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Fusion? Kein Thema! - Sparkassenchefs in Bitburg und Daun betonen Eigenständigkeit

Fusion? Kein Thema! - Sparkassenchefs in Bitburg und Daun betonen Eigenständigkeit

Nachdem die beiden großen Volksbanken Bitburg und Eifel-Mitte ihre Fusionspläne bekannt gegeben haben, ist das Thema Bankenzusammenschluss in der Eifel wieder auf der Tagesordnung. Auch bei den Kreissparkassen? Laut offiziellen Statements aus Daun und Bitburg will man derzeit davon nichts wissen. Das war mal anders.

Daun/Bitburg. Rückblick: 6. Juni 2008: Deutschland siegt im heiß umkämpften Gruppenspiel der Fußball-EM gegen Österreich durch ein Tor von Michael Ballack mit 1:0 in Wien. Ein denkwürdiger Abend. Das Spiel bekommen die Mitglieder der Kreistage Bitburg-Prüm und Vulkaneifel, die zeitgleich tagen, sowie Hunderte Gäste nicht mit. Dafür aber einen für die Region noch viel denkwürdigeren Abend - und viele spannende Entwicklungen in den folgenden Wochen und Monaten.

Das Thema: die von den CDU-Spitzen in Daun und Bitburg geschmiedeten Fusionspläne der beiden Kreissparkassen in Bitburg und Daun. Die werden nach mehrmaligem Hin und Her - auch unter dem Druck von gut 15 000 Unterschriften aus der Bevölkerung in der Vulkaneifel - letztlich gekippt. Die CDU in der Vulkaneifel bekommt daraufhin bei der Kommunalwahl 2009 einen Denkzettel und verliert erstmals in ihrer Geschichte die absolute Mehrheit. Und das Thema KSK-Fusion wird tunlichst nicht mehr angesprochen. Stets mit dem Hinweis, dass beide Geldinstitute gut dastünden.

Nachdem nun die Volksbanken Bitburg und Eifel-Mitte ihr Zusammengehen für nächstes Jahr bekannt gegeben haben (der TV berichtete), haben wir uns bei den Verantwortlichen der beiden Sparkassen umgehört, ob vor diesem Hintergrund die Fusion wieder ein Thema sei. Das wurde unisono verneint.

Hier die Statements der Verantwortlichen:

Was sagen Sie zum Zusammengehen der beiden Volksbanken zu einem großen Geldinstitut?
Dietmar Pitzen, Vorstandsvorsitzender der KSK Vulkaneifel, und Verwaltungsratsvorsitzender Heinz-Peter Thiel (in einer gemeinsamen Stellungnahme): "Die Volksbanken werden gute interne Gründe für ein Zusammengehen haben. Das betrachten wir als eine ausschließlich unternehmensspezifische Entscheidung, aus der sich weder ein Trend noch eine aktuelle Diskussion über das Thema Bankenfusion in der Eifel ableiten lässt."
Ingolf Bermes, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Bitburg: "Die Argumente der Genossenschaftsbanken sind nachvollziehbar. Es ist logisch, dass kleinere Institute dem Kostendruck durch Bildung adäquater Einheiten begegnen. Derzeit gibt es noch mehr als 1000 Genossenschaftsbanken, aber nur noch rund 400 selbstständige Sparkassen. Der Konzentrationsdruck ist daher bei den Genossenschaftsbanken ungleich höher."
Joachim Streit, Verwaltungsratsvorsitzender der Sparkasse Bitburg: "Eine typische Folge der Überregulierung des Bankenbereichs infolge der 2008er Krise. Die mit der Regulierung verbundenen Kosten führen zu einem immer größeren Druck."

Ist das Zusammengehen der beiden Volksbanken auch für Sie Anlass, mit den Kollegen über eine Fusion der Sparkassen Bitburg und Vulkaneifel zu sprechen?
Pitzen/Thiel: "Alle Kennzahlen der Kreissparkasse Vulkaneifel sind sehr zufriedenstellend. Es ergibt sich keine Notwendigkeit, über organisatorische Veränderungen nachzudenken. Nach dem Motto "Never change a winning team" sehen wir sportlich und optimistisch in die Zukunft."
Bermes: "Eine Fusion der beiden Sparkassen steht derzeit nicht im Raum. Die KSK Bitburg-Prüm ist zukunftsorientiert und leistungsfähig aufgestellt."
Streit: "Nein. Die Geschäftsentwicklung der KSK Bitburg-Prüm erfordert keine Fusion mit der KSK Daun."

Gab es in jüngster Zeit (sagen wir in 2015) solche Sondierungsgespräche?
Pitzen/Thiel: "Nein."
Bermes: "Nein."
Streit: "Nein."

Sehen Sie mittelfristig (bis 2025 beziehungsweise im Rahmen der vom Land geplanten Kreisfusionen) ein Zusammengehen der Kreissparkassen Bitburg und Vulkaneifel als notwendig an?
Pitzen/Thiel: "Die KSK Vulkaneifel ist offen für sinnvolle Optimierungen zum Nutzen der Menschen in unserer Region. Es wäre allerdings vermessen, heute perspektivische Aussagen über die Bankenlandschaft in zehn Jahren zu machen. Das entspricht nicht unserer Geschäftsphilosophie."
Bermes: "Es bleibt abzuwarten, mit welchen gesetzlichen Anforderungen die Kreditwirtschaft in den kommenden Jahren konfrontiert werden wird. Wenn sich kommunale Strukturen verändern, hat das auch Auswirkungen auf den Versorgungsauftrag und die Trägerschaft der Sparkassen."
Streit: "Wenn das Land die beiden Kreise zwangsfusioniert, würden auch die Kreissparkassen betroffen sein."Meinung

Abwarten heißt das Motto
Es ist nicht verwunderlich, dass derzeit keiner der Verantwortlichen etwas von einer Fusion der Sparkassen in Bitburg und Daun wissen möchte. Die Sparkassenleute selbst haben dazu keinen Grund, solange die Zahlen stimmen. Und das tun sie noch. Dass auch die Politik ruhig bleibt, ist auch klar: Die CDU hat sich am Thema so sehr die Finger verbrannt, dass es heute noch nachwirkt. Und die anderen Fraktionen (zumindest auf Dauner Seite) wollten ohnehin nie etwas von einer Fusion wissen. Also wird abgewartet, bis das Land durch die Kommunalreform neuen Handlungsdruck erzeugt. Dann kann auf den Gesetzgeber mit dem Finger gezeigt werden. m.huebner@volksfreund.deExtra

Wirtschaftskraft: Die Bilanzsumme der Volksbank Eifel Mitte lag 2014 bei 590 Millionen Euro, die der Volksbank Bitburg bei 670 Millionen Euro. Zusammen ergäbe sich eine Bilanzsumme von 1,26 Milliarden Euro. Die fusionierte Bank hätte insgesamt 350 Mitarbeiter und 30 Filialen (19 der Voba Bitburg und elf der Voba Eifel Mitte). Die Sparkasse Bitburg wies 2014 eine Bilanzsumme von 1,36 Milliarden Euro auf. Sie verfügt über 25 Filialen und hat 336 Mitarbeiter. Die deutlich kleinere Kreissparkasse Vulkaneifel hatte 2014 eine Bilanzsumme von 813 Millionen Euro. Sie verfügt über 16 Filialen und hat 216 Mitarbeiter. mh