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Gemütliche Freiheit neben Zelt und Jägerzaun

Gemütliche Freiheit neben Zelt und Jägerzaun

SCHALKENMEHREN. Während es die einen in ferne Länder zieht, verbringen andere ihre Freizeit in der Heimat, und häufig auf Campingplätzen. Warum ein Leben zwischen Zelten und Wohnwagen attraktiv sein kann und warum es in einigen Fällen zum Dauerzustand wird: Der TV hat nachgefragt.

Der zum Hotel Schneider gehörende Campingplatz direkt am Schalkenmehrener Maar bietet 80 Plätze für Dauer- und Durchgangscamper an. Was in den 60er Jahren mit einer Zeltwiese begann, wandelte sich im Laufe der Jahre aufgrund des großen Zulaufs in einen ausgebauten Campingplatz. "Für mich haben die Camper eine ganz eigene Mentalität", sagt Marita Schild-Mölder, Inhaberin des Hotels. "Sie sind immer bereit zu helfen: Sie schneiden Hecken, mähen den Rasen oder machen Holzarbeiten. Dadurch entstehen häufig enge Freundschaften, die über Jahre hin bestehen blieben. "Aus zeitlichen Gründen haben wir gerade zu den Wintercampern mehr Kontakt, da dann genügend Freiraum zur Kommunikation zur Verfügung steht." Ob Sonne oder Regen, Hitze oder Kälte: Der eingefleischte Dauercamper trotzt jedem Wetter. "Selbst wenn es schneit, würde ich noch hierher kommen", erklärt Doris Breitbach aus Mayen, die schon seit 1968 fast jedes Wochenende in Schalkenmehren verbringt. "Es war mehr oder weniger ein Zufall, wie ich hierher gekommen bin." Ihr Vater habe sich für Landmaschinen interessiert. So sei die Familie eines Tages nach Schalkenmehren gekommen, ums Maar spaziert und "seitdem bin ich hier. Hier bin ich gewissermaßen groß geworden, genauso wie meine Tochter. Das Campen ist zu einer Familientradition geworden." Ähnliche Erfahrungen machten auch Rosemarie und Philipp Goeres. Das aus Briedel an der Mosel stammende Rentnerpaar kommt seit sechs Jahren ins Maardorf. Zuerst weniger aus eigenem Antrieb, sondern vielmehr durch ihren Enkelsohn. "Dieser fand eines Tages auf dem Dachboden ein altes Zelt und wollte dieses natürlich sofort ausprobieren." Nach ein bisschen Augenzwinkern und Quengeln reiste die Familie in die Vulkaneifel, von Campingplatz zu Campingplatz und blieb letztendlich in Schalkenmehren hängen. Zwei Jahre lang musste das besagte Zelt als Feriendomizil herhalten, bis sich das Ehepaar einen Wohnwagen anschaffte und einen Jahresvertrag mit dem Campingplatzbetreiber abschloss. Das war 2000 und ein Ende ist noch nicht in Sicht. "Für mich sind die Wochenenden wie eine Kur. Vor sechs Jahren plagten mich schwere Rückenschmerzen. Weder ein Kuraufenthalt noch eine Physiotherapie konnten das Leiden lindern. Als wir dann ein paar Wochen hier in der Eifel verbrachten, verschwanden die Schmerzen wie durch ein Wunder. Die Luft und das Wasser haben mich bestimmt geheilt", schildert der Rentner. Frühstücken, Faullenzen, Spazierengehen

Für viele der Camper ist besonders die "Freiheit" wichtig. "Man ist nicht so gebunden wie zu Hause. Der Alltagsstress wird vergessen und man kann sich seinen individuellen Bedürfnissen hingeben. Es gibt keine festen Zeiten, die man beachten muss. Man steht spät auf, frühstückt, faulenzt, spaziert mit dem Hund ums Maar, hält ein Mittagsschläfchen, liest oder spielt Karten, grillt abends und geht schlafen", erläutert Roland Gäng aus Ettringen bei Mayen. Wenn man sich umschaut, erkennt man sofort die Häuslichkeit, die sich auf dem Campingplatz sprichwörtlich breit gemacht hat: weiß gestrichene Jägerzäunchen, hier und dort ein Gartenzwerg. Viele würden dies vielleicht kitschig nennen, aber für die Camper bedeutet es Gemütlichkeit und die Freiheit, mal etwas anderes auszuprobieren, ohne dass sich der Nachbar darüber mokiert. Trotz der Versuchung, den ganzen Tag dem Faulenzen zu widmen, nutzen viele Camper auch das regionale Kultur- und Sportangebot. Stefan Schumann aus Ellsdorf fährt fast jedes Wochenende 110 Kilometer mit dem Motorrad in die Eifel, um, wie er sagt, "den Ort aufzusuchen, wo man die Natur noch riechen kann." Eigentlich kam er im vergangenen Jahr nur zum Schwimmen nach Schalkenmehren, aber nach Besichtigung des Campingplatzes war er Feuer und Flamme und wählte das Maardorf als permanentes Reiseziel.