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Für jeden Takt ist eine Woche vorgesehen

Für jeden Takt ist eine Woche vorgesehen

DAUN-RENGEN. Bereits die Hälfte der ersten Brückenspur auf der Liesertalbrücke ist fertig gestellt. Über den derzeitigen Stand der Bauarbeiten und den Fortgang der Autobahnbaustelle informierte sich auch der Bau- und Planungsausschuss der Stadt Daun bei einer Ortsbesichtigung.

Wer momentan die Baustelle der A 1 bei Daun-Rengen passiert, staunt angesichts des technisch Machbaren, was sich da seinem Auge bietet. Immer wieder bleiben Autofahrer entweder am Kreisel oder bei der Einfahrt Rengen stehen, um sich den Bau der Liesertalbrücke anzuschauen. Schon ihre Maße sind gigantisch. In 50 Metern Höhe wird sie sich 600 Meter lang über das Tal schwingen, rund 30 000 Kubikmeter Beton und 18,5 Millionen Euro werden dafür verbaut. Die "wichtige Maßnahme", so Stadtbürgermeister Wolfgang Jenssen, schaute sich jetzt auch einmal der Bau- und Planungsausschuss der Stadt Daun im Rahmen einer Sitzung an. Die technischen Details der einzelnen Bauphasen erläuterte Dietmar von Landenberg, Leiter des Baubüros der A 1, den Stadtausschussmitgliedern.Ein Verfahren vom Beginn der 60er-Jahre

Die Liesertalbrücke wird im so genannten taktiven Verfahren gebaut, das Anfang der 60er- Jahre entwickelt wurde. Jede der 600 Meter langen zwei Spuren der Brücke besteht aus zwanzig Einzelstücken, die je 30 Meter lang sind und am Baustellenrand in einer Art Formwanne vorgefertigt werden. Zur Zeit ist der zehnte Takt gerade fertig gestellt worden, also die Hälfte der ersten Spur ist fertig. 40 Mitarbeiter einer bayrischen Firma, darunter zumeist Rumänen, fertigen zuerst die Bewehrung aus Stahl. Dann wird das Segment in eine Art Wanne geschoben und dort als Hohlkasten betoniert. Nach nur einem Tag wird die Innenform ausgeschalt, danach wird noch die Decke des Segmentes betoniert. "Jeder Takt muss in einer Woche fertig gestellt sein, was zu Beginn der Arbeiten schon zu erheblichen Schwierigkeiten geführt hat", gibt Dietmar von Landenberg zu. Die sind inzwischen ausgeräumt, und mit der Präzision eines Uhrwerks wird jede Woche ein weiteres Stück der Liesertalbrücke fertig gestellt. Die einzelnen Takte werden mit Hilfe von hydraulischen Pressen dann auf die Brücke mit Hüben von je 25 Zentimeter geschoben. Pressen heben dabei jedes bereits fertige Segment leicht an, und Teflonplatten darunter helfen beim Verschieben. "Die Fertigung der Hohlkästen ist von der Größe her und der Höhe von fünf Metern schon eine einmalige Sache. Dafür muss man ein gewisses Know-how haben", erläutert von Landenberg. Zwischen den Pfeilern, die später stehen bleiben und die eine andere Form haben, wurden von der Baufirma hohle rechteckige Hilfspfeiler gebaut, welche die Last der Segmente aufnehmen. Am ersten Takt ist als Stützhilfe zudem ein Schnabel aus Stahl befestigt, der zur Sicherung der Betonsegmente beim Vorwärtsschub dient. Jedes Segment wiegt 1000 Tonnen, eine Spur hat demnach ein Gewicht von 20 000 Tonnen. Da die Hilfspfeiler beim Bau der zweiten Spur zur Seite verschoben werden müssen, wurden sie mit einer Folie vom Betonfundament getrennt. Nach dem Ende der Bauarbeiten wird es an der Liesertalbrücke allerdings nicht aus purer Freude ein Feuerwerk der besonderen Art geben. Dann werden nämlich die nicht mehr benötigten Hilfspfeiler gesprengt. Etwas mehr als zwei Grad ist die Brückenspur zum Abfluss des Regenwassers geneigt. Das Wasser läuft im Inneren der Hohlkästen in drei Regenrückhaltebecken ab, wovon das erste einen Ölabscheider hat. Parallel dazu wurden inzwischen eine Wirtschaftsbrücke für das nicht mehr existierende Versuchsgut Domäne gebaut und die Talbrücke Jeichensuhr mit 129 Metern Spannweite. Bis zum nächsten Jahr wird zudem noch eine Wirtschaftsbrücke im Rengener Wald gebaut. Auf der Rengener Seite nahe der ersten Wohnbebauung wurden schon 80 000 Kubikmeter Aushub für die Liesertalbrücke aufgeschüttet, und Bohrpfähle als Gründung des Widerlagers der Brücke wurden zwölf Meter in den festen Untergrund betoniert. Durch 160 000 Kubikmeter Aushub wird die Anschüttung noch acht Meter höher werden, und die Erdmassen werden dann eine Breite von 250 Meter bis zum Feldweg zum Sportplatz haben. Dietmar von Landenberg: "Ende dieses Jahres wollen wir mit der ersten Spur auf der anderen Seite sein. Wir hoffen, dass wir 2009 planmäßig mit dem Teilabschnitt der A 1 bis zur Anschlussstelle Gerolstein fertig sind."