General mit Rosen-Faible

General mit Rosen-Faible

BIRRESBORN/KOBLENZ. Der aus Birresborn stammende Brigadegeneral Alois Bach ist der neue Kommandeur des "Zentrums Innere Führung" (ZIF) in Koblenz, einer weltweit einzigartigen militärischen Einrichtung. Der 55-Jährige freut sich auf die Herausforderung.

"Ich habe keinen Moment gezögert, ,Ja' zu dieser reizvollen Aufgabe als Kommandeur zu sagen", erklärt Alois Bach. Menschenführung zu vermitteln, sich mit dem soldatischen Selbstverständnis auseinanderzusetzen und Soldaten für ihre Auslandseinsätze mental fit zu machen seien mehr als lohnende Aufgaben. Angesprochen auf die Vorfälle, als neue Soldaten zur Aufnahme in die Truppe obszöne Spielchen mitmachten, antwortet der 55-Jährige spontan: "Solche Rituale braucht keiner für die Gruppenzugehörigkeit. Wir arbeiten hier am zeitgemäßen Bild der Menschenführung und der Achtung der Menschenwürde. Wenn das eingehalten wird, passieren derart peinliche Vorfälle nicht." Bach, der die vergangenen 45 Monate "Beauftragter für Erziehung und Ausbildung" (BEA) und damit nur noch dem ranghöchsten Soldaten Deutschlands, dem Generalinspekteur, unterstellt war, weiß, wovon er spricht. Der BEA gilt als "Frühwarnsystem" in der Bundeswehr, weil er "als Vertrauter unmittelbar weiterleitet, was von oben unten ankommt", sagt Bach. Er selbst hat den BEA in "Beauftragter der ehrlichen Art" umbenannt. "Das entspricht seiner souveränen Mentalität", meint Bruder Josef, Ortsbürgermeister seines Heimatdorfes Birresborn. Die Feier der Kommandeurübergabe entsprach keineswegs dem üblichen Militär-Protokoll. Es ging locker zu, die Atmosphäre war fast familiär. Brigadegeneral Bach begrüßte im zweiten Satz seinen Bruder und Pfarrer Rolf Dehm. "Unter dessen Fittiche habe ich 1969 in unmittelbarer Nähe zum ZIF am Johannes-Gymnasium in Niederlahnstein Abitur gemacht", berichtet der neue Kommandeur. Nach den Ansprachen schenkt Pfarrer Dehm seinem ehemaligen Zögling ein Teil einer Tiffany-Arbeit, die Bach als Schüler im Kunstunterricht gemacht hatte: eine bunte Glasscheibe, in zwei Teile gebrochen. Der Geistliche behielt den kleineren Teil. Ein Symbol der innigen Verbundenheit zwischen Lehrer und Schüler, dem als Kind aus kinderreicher Familie mit kirchlichem Stipendium das Abitur ermöglicht wurde.Rosenstöcke warten in der Nähe von Bonn

Dehm begleitet Bachs Leben - bei der Beerdigung des Vaters und auch bei der Trauung vor 33 Jahren. Bachs aus Bayern stammende Ehefrau Martha freut sich über die neue Position ihres Mannes. Sie sagt: "Jetzt können wir unser Zuhause in der Nähe von Bonn noch mal gemeinsam genießen. Er war viel unterwegs." Und Rosenfreund Bach hat seine wohl gehüteten Blumenstöcke wieder voll im Blick. Der zweifache Vater sieht seinen neuen Job "quasi als Familienzusammenführung": "Dann kann ich auch meine Verwandten in der Eifel häufiger besuchen". Vor der BEA-Stelle war er im Kosovo nicht nur Befehlshaber der deutschen Truppen, sondern auch Kommandeur der multinationalen Brigade. Brigadegeneral Werner Weisenburger, Kommandeur der Bundeswehrschulen, sieht Bach wegen seines Werdegangs "gut gerüstet für die ZIF-Zukunft". Immerhin gelte es, das Konzept der inneren Führung im Zuge des Zusammenwachsens europäischer Streitkräfte auch international zu vertreten. Er ist überzeugt, dass auf diesem Gebiet noch viel Überzeugungsarbeit geleistet werden müsse.

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