"Galgenfrist" für die Bürger

DAUN/GEROLSTEIN. Für das laufende Jahr werden die Müllgebühren für die Bürger des Kreises Daun noch nicht angehoben, doch für 2006 kommt es "dicke": Experten rechnen mit einer Steigerung der Gebühren zwischen 30 und 50 Prozent.

Reinhard Adrian, Leiter des Eigenbetriebs Abfallwirtschaft des Kreises Daun, ist ein alter Hase, aber selbst ihm, dem erfahrenen Abfall-Experten, hat es kürzlich die Sprache verschlagen, wie Landrat Heinz Onnertz in der jüngsten Kreistagssitzung berichtete. Adrian sei dabei gewesen, als die Angebote für die Restmüll-Entsorgung in der Region Trier für die Zeit vom 1. September dieses Jahres bis 31. August 2007 eröffnet worden seien.Längst klar, wohin die Reise geht

Und was er da erfahren musste, habe Adrian angesichts der Tonnen-Preise "sprachlos" gemacht, erzählte Onnertz. Kein Wunder: Noch sind die Zahlen nicht öffentlich, da erst heute der Zweckverband Regionale Abfallwirtschaft entscheidet, wer ab September den Restmüll entsorgt, aber es ist längst schon klar, wohin die Reise geht. Künftig wird die Entsorgung einer Tonne Restmüll mehr als 200 Euro kosten. Eine gewaltige Steigerung gegenüber der "guten alten Zeit" vor dem Inkrafttreten der Technischen Anleitung Siedlungsabfall (Tasi), die seit 1. Juni gilt. Restmüll darf seitdem nicht mehr nur deponiert, sondern muss verbrannt oder biologisch behandelt werden. Die reine Deponierung einer Tonne Restmülls auf der Kippe des Kreises Bitburg-Prüm in Plütscheid, wohin der Dauner Müll wanderte, kostete rund 50 Euro. Weil der hessische Entsorger Herhof in Insolvenz ging, konnte die Trockenstabilat-Anlage in Mertesdorf nicht in Betrieb gehen. Wäre der Herhof-Vertrag umgesetzt worden, hätte sich der Restmüll-Tonnenpreis ab 1. Juni auf 110 Euro belaufen. Stattdessen war der Preis für die Müllverwertungs-Zwischenlösung (der Dauner Müll wird derzeit in Eschweiler verbrannt) schon auf rund 170 Euro gestiegen, und für 2006 können sich die Bürger im Kreis Daun auf eine weitere, enorme Gebührensteigerung einstellen - Experten rechnen mit 30 bis 50 Prozent. Für das laufende Jahr bleiben die Kreisbürger allerdings noch ungeschoren, wie der Kreistag in seiner Sitzung am Montag entschied. Allein das Verschicken neuer Gebührenbescheide hätte hohe Kosten verursacht. Erhöht werden allerdings bereits - wie in den anderen Kreisen auch - die Entsorgungsgebühren für Gewerbemüll. Während CDU, FDP und FWG sich für die Vergabe zur Entsorgung von Restabfällen aus der Region Trier aussprachen und damit dem Landrat das entsprechende Votum des Kreises in die heutige Verbandsversammlung mitgaben, stimmten Grüne und SPD dagegen. In einer Pressemitteilung der SPD erklärte Fraktionssprecher Wolfgang Jenssen die Ablehnung mit "grundsätzlich anderen Vorstellungen zum Vorgehen bei der Sicherung einer ordnungsgemäßen Abfallentsorgung" im Kreis Daun. Der Kreis solle versuchen, "gegebenenfalls auch kostengünstige Lösungen (...) unabhängig vom Zweckverband Regionale Abfallwirtschaft zu erkunden."