Abfallwirtchaft: Für die SPD ist das Biotonnen-Aus im Vulkaneifelkreis noch längst nicht eingetütet

Kostenpflichtiger Inhalt: Abfallwirtchaft : Für die SPD ist das Biotonnen-Aus im Vulkaneifelkreis noch längst nicht eingetütet

Mit einer Informationstour durch die Region und Post an alle Haushalte gehen derzeit die Vorbereitungen des Zweckverbandes Abfallwirtschaft Region Trier (ART) für neue Restabfall- und Biomüllsysteme in die heiße Phase. Die Skepsis ist nach wie groß, wie Bürgermeister berichten. 

„Wir haben die Wahl“, steht in großen Lettern auf einer Papp-Scheibe, die jüngst an alle Vulkaneifeler Haushalte geschickt. Damit soll man ausrechnen können, welche Tonnengröße man künftig benötigt und wie viel sie kostet: Im Normfall reichen für vier Menschen 80 Liter Tonnenvolumen aus, um zwei Wochen lang über die Restmüllrunden zu kommen. Und der Biomüll, der im selben Zeitraum derzeit noch braune 120-Liter-Tonnen füllen kann, muss künftig eigenhändig in 10-Liter-Papiertüten ohne Griff in 770 Liter große Sammelcontainer gefüllt werden.

Die Wahl zu haben, das bedeutet für die Bürgermeister, die bereits seit Mai Standorte für die Container an den ART durchgeben sollten, durchaus weiteren Diskussionsbedarf. Ralf Schüller, Ortsbürgermeister von Dockweiler, teilt mit: „Der ‚alte‘ Gemeinderat hat bisher einen Standort für einen Bio-Container beschlossen. Wir werden allerdings in der nächsten Sitzung mit dem ‚neuen‘ Gemeinderat über das Konzept und den bisherigen Standort noch einmal sprechen. Es gab bisher im Dorf viele negative Meinungen zur Einführung des neuen Systems. Auch über den ausgewählten Standort gibt es Diskussionen. Das Thema wird uns sicherlich noch einige Zeit beschäftigen.“

Und aus Immerath berichtet Ortsbürgermeisterin Marion Divossen: „Wir haben bisher noch keine Biotüten-Sammelstelle angemeldet.  Mit einer Sammelstelle kommen wir bestimmt nicht hin, da die Wege innerhalb des Dorfs zu weit sind. Bisher gibt es noch keine Diskussionen, wo eine Sammelstelle hinsoll. Die Idee wird aber eher belächelt und als ‚ein Schritt zurück‘ angesehen.“

In der Stadt Gerolstein hat man sich in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses mit dem Thema beschäftigt. „Ein ART-Vertreter hat uns informiert, wo beispielsweise die Sammelcontainer aufgestellt werden können“, berichtet Stadtbürgermeister Uwe Schneider (SPD). „Konkrete Standorte haben wir noch nicht festgelegt, gehen aber davon aus, dass die Container dort platziert werden, wo schon andere stehen.“ Im Ausschuss sei sehr kritisch über die Änderungen in Sachen Müllabfuhr diskutiert worden. Schneider befürchtet, dass künftig viel Biomüll im Restabfall landen wird. Sein Dauner Amtskollege Friedhelm Marder rechnet damit, dass verstärkt Müll illegal abgelagert wird, „was mehr Arbeit für den Bauhof mit sich bringen wird.“

In Daun sind bereits vier Standorte in der Kernstadt dem ART gemeldet worden, aus Sicht einiger Stadtratsmitglieder „viel zu wenig“.

Von Schritten zurück ist beim ART jedoch keine Rede und das Lächeln hat andere Gründe. Es laufe gut, so heißt es seitens des Zweckverbandes. „Im Moment sind uns im Kreis Vulkaneifel rund 150 Orte für die Aufstellung dieser Container genannt wurden, das ändert sich jedoch täglich“, gibt ART-Pressesprecherin Kirsten Kielholtz Auskunft über die Resonanz. In Trier sei man mit den Tütencontainern sogar mit nur fünf Exemplaren gestartet, nunmehr gebe es fünfzig. Es sei leicht praktikabel, etwa auf dem Weg zur Arbeit am nächsten Container vorbeizufahren, um den Biomüll einzuwerfen.

Für die Kreistagsfraktion der SPD ist die Angelegenheit bei Weitem noch nicht eingetütet. Der Vorsitzende Jens Jenssen kündigt an: „Bei der finalen Entscheidung in der ART-Verbandsversammlung am 17. September werden wir konsequent bleiben. Unser Vertreter wird der neuen Abfall- und Gebührensatzung nicht zustimmen. Als zweiten Schritt werden wir für die Überprüfung der Wirksamkeit des Biotüten-Modells eine klare Transparenz einfordern.“ Die Genossen verlangen Einsicht in den Forschungsauftrag zur Erstellung eines wissenschaftlichen Gutachtens durch das Witzenhausen-Institut.

„Für uns ist gerade dieser Punkt das Widersinnige an der Entscheidung gegen die Biotonne, nämlich dass durch die noch ausstehende Bewertung, ob die Biotüte überhaupt eine praktikable Alternative darstellt, faktisch keine Geschäftsgrundlage für die getroffenen Entscheidungen besteht.“

Auf Basis der Forschungsergebnisse müsse die SGD-Nord ergebnisoffen prüfen. „Sollte sich herausstellen, dass die Biotüte nicht den Erfordernissen des Kreislaufwirtschaftsgesetzes entspricht, müssten die gefällten Entscheidungen zwingend neu getroffen werden.“ Sollte die Tonne wiedereingeführt werden müssen, stelle sich die Frage, ob die ART-Verantwortlichen „fahrlässig zum Nachteil der betroffenen Gebührzahler in der Vulkaneifel gehandelt haben“.

Mehr von Volksfreund