Gerolsteiner-Ausstieg nicht verwunden

Die Spediteure Ludwig (Dockweiler) und Rothschild (Stadtkyll) haben ihre letzten Fahrten für den Gerolsteiner Brunnen gemacht. Der Verlust des Rahmenvertrags bedeutet für sie einen herben Schlag: Ludwig hat zehn von 75 Mitarbeitern entlassen, Rothschild meldet heute Kurzarbeit an.

 Dass ein LKW der Spedition Ludwig – wie auf diesem Bild – auf das Gelände des Gerolsteiner Brunnens fährt, wird es ab sofort nicht mehr geben. Der Brunnen hat den Rahmenvertrag mit den Speditionen Ludwig und Rothschild gekündigt. TV-Foto: Archiv/Mario Hübner

Dass ein LKW der Spedition Ludwig – wie auf diesem Bild – auf das Gelände des Gerolsteiner Brunnens fährt, wird es ab sofort nicht mehr geben. Der Brunnen hat den Rahmenvertrag mit den Speditionen Ludwig und Rothschild gekündigt. TV-Foto: Archiv/Mario Hübner

Stadtkyll/Dockweiler/Gerolstein. Im Zuge des konsequenten Sparkurses hatte der Gerolsteiner Brunnen vor einem Jahr die Speditionsleistungen neu ausgeschrieben. Die Generalspediteure Herbert Rothschild aus Stadtkyll und Hans Ludwig aus Dockweiler, die seit 1995 als Kombi-Partner den Rahmenvertrag erfüllten, zogen gegen die Spedition Duvenbeck aus dem Münsterland den Kürzeren. Der Vertrag wurde zum 31. Dezember 2009 gekündigt. (TV berichtete mehrfach).

Für die Eifeler Unternehmen bedeutete dies Umsatzverluste in zweistelliger Millionenhöhe: Bei Ludwig machte der Gerolsteiner-Auftragsanteil bis zu 24 Prozent, bei Rothschild bis zu 30 Prozent am Gesamtumsatz aus. Rothschild beziffert seinen Jahresumsatz, den er mit 150 Angestellten erwirtschaftet, auf 30 Millionen Euro.

Bei der Stadtkyller Spedition hat der Auftragsverlust die negativsten Nachwirkungen. Rothschild plant am heutigen Montag, Kurzarbeit zu beantragen. Rothschild: "Wahrscheinlich zunächst einmal für das erste Quartal 2010." Zehn befristete Arbeitsverträge habe er nicht verlängern können sowie etlichen Rentnern ihre Aushilfsjobs streichen müssen. Entlassungen seien nicht ausgeschlossen. Zehn der 80 Lastwagen würden abgemeldet. Rothschild meint: "Wir werden den Januar nutzen, um die Lage neu zu sondieren." In der 60-jährigen Firmengeschichte habe es eine "derart heftige Situation noch nie gegeben".

In etlichen Branchen habe er seit Monaten nach neuen Kunden gesucht. Zuletzt sei am 21. Dezember ein Hoffnungsfunke erloschen. Ein möglicher Auftraggeber habe mit dem Hinweis abgesagt, dass die Touren im Januar ausgeschrieben und erst im März vergeben würden. Die Konkurrenz im Speditionsgewerbe ist gigantisch. Rothschild erklärt: "Im Fernverkehr kann man nur noch Geld verbrennen. Es sei denn, man ist vorher in Osteuropa tätig geworden." Er setzt verstärkt auf Silo-Transporte (Zement, Kalk, Braunkohle). 28 der 80 Rothschild-LKWs sind Silozüge.

Beim Kompagnon-Partner Ludwig sieht die Lage nicht so drastisch aus. Hans Ludwig erklärt: "Wir konnten zwei Drittel des Auftragsverlustes bisher kompensieren." Zwar hat er auch zehn Leute zum Jahresende entlassen, diese haben aber laut Ludwig alle wieder Jobs gefunden. Ludwig konnte im letzten Quartal 2009 neue Auftraggeber für 2010 akquirieren, darunter auch drei Getränke-Unternehmen. Gut, denn je nach Branche sind für die Transporte oft LKW-Spezialaufbauten nötig. Diese ausgestatteten Fahrzeuge ständen ansonsten ungenutzt auf den Höfen.

Ludwig meldet heute zwar fünf der 40 LKWs ab. Aber nur so lange, bis das letzte Drittel des Gerolsteiner-Auftragsverlustes kompensiert ist. Laut Ludwig ist die Auslastung seiner acht Hallen mit insgesamt 25 000 Quadratmetern Lagerfläche im Gewerbegebiet Radersberg nicht betroffen.

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