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Gedächtnistrainerin schult Blinde und Sehbehinderte in Uersfeld

Fortbildung : Gedächtnistrainerin schult Blinde und Sehbehinderte

Gedächtnistrainerin Monika Biewer hat in Uersfeld einen Kurs mit einer Gruppe von sehbehinderten und blinden Menschen gehalten. Die Idee kam gut an.

Es soll möglichst viel gelacht werden, und die Teilnehmer sollen mit einem guten Gefühl nach Hause gehen: Das sind zwei Säulen im Konzept der Gedächtnistrainerin Monika Biewer aus Bickendorf im Eifelkreis Bitburg-Prüm.

„Es funktioniert“, bringt die 49-Jährige ihre Erfahrungen aus den bisherigen Kursen für Menschen allen Alters im Gespräch mit unserer Zeitung auf den Punkt. Doch seien Sehbehinderte und Blinde als Teilnehmer bisher Neuland für sie gewesen. „Es ist eine Premiere“, sagt sie. Denn auf das Schreiben, das üblicherweise in ihren Kursen auch eine Rolle spiele, müsse verzichtet werden. Dagegen rücke das Hören als besondere Fähigkeit der Sehbehinderten und Blinden in den Vordergrund. Und sowieso die Konzentration.

Zum Beispiel bei der Kennenlernrunde, als die Teilnehmer Sätze bilden und alle Wörter mit dem ersten Buchstaben ihres Vornamens anfangen müssen. Im Nu haben sich Sätze wie „Josef jagt Jaguars“, „Olga organisiert Orgien“ und „Inge integriert immer“ in die Gedächtnisse eingebrannt.

Es folgen Behauptungsübungen, auf die mit Kopfschütteln für „richtig“ und Kopfnicken für „falsch“ reagiert werden soll, also genau entgegengesetzt. Keiner blamiert sich – auch nicht bei den Wahrnehmungsübungen mit Alltagsgeräuschen wie Staubsauger, Telefonklingel, Nähmaschine. Oder bei den Fühlsäckchen mit zehn zu erratenden und zu merkenden Gegenständen.

Auch nicht bei der Einkaufsliste, die für Tomaten, Salatgurke, Weintrauben, Chips und ein halbes Dutzend weiterer Artikel über so genannte Ankerpunkte am Körper erstellt wird und die so gut beherrscht wird, dass Monika Biewer sagt: „Super! Ihr könnt jetzt einkaufen gehen.“

Wie man sich die zwölf Bundespräsidenten in chronologischer Reihenfolge merken kann und was einen Bademantel und einen Teller und ein Flugzeug und einen Marienkäfer verbindet – Monika Biewer kennt die Tricks und Strategien.

Zur Gruppe gehört auch Rosa Ballmann aus Hinterweiler. Seit die heute 85-Jährige vor 13 Jahren an der Netzhaut erkrankte und inzwischen fast blind ist, gehören Selbsthilfegruppen zu ihrem Leben.

„Es ist wichtig, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen“, sagt sie. Sie ist dankbar, dass es auf Initiative von Roswitha Karst seit 2017 eine Selbsthilfegruppe Vulkaneifel gibt, die sich alle zwei Monate trifft und darüber hinaus zu besonderen Veranstaltungen wie das Gedächtnistraining einlädt.

Die Leiterin der Selbsthilfegruppe Vulkaneifel, Roswitha Karst aus Uersfeld, ist selbst von einer Netzhauterkrankung betroffen und immer auf der Suche nach neuen Ideen und Projekten für sich und ihre Leidensgenossen (der TV berichtete). So war sie auf die Angebote von Monika Biewer aufmerksam geworden und hatte sie für einen Kurs in ihrem Heimatort engagiert.

Die Selbsthilfegruppe Vulkaneifel der Pro Retina Deutschland für von Netzhauterkrankungen Betroffene, Angehörige und weitere Interessierte trifft sich entsprechend der dann geltenden Corona-Bedingungen wieder am Mittwoch, 12. August, im Gasthaus Zu den Maaren in Daun-Gemünden. Weitere Infos bei Roswitha Karst, Telefon 02657/616, E-Mail pro.retina.karst@gmail.com