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Gastronomen in der Vulkaneifel leiden unter Corona, Flut und Regen

Gastronomie : Gastronomen kämpfen sich durch den Sommer

Die Gastronomie war schon durch die Corona-Pandemie beeinträchtigt. Dazu kommen die Flutkatastrophe und ein verregneter Sommer. Wie läuft es bei den Café- und Gaststätten-Betreibern in der Vulkaneifel ? Wir haben uns mit ihnen unterhalten.

Eine Beobachtung in diesem Sommer: Ein Sonnenschirm hält nur so lange dem Regen stand, bis sich der Stoff vollständig mit Wasser voll gesogen hat. Ist der Punkt überschritten, tropft es ins Bier, auf den Kuchen und den Gast. Das ungemütliche Wetter hat der Außengastronomie in der Vulkaneifel im Juli und August übel mitgespielt, Biergärten und Café-Terrassen blieben überwiegend verwaist. Den Betreibern bleibt nur noch die Hoffnung auf schöne Herbsttage. Regen und Kälte seien aber nur ein Faktor in einer Abfolge von Nackenschlägen in diesem Jahr, sagt Ulrike Wieck, Inhaberin des Café Hanenbrink in der Gerolsteiner Hauptstraße. „Die Flut im Juli hat auch das Café getroffen. Die Türen und weitere Teile der Einrichtung sind dahin.“ Eine weitere Folge des Hochwassers sei, dass entschieden weniger Touristen kämen, beobachtet Wieck. „Es herrscht verbreitet die Ansicht, in der gesamten Eifel sei Land unter. Die Leute wollen kein Katastrophengebiet besuchen.“ Den gesamten Sommer hätten Wanderer und Radfahrer gefehlt, die sonst einen großen Teil ihrer Kundschaft stellten, sagt die Wirtin. Klar, zu all dem sei das Wetter mies – das Terrassengeschäft sei jedenfalls sehr schlecht gelaufen. „Und die Leute kommen in Corona-Zeiten nicht gerne in den Innenbereich des Cafés.“ Ausgerechnet jetzt stiegen die Inzidenzzahlen. „Es sieht danach aus, als kämen erneut harte Zeiten auf uns zu“, befürchtet Ulrike Wieck.

Das Sommergeschäft sei durchwachsen gelaufen, erzählt Julia Schneider vom „Bistro im Flecken“. „Im Juni hatten wir durchaus viel zu tun, aber die Testpflicht auch für die Gäste auf der Terrasse war für uns mit einem riesigen Aufwand verbunden.“ Dass weniger Touristen die Brunnenstadt besuchten, könnte sie nicht vollends bestätigen. „Ich habe das zwar öfter von den Kollegen gehört. Aber wir haben viele Stammgäste, bei uns fällt das weniger ins Gewicht.“ Das kühle und verregnete Sommerwetter habe selbstverständlich Umsatzeinbußen in der Außengastronomie mit sich gebracht. „Wir hoffen nun auf den September und darauf, dass die Inzidenzzahlen wieder sinken“, sagt Julia Schneider.

Ihre Plätze auf der Terrasse hätte sie in diesem Jahr um die Hälfte reduzieren müssen, um die geltenden Abstandsregeln einzuhalten, berichtet Marita Mölder, Inhaberin des Hotels „Schneider am Maar“ in Schalkenmehren. „Und dazu kommt jetzt das schlechte Wetter.“ Auch ihr Hotel habe mit den Folgen der Flut zu kämpfen, sagt Mölder. „Gäste, die geographisch nicht so sehr bewandert sind, glauben, auch hier stehe kein Stein mehr auf dem Anderen.“ Die Folge: „Die Stornierungen liegen im Juli und August bei rund 50 Prozent.“ Zurzeit liege der Fokus auf der Gastronomie im Innenbereich, sagt die Inhaberin. „Selbstverständlich gilt dafür die 3-G-Regel. Aber wir haben die erfreuliche Erfahrung gemacht, dass rund 80 Prozent unserer Gäste vollständig geimpft sind.“ In Sachen Außengastronomie helfe nun nur noch, auf einen schönen Herbst zu hoffen. „Und vielleicht helfen wir mit einigen Heizstrahlern auf der Terrasse nach.“ Den widrigen Umständen begegne man am besten mit einem Lächeln, fügt Marita Mölder hinzu. „Auch wenn Corona, Flut und schlechtes Wetter uns Gastronomen in diesem Jahr dreimal den Schwarzen Peter zugeschoben haben.“

Der Deutsche Wetterdienst prognostiziert für die kommende Woche Sonnenschein und Temperaturen um 20 Grad. Bereits am Dienstag lässt der Regen nach. Und so endet so manche Befragung unter den Gastwirten und Café-Betreibern noch bevor sie begonnen hat. „Tut mir leid, wir haben sehr viel zu tun“, heißt es vom Forsthaus Kasselburg, dessen Außenterrasse ein beliebtes Ausflugsziel ist. „Wir haben dafür überhaupt keine Zeit“, meldet das kroatische Restaurant Dubrovnik in Daun. Vielleicht ein Zeichen dafür, dass die Geschäfte wieder anlaufen.

Die Bilanz des Deutschen Wetterdienstes zum Sommerwetter dieses Jahres fällt anders aus, als manche denken könnten: Der Sommer sei ein normaler, das unbeständige Wetter sei für Deutschland typisch. Es hätten sich die Maßstäbe verschoben, schreibt DWD-Sprecher Andreas Friedrich in der Süddeutschen Zeitung: „Nach den vielen heißen Sommern seit der Jahrtausendwende sind die Erwartungen andere geworden.“ Und: In den 1980er-Jahren sei solch ein Sommer, wie der aktuelle, noch Standard gewesen.