Gerolsteiner schöpft aus dem Vollen

Gerolsteiner schöpft aus dem Vollen

Der Gerolsteiner Brunnen lässt derzeit in der Nähe des Betriebsgeländes einen weiteren Brunnen bohren. Bis Mitte 2014 soll er in Betrieb gehen. Das Unternehmen hat bereits Zugriff auf 25 Quellen.

Gerolstein. Das bombige Sommerwetter hat beim Gerolsteiner Brunnen den Absatz angekurbelt. Da ist es gut, wenn das Unternehmen aus dem Vollen schöpfen kann. Und das kann es dank vorausschauender Planung, wie Thomas Hens, Leiter Technische Entwicklung und Ressourcen, betont. "Im Bestand des Gerolsteiner Brunnens sind derzeit 25 Quellen, die allerdings nicht alle aktiv genutzt werden", sagt Hens.
Das hängt damit zusammen, dass für unterschiedliche Erfrischungsgetränke Wasser mit unterschiedlicher Mineralisierung verwendet wird. Zudem würden die Quellen schonend und dementsprechend unterschiedlich intensiv genutzt.
Nun kommt ein weiterer Brunnen hinzu, den Deutschlands führender Mineralwasserhersteller derzeit in der Nähe des Betriebsgeländes bohren lässt - in 180 Metern Tiefe. Zum Vergleich: Während Mineralwasser in Tiefen ab etwa 100 Metern gewonnen wird, sind die üblichen Trinkwasserbrunnen in der Regel lediglich 20 bis 80 Meter tief.
Hens erklärt: "Das Wasser der Quelle, die durch die Brunnenbohrung Nollenheim erschlossen wird, eignet sich durch seine natürliche Zusammensetzung sehr gut für die Herstellung von Erfrischungsgetränken." Es ist ein Wasser mit hohem Anteil an Kalzium, Magnesium und Hydrogenkarbonat - also, wie die meisten Mineralwässer der Vulkaneifel, hoch mineralisiert.
Der Gerolsteiner Brunnen geht davon aus, dass die Quelle bis Mitte 2014 in Betrieb genommen werden kann. Die erste Versuchsbohrung sei bereits 2007 unternommen worden, nun erfolgt der Ausbau. Auf duie Frage nach den Kosten für die Bohrung ließ das Unternehmen wissen: "Die sind abhängig von Tiefe der Bohrung sowie der Entfernung zum abfüllenden Betrieb. Dabei ist ein siebenstelliger Betrag nicht ungewöhnlich."
Die Erlaubnis zur Bohrung und Wasserentnahme hat die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord in Koblenz im September 2012 erteilt. Sie ist befristet bis Ende September 2017 und kann jederzeit widerrufen werden. Das bestätigt Wolfgang Bohr, Leiter der Gerolsteiner Verbandsgemeindewerke, die die Trinkwasserver- und Abwasserentsorgung im Gerolsteiner Land gewährleistet. Er sagt: "Es gilt der Grundsatz, dass die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung Vorrang hat."
Daher ist reglementiert, wie viel Wasser das Unternehmen aus dem neuen Brunnen entnehmen darf: pro Stunde maximal 20 Kubikmeter (20 000 Liter), pro Tag maximal 480 Kubikmeter (480 000 Liter) und pro Jahr maximal 175 000 Kubikmeter (175 Millionen Liter) Wasser.
Laut Bohr ist das "beachtlich", die VG-Werke haben jedoch an anderen Quellen noch umfangreichere Rechte der Wasserentnahme. So dürften aus der Quelle Sandborn jährlich 450 000 Kubikmeter (450 Millionen Liter) Wasser und aus der Quelle Müllenborn gar eine Million Kubikmeter (eine Milliarde Liter) Wasser entnommen werden.
Während Hens betont, dass "uns der nachhaltige Umgang mit den Wasserressourcen ein zentrales Anliegen ist", weiß VG-Werkleiter Bohr, dass dies auch kontrolliert wird. Er berichtet: "Zur Feststellung beziehungsweise zum Ausschluss langfristiger Auswirkungen auf benachbarte Entnahmestellen wurde die jährliche Überprüfung der hydraulischen Zustände benachbarter Brunnen angeordnet." Dazu gehört, dass die SGD Nord als die wasserwirtschaftlichen Fachbehörde die jährlichen Entnahmemengen aus dem Brunnen, der Wasserspiegel und eine fachliche Bewertung der hydraulischen Zustände vorzulegen sind. Und außerdem, sagt Bohr, "beobachten wir unsere Vorkommen auch immer sehr genau."
Extra

Die VG-Werke Gerolstein verkaufen nach eigenen Angaben im Jahr rund 1,4 Millionen Kubikmeter Trinkwasser. Die eine Hälfte davon an die Bevölkerung, die andere Hälfte an den Gerolsteiner Brunnen. Der benötigt so viel Wasser, um seine Flaschen zu spülen. Wegen der großen Abnahmemenge erhält der Gerolsteiner Brunnen laut Bohr einen Nachlass von rund 30 Prozent und muss somit nur 80 Cent pro Kubikmeter Wasser zahlen. Oder insgesamt 560 000 Euro. Beim Normalbürger sind es 1,18 Euro pro Kubikmeter Wasser. mhExtra

Der Gerolsteiner Brunnen hat 740 Mitarbeiter und 44 Azubis. Gesellschafter sind die Bitburger Holding GmbH, Bitburg (51 Prozent) und die Buse KSW GmbH & Co. Bad Hönningen (32 Prozent). Die übrigen 17 Prozent Anteile sind in privatem Streubesitz. Der Absatz kletterte 2012 um 1,3 Prozent auf 6,2 Millionen Hektoliter, der sogenannte Gesamt-Nettowarenumsatz stieg um 4,4 Prozent auf 213 Millionen Euro, und beim Marktanteil unter den Mineralwässern ab 0,40 Euro legte Gerolsteiner auf 17,1 Prozent (+0,2) zu. red

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