Funkelnde Spaten, glänzende Augen

DAUN-RENGEN. Rund 100 Gäste, darunter Politiker von der Lokal- bis zur Bundesebene, Vertreter der beteiligten Behörden und Unternehmen sowie interessierte (große und kleine) Bürger, verfolgten den Spatenstich zum Weiterbau der A 1 bei Rengen gestern auf der Baustelle mit.

Tim Saxler aus Daun-Rengen ist zwar erst zwei Jahre und acht Monate alt, er kennt sich aber bereits gut aus und ist daher auf Nummer sicher gegangen: Zum Festakt anlässlich des Weiterbaus der A 1 in der Nähe seines Heimatdorfs hat er nicht nur seinen Papa sowie Opa Josef mitgebracht, sondern auch seine eigene Schaufel. Denn dass dort oben im Wald zwischen Boverath und Rengen immer viel zu tun ist, weiß er schon lange. Schließlich besucht er gemeinsam mit Opa "Jupp" regelmäßig die Großbaustelle, um "die Bagger und großen LKW zu gucken". Und falls den Beiden der Weg hoch hinauf mal zu beschwerlich ist, "setzen wir uns eben unten ans Heiligenhäuschen und beobachten die vielen LKW, die jeden Tag von der Baustelle kommen oder dorthin fahren", berichtet Opa "Jupp". Und dass es bei solchen Festakten - besonders im Wahlkampf - schon mal eng werden kann mit dem Werkzeug, hat Tim offensichtlich auch spitz bekommen - wenngleich er dem Anschauungsunterricht beim jüngsten Spatenstich auf der A 1 (2001 bei Darscheid) noch nicht beigewohnt haben konnte. Sei's drum: Er jedenfalls hatte seine Schaufel parat, bei den besonderen Gästen reichte es letztlich auch. Obwohl: Kurz vor dem symbolträchtigen Moment hatte Harald Enders, Leiter des zuständigen Landesbetriebs Straßen und Verkehr (LSV) Gerolstein, dann doch noch seine Zweifel bekommen - trotz guter Vorsorge in Form von neun(!) nigelnagelneuen Spaten. Die funkelten um die Wette mit den Augen der Damen und Herren Politiker im Blitzlichtgewitter. Doch das war schnell vorüber, denn die Festgäste stellten das Leihwerkzeug rasch wieder zur Seite. Nicht so Tim: Der schaufelte unentwegt weiter - was Opa Jupp zur Feststellung veranlasste: "Wenn alle so fleißig wären wie er, wäre die Straße bald fertig." Dass es aber weder am Fleiß noch am Willen gelegen habe, dass das Vorhaben "Lückenschluss" bislang nur zögerlich voran kam, betonte der rheinland-pfälzische Wirtschafts- und Verkehrsminister Hans-Artur Bauckhage (FDP). Vielmehr seien besonders die "Auswirkungen eines verschärften Umweltrechts" der Grund. Zwar ließ sich Bauckhage nicht mehr auf 2010 festnageln, ganz preisgeben wollte er das stets als Zielmarke verkaufte Datum aber doch nicht. Daher sagte er: "Bis 2010 werden wir in die Realisierungsphase für den Lückenschluss eingestiegen sein." Da waren alle froh: Die Erwachsenen, weil sie das hören wollten und ihnen dieser Optimismus gut tat. Und der kleine Tim, weil es trotz aller hehren Worte bislang stets zu Verzögerungen gekommen ist, und daher die tolle Baustelle vor seiner Haustür so bald wohl nicht verschwinden wird. Und bis es dann wirklich einmal so weit ist, dürfte er mehr am "Baggern", als an LKW und Baggern interessiert sein. Aber das ist eine andere Geschichte.

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