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Gerolsteiner Grüne finden in städtischen Gremien immer mehr Mitstreiter

Umwelt : Grüne Gedanken für Gerolstein greifen

Mehr blühende Wiesen, weniger Pestizide und freie Bahn für E-Bikes: Die Gerolsteiner Grünen finden in den städtischen Gremien immer mehr Mitstreiter für ihre Vorschläge.

Sind es Meldungen über das Abholzen von Tropenwäldern, die Plastikverseuchung von Meeren oder den existenzbedrohenden Anstieg des Meeresspiegels, die zum Umdenken führen? Oder sind es Nachrichten über die globalen Folgen des Klimawandels, regionalen Auswirkungen von Umweltverschmutzungen wie zu hohe Nitratwerte im Grund- und Trinkwasser? Was letztlich dazu führt, dass das Umweltbewusstsein von Bürgern und Kommunalpolitikern in der Eifel geschärft wird, ist nicht genau auszumachen, dass aber sensibler reagiert wird, ist spürbar. Es zeigt sich schon daran, dass sich die Grünen mit ihren Ideen in den Gremien der Stadt Gerolstein in jüngster Zeit weitaus öfters durchsetzen konnten, als noch in der Vergangenheit.

Zwar wurde bereits (nicht nur im Gerolsteiner Land) parteiübergreifend beschlossen, dass Gebäude energetisch saniert, alte Heizungen gegen umweltfreundlichere Anlagen ausgetauscht, Blockheizkraftwerke, PV-Module und LED-Beleuchtung installiert wurden – aber vor allem wohl oft wegen lockender hoher Zuschüsse. Inzwischen aber berühren die Beschlüsse viel mehr Lebensbereiche.

Der langjährige Grünen-Frontmann Tim Steen, der eine gewisse Erfahrung damit hat, mit seinen Anträgen zu scheitern, wagt einen Erklärungsversuch für die Trendwende. Weshalb also folgten die anderen Fraktionen inzwischen immer öfter den Vorschlägen der Grünen? „Weil wir so gute Anträge stellen!“ meint er – und hängt noch ein Smiley an die Antwort.

Steens detaillierter Erklärungsversuch lautet so: „Einerseits ist die Zeit offensichtlich reif für diese Initiativen, was uns natürlich freut, andererseits liegt es an dem konstruktiven Klima im Stadtrat. Auch wenn wir bei einem Thema mal völlig konträrer Meinung sind, wird beim nächsten Thema trotzdem inhaltlich und nicht parteipolitisch gehandelt. Im Sinne einer lösungsorientierten Politik ist das sehr zu begrüßen.“ Dennoch gäbe es „noch Luft nach oben“. Zuletzt wurden im Stadtrat folgende Beschlüsse gefasst, die auf Anträge der Grünen zurückzuführen sind:

E-Bike-freundliches Gerolstein: Der Antrag sieht vor, dass innerhalb Gerolsteins Strecken zu touristischen und anderweitig wichtigen Zielen (wie Einkaufsmärkte in Sarresdorf) ausgeschildert werden, die primär über ruhige Seitenstraßen führen. An stark befahrenen Straßen sollen Umbaumaßnahmen für die Sicherheit der Radfahrer sorgen. Zudem sollen an wichtigen Punkten Anlehnbügel für Fahrräder und E-Bikes sowie Ladestationen installiert werden. Auch an einer radtechnisch besseren Verbindung zwischen der Kernstadt und den Stadtteilen soll gearbeitet werden.

Der Antrag ist von allen Fraktionen positiv aufgenommen worden. Die Verwaltung ist beauftragt worden, für die einzelnen Maßnahmen erste Kostenschätzungen vorzunehmen und Prioritäten vorzuschlagen. Im neuen Ausschuss für Tourismus und Stadtentwicklung soll alles detailliert weiterentwickelt werden.

Steen: „Uns Grünen geht es darum, deutlich zu machen, dass durch die E-Bikes auch in einer hügeligen Stadt wie Gerolstein jeder einen Teil seiner Wege mit dem Rad erledigen kann. Selbst größere Steigungen sind mit dem E-Bike für alle Radler mühelos und ohne sportliche Anstrengung zu bewältigen.“

Pestizidfreie Kommune: Dies ist das Ziel, das die Grünen anstreben – und das bereits nach mehreren Vorberatungen in einen Beschluss gemündet ist. So hat der Forst-, Wegebau- und Umweltausschuss als Empfehlung an den Stadtrat beschlossen, „dass in allen Pachtverträgen ein Verbot für die Verwendung von Pestiziden auf den gepachteten Flächen verankert wird.“

Keine Überdüngung: Auch das Problem der Überdüngung und Gefährdung fürs Grund- und Trinkwasser wird angepackt. Im gleichen Beschluss fordert der Ausschuss: „Darüber hinaus wird vertraglich vereinbart, dass auf den gepachteten Flächen ausschließlich Gülle, die im Betrieb des Pächters anfällt, ausgebracht werden darf. In der Regel ist bei auslaufenden Pachtverträgen für kommunale Flächen mit landwirtschaftlicher Nutzung eine öffentliche Ausschreibung durchzuführen. In begründeten Einzelfällen kann davon abgewichen werden.“ Der Ausschuss beschließe über die Abweichungen.

Für Steen ist das „prinzipiell ein sehr positiver Beschluss, bei dem die Stadt Vorbild wird im Einsatz für den Arten- und den Grundwasserschutz“. Gleichzeitig werde die notwendige Transparenz bei der Verpachtung der Flächen geschaffen. Dies sei in der Vergangenheit nicht der Fall gewesen. Die Verpachtung erfolgte laut Steen „unter der Hand, zu Preisen, die in ihrer Unterschiedlichkeit nicht nachzuvollziehen sind“.

Leider, so der Grünen-Frontmann, habe sich für den letzten Satz des Antrages keine Mehrheit im Ausschuss abgezeichnet – nämlich: „Angebote, die für die Flächen eine Bewirtschaftung im Rahmen des Vertragsnaturschutzes zusichern, werden bei der Vergabe bevorzugt berücksichtigt.“ Daher wollen die Grünen im Stadtrat noch Überzeugungsarbeit leisten, denn ohne diese Festlegung bestehe die Gefahr, dass Flächen, die bereits nach den Regeln des Vertragsnaturschutzes bewirtschaftet würden, auf Grund eines finanziell besseren Pachtangebotes diesen Status verlören und damit der Artenschutz einen Rückschlag erleide.

Bienen- und insektenfreundliche Blühflächen: Auf Antrag der Grünen sollen in der Stadt Flächen bereitgestellt werden, die nicht regelmäßig gemäht werden, sondern grünen und blühen. Um einen Lebensraum für Bienen und Insekten zu schaffen und einen Kontrapunkt zu den immer mehr werdenden Kies- und Steingärten zu setzen, die den Lebensraum der Bienen immer weiter einschränken. Weiterer positiver Nebeneffekt: Der Bauhof hat weniger Arbeit mit diesen Flächen.

Der Bauhof der Stadt hat auf Basis dieses Antrags vier Flächen vorgeschlagen: oberhalb von RWE/Innogy; im Stadtpark Gymnasialstraße, auf einer Teilfläche des Waldfriedhofs; und auf einer Rasenfläche in der Raiffeisenstraße neben dem städtischem Mietwohngebäude.

Darüber hinaus hat Stadtbürgermeister Uwe Schneider (SPD) in Abstimmung mit den Beigeordneten vorgeschlagen: Flächen am Peschenbach in Gerolstein-Nord, Teile des Kyllparks sowie die Lichtung (ehemaliger Hundeplatz) am Weg zur Büschkapelle. Auch dies ist einstimmig angenommen worden. Zudem sind die Bürger aufgerufen, weitere Flächen vorzuschlagen

Strom sparen: Gerolstein hat sich in diesem Jahr erneut an der Earth Hour beteiligt. Das ist die weltweite Umweltaktion am Samstag, 28. März, bei der in zahlreichen Städten der Erde Beleuchtung ausgeschaltet wurde – um Strom zu sparen und ein Zeichen für Umweltschutz zu setzen. In Gerolstein wurde die Beleuchtung des Aubergs, der Munterley, der Erlöserkirche, des Naturkundemuseums und des Wasserturms ausgeschaltet. Und zwar das gesamte Wochenende vom Freitag, 27., bis Sonntag 29. März. Den Anstoß zur erstmaligen Beteiligung dazu hatten gegeben: die Grünen (damals war es Ratsmitglied Horst Lodde).