Gerolsteiner Familie droht die Abschiebung: "In Mazedonien haben wir keine Zukunft"

Gerolsteiner Familie droht die Abschiebung: "In Mazedonien haben wir keine Zukunft"

Bestens integriert, aber nicht willkommen: Nach 16 Monaten in Gerolstein soll die Familie Redjepov am Freitag in die Flüchtlingsunterkunft in Steineberg umziehen und innerhalb einer Woche freiwillig aus der Bundesrepublik ausreisen. Weil der Asylantrag abgelehnt wurde, droht die Abschiebung.

Im Wohnzimmer von Marion Prison, die Asan, Bedjat und Vaske Redjepova nur Mama nennen, herrscht bedrückte Stimmung.

Die Gerolsteiner Wohnung der aus Mazedonien geflohenen Familie ist inzwischen geräumt, die wenigen Habseligkeiten zusammengepackt - morgen soll die Abreise in die Asyl-Unterkunft in Steineberg erfolgen.

Die Ausländerbehörde des Landkreises Vulkaneifel rät, Deutschland freiwillig zu verlassen, sonst werde abgeschoben: "in ihr Heimatland oder in ein sonstiges Land, das zu ihrer Rückübernahme verpflichtet ist", heißt es wörtlich in einem Brief der Behörde, den der 48-Jährige Bedjat Redjepov auf den Tisch legt.

"Wir können nicht zurück nach Vinica", sagt er. Seine Heimatstadt liege 100 Kilometer westlich der mazedonischen Hauptstadt Skopje. "Dort haben wir keine Zukunft", sagt er, "denn wir sind Roma."

In Mazedonien sei diese ethnische Minderheit offener Verfolgung ausgesetzt, erzählt Redjepov. "Ich finde dort keine Arbeit, mein Sohn Asan darf keine Ausbildung machen." Überdies sei seine Ehefrau krank und brauche fortlaufende medizinische Versorgung - "die gibt es für unsereins aber nicht", sagt Redjepov und legt ein Attest auf den Stapel der Briefe, Kopien und Belege, die das Leben der Familie in den vergangenen 16 Monaten annähernd lückenlos dokumentieren.

Bluthochdruck und eine Herzschwäche bescheinigt der behandelnde Arzt der 44-Jährigen Vaske und bittet die Ausländerbehörde schriftlich, die Entscheidung zur Abschiebung nochmals zu überdenken. Falls die Familie doch in ein Flugzeug gesetzt werde, sollte eine entsprechende medizinische Versorgung gewährleistet sein, schreibt der Arzt und warnt vor der Stresssituation, "in der wirklich alles passieren kann: "Sie werden die Verantwortung übernehmen müssen", endet der Brief.Kein Wort von Ausländerbehörde


"Ich verstehe das alles nicht", sagt Marion Prison, die sich seit der Ankunft der Flüchtlingsfamilie in Gerolstein für sie eingesetzt hatte. "Asan, Bedjat und Vaske haben sich rein gar nichts zu Schulden kommen lassen." Im Gegenteil: Die drei hätten sich mustergültig integriert, betont sie.

"Bedjat hat von Beginn an einen Ein-Euro-Job bei der Verbandsgemeindeverwaltung gehabt und hat dort nicht einmal gefehlt, und sein Sohn hat nach dem Abschluss an der Berufsschule inzwischen bereits vier Angebote für Lehrstellen."
Auch diese Schreiben landen auf dem Stapel. Der 21-Jährige Asan könnte demnach den Friseurberuf in Oberstadtfeld, Gerolstein oder Trier erlernen. "Doch wenn die Ausbildung beginnt, bin ich wohl nicht mehr in Deutschland", fürchtet er.

Das Attest der Mutter, die Ausbildungsangebote des Sohnes und das gute Arbeitszeugnis des Vaters: Ein Stapel aus Papier, auf dem die Hoffnungen der Flüchtlingsfamilie beruhen, vielleicht doch noch bleiben zu dürfen. Aus Datenschutzgründen dürfe man dem TV nichts zur Sachlage sagen, heißt es bei der Ausländerbehörde. Ein Anwalt in Gießen, der die Familie vertreten soll, ist telefonisch nicht erreichbar.

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