1. Region
  2. Vulkaneifel

Gerolstein: Praxis Brochhausen schließt - droht Ärztemangel?

Medizinische Versorgung : „Verzweifelte Anfragen von Patienten“: Ärztemangel wegen Praxisschließung in Gerolstein

Zum 31. März schließt eine große allgemeinmedizinische Praxis in Gerolstein. Das sorgt für Unruhe nicht nur bei Patientinnen und Patienten. Warum auch die Mediziner in der Region um Hilfe rufen.

In der Gemeinschaftspraxis Wagner in der Brunnenstadt hängt ein dringender Hilferuf nicht von Patienten an die Ärzte, sondern umgekehrt. Das gesamte Praxisteam arbeite am Limit, die Kapazitäten seien ausgeschöpft, weitere Patienten könnten nicht aufgenommen werden. Und so solle man sich an die Kommunalpolitik, an das rheinland-pfälzische Gesundheitsministerium, an den Bundestagsabgeordneten Patrick Schnieder sowie an die Kassenärztliche Vereinigung wenden, um auf eine Notsituation hinzuweisen. Mitgeliefert werden die Telefonnummern und Mailadressen.

Grund des ungewöhnlichen Ersuchens: Ende März schließt die allgemeinmedizinische Praxis Norbert Brochhausen, die geschätzt mehr als Tausend Menschen des Gerolsteiner Landes versorgt. Eine Nachfolge gibt es nicht. „Wir bekommen tagtäglich verzweifelte Anfragen von Patienten, die anfragen, ob sie zu uns wechseln können“, schildert Florian Dunkel, Mitinhaber der Gemeinschaftspraxis und Notarzt, die Situation. „Aber wir müssen absagen, es geht einfach nicht anders. Wir Ärzte sind solidarisch mit den Menschen und miteinander, doch nun gibt es ein definitives Stoppschild.“

Welche Auswirkungen die Praxisschließung von Norbert Brochhausen in Gerolstein hat

Dunkel ist sehr besorgt. Über das normale Patientenaufkommen hinaus hat sein Kollege Brochhausen eine wichtige Rolle in der notärztlichen Versorgung, in der Pandemiebekämpfung und in der medizinischen Betreuung von Pflegeeinrichtungen. Über die möglichen Gründe der nun anstehenden Praxisschließung will er nicht spekulieren. Aus seiner eigenen Sicht als niedergelassener Arzt ist jedoch nachvollziehbar, dass allein die Rahmenbedingungen ein Landarztdasein unattraktiv machen.

Mit jeder Praxisschließung wird die Lage für die verbleibenden Mediziner belastender. Zum altersbedingten Ruhestand vieler Ärzte, der in absehbarer Zeit zu einem noch drängenderen Problem insbesondere rund um Gerolstein wird, komme hinzu, dass junge Ärztinnen und Ärzte für eine Arbeit auf dem Land kaum zu motivieren seien. „Etwas besser sieht es derzeit noch für den Bereich der VG Daun aus, doch das Problem wird auch dort auftauchen. Und für ältere Menschen aus dem Gerolsteiner Land, die nicht mehr selbstständig mobil sind, wird es zunehmend unmöglich, überhaupt noch eine allgemeinmedizinische Versorgung zu bekommen“, skizziert Dunkel ein beängstigendes Szenario für die nahe Zukunft.

Gerolsteiner CDU fordert Sicherstellung der medizinischen Versorgung

Der CDU-Stadtverband Gerolstein, dem Florian Dunkel angehört, fordert in einem offenen Brief an die Landrätin des Vulkaneifelkreises, an die Stadt- und die VG-Spitze, an die Landtagsabgeordneten und an den Landesgesundheitsminister sowie an die Kassenärztliche Vereinigung die „unverzügliche Sicherstellung der medizinischen Versorgung“, eine sofortige Bereitstellung von Finanzmitteln für die Beauftragung eines professionellen Headhunters für die Besetzung der frei werdenden Hausarztpraxis und insbesondere die Möglichkeit, ein Hausärztliches Versorgungszentrum (HVZ) im Schulterschluss von Krankenhausträgern und noch praktizierenden Ärzten und Ärztinnen aufzubauen. Ebenfalls gefordert wird eine frühzeitige Nachfolgeplanung und Klärung, wer die notwendigen Schritte verantwortlich koordiniert und vorantreibt. Wie die Politik reagiert und was Norbert Brochhausen selbst zu den Gründen für die Praxisschließung mitteilt, folgt in einem weiteren Bericht.