Gerolsteiner Bürger und Gewerbetreibende diskutieren Hochbrückenabriss

Gewerbe : „Wenn die Bagger rollen, ist es zu spät“

Gerolsteiner Bürger und Gewerbetreibende diskutieren gemeinsam Strategien für eine absehbar schwierige Zeit:  2024 werden Abriss und Neubau der Hochbrücke die Hauptverkehrsader der Stadt langfristig kappen.

Der Stammtisch des Gewerbevereins GeroTeam stößt bei seinem jüngsten Treffen auf großes Interesse. Nicht nur Mitglieder des Vereins, sondern mehrheitlich Bürger der Brunnenstadt folgen der Einladung. Hauptthema ist der Abriss und der anschließende Neubau der maroden Hochbrücke, über die der Verkehr der Bundesstraße 410 durch Gerolstein geleitet wird.

Rund 80 Besucher wollen sich nicht nur über die daraus zu erwartenden Beeinträchtigungen informieren, sondern gemeinsam darüber sprechen, wie die Situation für Gewerbetreibende und Einwohner abgemildert werden könnte. Denn ab 2024 wird die Baumaßnahme die Stadt in zwei Hälften teilen. „Es ist wichtig, dass sich wirklich alle an der Diskussion beteiligen,“ sagt der Gewerbevereinsvorsitzende Hans-Hermann Grewe. „Und zwar jetzt. Denn wenn erst die Bagger anrollen, ist es zu spät.“

Stadtbürgermeister Uwe Schneider ist eingeladen und gibt Auskunft zur weiteren Stadtentwicklung: Dem Stand der Verhandlungen mit der Erbengemeinschaft des Hotels Kaiserhof, der  mitten in der Stadt zusehends verfällt (keine nennenswerten Fortschritte), zum Brunnengelände (bleibt weiterhin Betriebsgelände) und zur weiteren Nutzung des Areals der inzwischen abgerissenen Drahtfabrik (der TV wird in Kürze ausführlich berichten). Doch der Fokus liegt an diesem Abend klar auf dem Schnitt durch die Hauptverkehrsader Gerolsteins. „Die abschließenden Gespräche mit dem Landesbetrieb Mobilität (LBM) finden am 13. November statt“, berichtet Bürgermeister Uwe Schneider.

Doch einige Eckpunkte zum Bau der neuen Hochbrücke könne er jetzt schon nennen: „Die Arbeiten dazu werden erst dann beginnen, wenn die Fußgängerbrücke über das Bahnhofsgelände fertig gebaut ist.“ 2024 solle es soweit sein, die Ausschreibungen seitens der Deutschen Bahn liefen bereits. „Der LBM rechnet für den Abriss und Neubau der Hochbrücke mit einer Bauzeit von dreieinhalb Jahren und mit einer einjährigen Vollsperrung der B410“, sagt Schneider. In dieser Zeit werde der Schwerlastverkehr weiträumig umgeleitet, Umleitungen für den PkW-Verkehr innerhalb der Stadt werden eingerichtet.

Es bleibe in der Zeit der Vollsperrung weiterhin die Möglichkeit bestehen, die Innenstadt und die Geschäfte auf Sarresdorfer Seite über Umleitungen zu erreichen, sagt Hans-Hermann Grewe. „Doch es ist fraglich, ob Kunden und auch andere Besucher Gerolsteins nicht den einfacheren Weg wählen und einfach wegbleiben – und vielleicht lieber nach Daun oder Prüm fahren.“

Das hätte nicht nur für die Gewerbetreibenden, sondern auch für alle Gerolsteiner fatale Folgen: „Leerstände wegen Geschäftsaufgaben vernichten die Attraktivität einer Stadt auf lange Zeit“, warnt Grewe. „Deshalb sitzen wir alle in einem Boot und müssen frühzeitig gegensteuern - und zwar gemeinsam mit der Stadt- und Verbandsgemeindeverwaltung.“ An guten Ideen zum schwierigen Thema mangelt es beim Stammtisch des GeroTeams nicht.

So schnell wie möglich sollen drei Arbeitsgruppen gebildet werden (jeweils eine für die Innenstadt, den Stadtteil Sarresdorf und das Industrie- und Gewerbegebiet Gerolstein), es kommt die Idee eines Fonds auf den Tisch, in dem die Gewerbetreibenden bereits jetzt für anstehende Mehrausgaben, aber auch zur gegenseitigen finanziellen Unterstützung Geld ansparen. In der Bauphase sollen Wege zu Geschäften und Umleitungen großflächig ausgeschildert werden - unter anderem soll auf die weiteren drei Brücken Gerolsteins hingewiesen werden. „Die sind zwar nicht für den Pkw-Verkehr zugelassen“, sagt eine Teilnehmerin, „doch mit dem Fahrrad kommt man schnell von einer Seite zur anderen.“ Die Gewerbetreibenden sollten dementsprechend für Fahrradständer vor ihren Geschäften sorgen.

Gewerbetreibende und Bürger Gerolsteins bereiten sich auf den Abriss und Neubau der Hochbrücke vor, der voraussichtlich in vier Jahren erfolgen wird. Foto: Vladi Nowakowski
Bald Geschichte: Die Hochbrücke in Gerolstein verbindet die Innenstadt mit dem Stadtteil Sarresdorf. Foto: Vladi Nowakowski

Die Verwaltung will sich über Fördermöglichkeiten und eventuelle Zuschüsse informieren, die über die schwierige Situation hinweghelfen können, auch Shuttlebusse, der Erlass von Parkgebühren oder ein verstärkter Einsatz des öffentlichen Busverkehrs werden erörtert. Für Verbandsgemeindebürgermeister Hans-Peter Böffgen steht es außer Frage, dass die Verwaltung unterstützend eingreifen wird. „Wir tragen eine besondere Verantwortung für Gerolstein.“

Mehr von Volksfreund