei den Stoffhändlern, Frauen allen Alters fühlen, fachsimpeln, feilschen, frohlocken. Die Wallenbornerin Nina Marx-May, 31, kommt mit ihrem einjährigen Sohn jeden Monat nach Daun, bestellt aber auch online: "Mit dem Versand ist es im Internet nicht grundsätzlich günstiger." Und Anfassen geht nur auf dem Markt. "Ich finde es gut, dass es so was noch gibt."

Die Organisatoren: Wenn das Wetter stimmt, laufen die Krammärkte gut. Doch die Marktbeschicker und Kunden werden immer älter - und weniger. "Junge Leute gehen nicht auf den Markt. Dem etablierten Handel macht das Internet zu schaffen", meint Dieter Wilhelm, Marktleiter in Daun. "Das klassische Angebot bekomme ich natürlich heute auch in jedem Supermarkt", gibt auch Matthias Stein, Stadtbürgermeister in Hillesheim, zu. Aber gegenüber dem Onlinehandel sieht er Vorteile: "Die Leute können die Waren vor Ort ansehen und Kleidung anprobieren."
Einig sind sich beide darin, dass die Märkte zur Tradition der Städte gehören. "Markt ist Kultur", betont Wilhelm. Hillesheim will in Zukunft stärker auf Touristen setzen und gibt eine Infobroschüre zum Markt heraus. Und auch für Wilhelm gilt: "Als Touristenstadt gehört für mich der Markt zum Marketing."Extra

Eine lange Tradition hat der Markt in Daun, der bis auf die Verleihung der Stadtrechte 1346 zurückgeht. Regelmäßige Kram- und Wochenmärkte gibt es seit etwa 200 Jahren; bis in die 1960er Jahre wurde in Daun auch Vieh gehandelt. Heute kommen nach Angaben des Verbands der Marktkaufleute Eifel-Mosel-Hunsrück im Schnitt 70 Händler zum Krammarkt, Termin ist jeden zweiten Mittwoch im Monat. Höhepunkt ist jedes Jahr der Markt zur Laurentiuskirmes im August mit 200 Händlern. In Hillesheim bieten an jedem ersten und dritten Donnerstag im Monat um die 50 Beschicker auf dem Krammarkt ihre Waren an, einen Frischemarkt gibt es jeden Donnerstag. Die Wurzeln des Markts reichen ebenfalls bis ins Mittelalter zurück, regelmäßig wird seit 1840 in der Innenstadt gehandelt. Sogar im Zweiten Weltkrieg ging das Markttreiben weiter. Der bekannte Vieh- und Schweinemarkt musste 2003 aufgrund von Tierseuchen wie BSE eingestellt werden. maf