Corona-Krise Gerolstein hat trotzdem Appetit

Daun/Gerolsten/Hillesheim · Gastronomen beklagen massive Einbrüche durch die Anordnung, ab 18 Uhr schließen zu müssen. In der Brunnenstadt bieten auf Initiative des Stadtbürgermeisters zehn Restaurants einen abendlichen Abhol- und Bringservice an.

 Gaststätten müssen wegen der Corona-Krise besondere Regeln beachten. In Gerolstein bieten nun zehn Gastronomen einen abendlichen Abhol- und Bringservice an.

Gaststätten müssen wegen der Corona-Krise besondere Regeln beachten. In Gerolstein bieten nun zehn Gastronomen einen abendlichen Abhol- und Bringservice an.

Foto: TV/Mario Hübner

  Fachgeschäfte mussten zur Eindämmung des Corona-Virus inzwischen komplett dichtmachen. Für Restaurants gelten andere Beschränkungen – bis jetzt. Nur noch bis 18 Uhr dürfen die Gastronomen in ihren Läden Kunden bedienen. Sinnvoll sei das nicht, sagen die Gastronomen.

Und die Resonanz auf die neue Regelung, beispielweise in der Gerolsteiner Gastronomie? Die Gäste bleiben aus! „Hochzeits- und Trauerfeiern, Firmenjubiläen und private Partys sind inzwischen alle abgesagt“, erzählt Anna Kustura, Geschäftsführerin der Gaststätte „Schwarzbrennerei“ in Gerolstein, der einerseits beliebte Kneipe , andererseits Restaurant ist. „Der Thekenbetrieb ist untersagt, wir dürfen lediglich das Restaurant betreiben. Heute haben wir für zwei Gäste gekocht.“

Die Stornierungen der Tischbestellungen und der Reservierungen der Räume der Gaststätte in der Sarresdorfer Straße seien in den vergangenen Tagen im Stundentakt eingegangen, sagt Kustura. „Inzwischen stehen wir bei Null, es ist wie in einem schlechten Film.“ Es stelle sich die Frage, warum es bis zur Stunde keine offizielle Ansage vonseiten des Landes gebe, auch Gastronomiebetriebe zu schließen, sagt Kustura. „Es macht keinen Sinn, das Restaurant weiter zu betreiben, wenn an die Menschen appelliert wird, wegen des Coronavirus´ zu Hause zu bleiben“, meint die Geschäftsführerin.

Die Gastronomin vermutet, dass folgende Überlegung dahinterstehe: Solange die jetzigen Verordnungen gelten und die Gastronomie – wenn auch auf bestimmte Uhrzeiten eingeschränkt – nicht schließen müsse, seien die Betreiber von finanziellen Hilfsprogrammen ausgeschlossen. Sie ärgert sich deshalb: „Das ist völliger Quatsch, denn wir leben natürlich vom Abendbetrieb, der ja jetzt gar nicht mehr stattfindet.“

Die insgesamt 13 Restaurants in Gerolstein seien deshalb in stetigem Austausch mit Stadtbürgermeister Uwe Schneider. „Um zu retten, was zu retten ist.“

Und der hat versucht die einheimische Gastronomie und die Bürger für ein Unterstützungsangebot  zu gewinnen. Er berichtet: „Gemeinsam mit meiner Sekretärin habe ich zu allen Restaurants in Gerolstein Kontakt aufgenommen und letztlich mit zehn Inhabern eine Solidaraktion unter dem Motto ,Gerolstein hat Appetit´ vereinbart.

So öffnen diese alle einheitlich von 11.30 bis 18 Uhr durchgängig und entsprechend der RKI-Richtlinien, und gehen danach nicht nach Hause, sondern bieten darüber hinaus ab 18 Uhr einen Abhol- oder Lieferservice an. Auch die ortsansässigen Taxi-Unternehmen bieten Lieferfahrten an.“

So wird nach Ansicht des Stadtbürgermeisters „einerseits dem notwendigen Infektionsschutz Rechnung getragen, andererseits können die Menschen so die Gastronomie unterstützen – und bekommen was Leckeres zu essen.“ Laut Schneider dürfen sich natürlich weitere Gastronomen bei ihm melden, falls sie der Aktion beitreten wollen. (Telefon 06591/131141; Mail: uwe.schneider@gerolstein.de) Die  Liste der teilnehmenden Betriebe ist auf der Internetseite der Stadt Gerolstein (www.gerolstein.org) veröffentlicht.

Das Hotel Steffelberg in Steffeln an der Oberen Kyll ist zurzeit gut besucht, obwohl auch für Beherbergungsstätten inzwischen restriktive Maßnahmen gelten. Laut Landesverordnung dürfen – um das Risiko einer Verbreitung des Coronavirus zu minimieren, Übernachtungen im Inland nur zu notwendigen und ausdrücklich nicht touristischen Zwecken genutzt werden.

„Wir haben Gäste, die bis Sonntag gebucht haben“, sagt Geschäftsführerin Martina Berg am Dienstag. Es gehe um eine homogene Gruppe, die so genanntes Basenfasten betreibe. Dies sei als medizinisch sinnvoll zu betrachten. „Unsere Gäste sind hier, um ihre Immunabwehr zu stärken“, sagt Berg. Den Saunabetrieb und die Gaststätte habe man bereits geschlossen, das Restaurant bliebe zu den jetzt geltenden Vorgaben geöffnet. „Unsere Türen sind für weiteren Besucherverkehr zu“, heißt es vom Hotel Steffelberg.

Man fühle sich schlicht von allen öffentlichen Stellen im Stich gelassen, fügt Ralf Berg, Co-Geschäftsführer des Hotels Steffelberg hinzu. „Alle bisherigen Aussagen sind furchtbar schwammig. Ich habe mit der IHK, dem Arbeitsamt, dem Hotel- und Gaststättenverband telefoniert und habe bisher keine Antworten erhalten, die unseren Betrieb betreffen.“ Wie es weitergehen solle, wisse man nicht.

In der Dauner Gastronomie stünde das Leben still, sagt Renate Breuer, die Wirtin der Bauernstube. „Ich bin seit 46 Jahren für unser Haus verantwortlich. Aber so etwas habe ich nie erlebt.“

Selbstverständlich habe sie bereits vor Tagen auf die Anweisungen reagiert und die Tische weiter auseinander gestellt, damit die Gäste räumlich nicht zu engem Kontakt gezwungen seien, berichtet Breuer. „Wir haben inzwischen auch unser Personal auf das Nötigste heruntergefahren und werden für unsere Angestellten Kurzarbeitergeld beantragen.“ Dies wäre zurzeit auch die einzige Möglichkeit, Ausgaben einzuschränken. „Wir werden selbstverständlich nicht an der Qualität der von uns angebotenen Lebensmittel sparen“, sagt Renate Breuer.

Der angeschlossene Imbiss des Restaurants sei vielleicht ihre Rettung. „Stand jetzt darf der Imbiss weiterlaufen“, sagt Breuer. „Aber ob der Straßenverkauf ihrer Speisen in den kommenden Tagen weiterhin erlaubt sein werde, wisse sie nicht.

„Es ist schlimm, was hier passiert. Doch wir Gastronomen brauchen klare Ansagen, wie es weiter gehen soll und kann“, sagt die Wirtin der Bauernstube Daun.

Bis Redaktionsschluss hat  die Vertretung des deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes DeHoGa, nicht auf die Anfrage unserer Zeitung reagiert.

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