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Gericht soll entscheiden

Gericht soll entscheiden

NEROTH. (vog) Der Kampf um die Pflegeversicherung geht für Herbert Bochen weiter: Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) bleibt hart: Zum einen verweigert er eine erneute, persönliche Begutachtung des Patienten, zum anderen blockt er alle Anfragen des TV ab. Der 78-jährige will nun klagen.

Der "Fall Bochen" sorgt weiter für Wirbel. Heute Abend wird er sogar in der Landesschau des Südwest-Fernsehens gezeigt. "Weil es so ein krasses Beispiel ist", erklärt Nachbar Manfred Nüsgen, der Herbert Bochen versorgt. Dem 78-Jährigen wurde nach 18 Monaten die Pflegestufe I (210 Euro monatlich) aberkannt, weil ein MDK-Gutachten ihm "null Minuten Pflegeaufwand" bescheinigte. Dem 78-Jährigen wurden in den vergangenen drei Jahren allerdings beide Beine amputiert. Außerdem ist er demenz- und diabeteskrank, extrem schwerhörig und zittrig (der TV berichtete). Der Erstbewilligung der Pflegeversicherung liegt ein Gutachten mit 62 Minuten täglichem Pflegeaufwand zu Grunde. "Dabei ist sein Zustand schlechter geworden und jetzt sollen es null Minuten sein", meint Nüsgen kopfschüttelnd. Auch Bochens Krankenkasse, die AOK Rheinland, ist stutzig geworden. Pressesprecherin Ellen von Itter sagt: "Dies erscheint uns schon sehr eigenartig." Aber sie muss die Bewilligung der Pflegeversicherung von dem MDK-Gutachten abhängig machen. So will es das Gesetz. Die Krankenkasse hatte den MDK in Wittlich um ein erneute Prüfung gebeten - mit persönlicher Begutachtung des Patienten. Der MDK kam dieser Forderung nicht nach, sondern entschied nach Aktenlage. Ergebnis: erneut "null Minuten". Dies würde erneut eine Ablehnung bedeuten. Dr. Eva-Maria Schwertfeger von der MDK-Bezirksstelle Trier blockt alle TV -Anfragen ab. Auch die MDK-Hauptverwaltung in Alzey beantwortet die Frage nicht, warum der Medizinische Dienst die ausdrückliche Bitte der Krankenkasse ignoriert hat. Die AOK-Pressesprecherin sagt derweil: "Wir werden uns damit nicht zufrieden geben und haben am Mittwoch vergangener Woche den MDK zum zweiten Mal um eine persönliche Begutachtung gebeten."Sozialministerium fachlich nicht weisungsbefugt

Beate Fasbender-Döring, Pressesprecherin des rheinland-pfälzischen Sozialministeriums, erklärt: "Wir müssen jetzt abwarten, wie der MDK darauf reagiert." Allerdings ist laut Fasbender-Döring das Ministerium, obwohl es die übergeordnete Behörde ist, dem MDK gegenüber fachlich nicht weisungsbefugt. Fasbender-Döring rät Bochen bei einer erneuten Ablehnung der Pflegeversicherung den "vielleicht viel versprechenderen" Klageweg beim Sozialgericht einzuschlagen. Die ersten Schritte dazu hat Bochens Anwalt bereits am Donnerstag vergangener Woche eingeleitet. Er hat das Gutachten, dass der Erstbewilligung zu Grunde lag, angefordert sowie dem MDK und dem Sozialgericht schriftliche Widersprüche geschickt. Nüsgen ist stinksauer: "Der Rechtsstreit kann Ewigkeiten dauern. Vielleicht erlebt Bochen das gar nicht mehr." Auf seinen Geburtstag in gut drei Wochen freut sich Herbert Bochen jedenfalls nicht.