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Gerolstein hält am Einzugstermin fest

Gerolstein hält am Einzugstermin fest

Der Bau der Kindertagesstätte in der Raderstraße verzögert sich wegen des langen Winters um gut sechs Wochen, die Übergabe an die Stadt erfolgt voraussichtlich erst Ende Juni. Finanziell liegt das mit knapp vier Millionen Euro teuerste Einzelprojekt und erste Bauvorhaben in öffentlich-privater Partnerschaft in der Geschichte Gerolsteins aber im Plan.

Gerolstein. "Der Winter hat mich fertiggemacht", sagt Jürgen Wolfram von der Firma Nesseler-Grünzig Bau GmbH aus Aachen, die die Kita baut und 20 Jahre im Auftrag der Stadt betreibt. Schließlich muss der Bauleiter koordinieren, dass es zwischen den Gewerken keinen Leerlauf gibt, was angesichts des ambitionierten Zeitplans besonders wichtig ist. Aber obwohl das Gebäude in Folie gepackt und mit Heizlüftern aufgewärmt wurde, kam es durch die lange Frostperiode zu Verzögerungen. "Manche Dinge können bei minus zehn Grad nicht mehr gemacht werden. Vor allem der Estrich hat uns Probleme bereitet. Und jetzt muss ich zusehen, dass die Firmen, die auf vielen Baustellen hinterdranhängen, als Erstes zu mir kommen", sagt der Bauleiter.
"49 Tage Ausfall bis heute" zählt Hans-Josef Hunz, der Kita-Beauftragte im Gerolsteiner Rathaus. "Der Einzugstermin nach den Sommerferien wird aber gehalten", sagt Stadtbürgermeister Bernd May (parteilos). Nur der Übergabetermin an die Stadt, der am 10. Mai sein sollte, verschiebt sich - auf Ende Juni.
"Dieses Modellprojekt öffentlich-privater Partnerschaft ist ein Glücksfall für Gerolstein. Hier wird ein Gebäude mit 1700 Quadratmetern Fläche oder 8000 Kubikmeter umbautem Raum in neun bis zehn Monaten hochgezogen. Das schaffen andere gerade so für ein Einfamilienhaus. Auf herkömmlichem Weg mit Einzelvergaben ist das nicht zu schaffen", sagt May. Hunz fügt auf Nachfrage hinzu: "Ja, dieses Modell ist auch für andere kommunale Projekte denkbar."
Auch finanziell bringe es Vorteile. Nachdem bereits die im Vorfeld erstellte Wirtschaftlichkeitsberechnung von einer Kostenersparnis von gut einer Million Euro für Bau und 20-jährigen Betrieb der Kita gegenüber einer herkömmlichen Vergabe ausgegangen ist, sorgt nun das günstige Zinsniveau für zusätzliche Entlastung. Und die Geduld, wie May betont. "Dadurch, dass wir mit unserer Vermutung richtig lagen und nicht bereits im vergangenen Jahr den Kredit für unseren Eigenanteil aufgenommen haben, sparen wir über die gesamte Laufzeit nochmals rund eine Million Euro", sagt May. Der Zins sei von gut drei auf nun 2,4 Prozent gesunken. Im nächsten Monat werde abgeschlossen, "wir bezahlen aber erst, wenn wir den Schlüssel in der Tasche haben", sagt Hunz. Bis dahin hat Bauleiter Wolfram noch einiges zu koordinieren. Aktuell sind die Verputzer, Gartenbauer, Elektriker, Trockenbauer und Dachdecker auf der Baustelle. Aber bei diesem Wetter kann ihn so leicht nichts aus der Ruhe bringen.Meinung

Vielleicht sogar Modellcharakter
"Die Kosten der Kita haben sich im Verlauf der Fertigstellung nicht erhöht." Diese Aussage, die für größere Bauprojekte auch jenseits von Stuttgart und Berlin bereits zur absoluten Ausnahme zählt, rechtfertigt fast schon den Weg der öffentlich-privaten Partnerschaft. Und: Der Bau wurde in Rekordzeit hochgezogen. Bevor aber abschließend gesagt werden kann, ob das wirklich ein Modell auch für andere kommunale Vorhaben ist, wie der Bau einer Turnhalle für die Realschule plus in Gerolstein, werden erst die nächsten Monate zeigen: Dann, wenn zu sehen ist, ob es keinen Murks am Bau gegeben hat und hochwertige Materialien verarbeitet wurden. Und wenn der künftige Betreiber bewiesen hat, dass er seinem Auftrag gewissenhaft nachkommt. Was jenseits dessen dafür spricht, es noch einmal zu versuchen: Die Verwaltung in Gerolstein hat Erfahrungen gesammelt, sie weiß, worauf es ankommt, wer mit ins Boot genommen werden soll und muss, kennt die Ansprechpartner beim Land. Und es wurde ihr von unabhängiger Stelle attestiert: Das ist der günstigere Weg. Warum also nicht? m.huebner@volksfreund.deExtra

In der Kita ist Platz für 155 Kinder. Arbeiten werden dort 22 Erzieherinnen, drei Fachkräfte für Sprachförderung sowie drei Küchenkräfte. Der neue Arbeitsplatz scheint Anziehungskraft zu haben: Laut Verwaltung haben sich 50 Erzieherinnen und 20 Hauswirtschaftskräfte beworben. 15 neue Mitarbeiterinnen sind eingestellt worden: zunächst für ein Jahr. "Wir streben aber für alle eine anschließende Festanstellung an", sagt Rathausmitarbeiter Hans-Josef Hunz. mhExtra

Fünf Firmen aus der Region sind beim Bau der neuen Kita zum Zug gekommen. "Damit ist die Kritik der Handwerkskammer entkräftet, zumal noch deutlich mehr einheimische Firmen angeschrieben und um Abgabe eines Angebots aufgefordert wurden", sagt May. mhExtra

Die Kosten für den Bau der achtgruppigen Kita in der Raderstraße liegen laut Verwaltung im Plan. Sie betragen 3,948 Millionen Euro. Lediglich die Entscheidung, dass in der Kita nun doch gekocht anstatt Essen angeliefert und nur noch erhitzt wird, kommt wegen der aufwendigeren Küche etwas teurer: 8000 Euro. Nach Abzug der Zuschüsse (Bund: 420 000 Euro, Kreis: 228 500 Euro) hat die Stadt einen Eigenanteil von rund 3,3 Millionen Euro zu tragen. Der könnte aber noch unter die Drei-Millionen-Marke sinken, falls das Land dem zusätzlich beantragten Zuschuss aus dem Fiskalpakt des Bundes zustimmt: über weitere 427 000 Euro. Die jährliche Belastung der Stadt für Zins und Tilgung liegt bei 165 000 Euro - über 20 Jahre. Noch nicht eingerechnet sind die Kosten für die Möblierung (75 000 Euro) und die Außenspielgeräte (25 000 Euro). "Da planen wir aber noch eine Sponsoring-Aktion heimischer Unternehmen. Vielleicht wollen sich einige an diesem Prestigeobjekt beteiligen", sagt Stadtbürgermeister Bernd May. mh