Gerolsteiner Seniorenbeirat droht Aus wegen dauerhaftem Mitgliederschwund - Jetzt will sich die Politik einschalten

Gerolsteiner Seniorenbeirat droht Aus wegen dauerhaftem Mitgliederschwund - Jetzt will sich die Politik einschalten

Der Seniorenbeirat der Stadt Gerolstein steht kurz vor der Auflösung. Jetzt wollen sich Stadtrat und Stadtspitze einbringen, um das Aus doch noch abzuwenden.

Gerolstein. Am vergangenen Wochenende haben sie wieder, wie es seit vielen Jahren gute Tradition und fester Bestandteil des Weihnachtsmarktes ist, den längsten Gewürzkuchen Gerolsteins verkauft, um damit Erlöse für ihre Arbeit und andere gemeinnützige Zwecke zu erzielen. Doch diesmal war bei den noch wenigen verbliebenen Mitgliedern des Seniorenbeirates der Stadt Gerolstein auch Wehmut dabei. "Ich denke, das war unser letzter Kuchenverkauf, ich sehe für den Seniorenbeirat keine Zukunft mehr, da wir keine neuen Mitstreiter finden. Wer soll es denn noch machen?" fragt resignierend Beiratsmitglied Günther Theis.
Ihm zur Seite standen beim jüngsten Kuchenverkauf noch Richard Müller, Gisela Sander und Marie Hoffmann. Weiterhin wirkt noch Elfriede Müller mit, Karl Jüntermanns wurde inzwischen verabschiedet. Einen Vorsitzenden hat der Beirat seit 2013 nicht mehr, als der langjährige und inzwischen verstorbene Vorsitzende Karlheinz Knobloch das Amt aufgegeben hatte.
Auch beim traditionellen Senioren-Adventskaffee im Gerolsteiner Rondell, der seit Jahren stets gut besuchten Zusammenkunft älterer Mitbürger bei Kaffee, Kuchen und einem netten Unterhaltungsprogramm, war das bevorstehende Aus thematisiert worden.Ein Schock für manche


Der Artikel darüber im TV hat denn auch in der Stadt hohe Wellen geschlagen. Denn obwohl es keine Neuigkeit war, dass der Seniorenbeirat seit Jahren unter extremem Nachwuchsmangel leidet, so war die Ankündigung der Vereinsauflösung dann für viele doch eine Überraschung. Für so manchen ein Schock.
Nun ist auch der Gerolsteiner Stadtrat auf das Thema aufmerksam geworden. Eine Anfrage von Evi Linnerth (SPD) an die Verwaltung sorgte für eine ausführliche Diskussion über die Zukunft des Seniorenbeirates. Sie sagte: "Wir wollen das Thema in die Öffentlichkeit bringen und gemeinsam überlegen, wie ein überlebensfähiger Seniorenbeirat gebildet werden kann."
Sie selbst hatte bereits eine Idee: "Vielleicht macht es Sinn, die Interessenvertretung nicht nur wie bisher auf die Stadt, sondern künftig auf die gesamte Verbandsgemeinde zu beziehen." Und Monika Simon (CDU), die im Mehrgenerationenhaus in Gerolstein arbeitet, schlug vor: "Wir haben bei uns den Senioren-Förderverein, der ebenfalls seit vielen Jahren händeringend nach Leuten sucht. Wir sollten darüber sprechen, beide Gruppen zusammenzuführen."
Apropos sprechen: Gerolsteins Stadtbürgermeister Friedhelm Bongartz (CDU) hat nach eigenem Bekunden genau dies vor. Er kündigte an: "Ich habe bereits mit den Mitgliedern des Seniorenbeirates vereinbart, dass wir uns im Januar zusammensetzen und über die Situation sprechen."
Für Evi Linnerth sind Gespräche - und erst im Januar - zu wenig und zu spät, "denn im Grunde existiert der Seniorenbeirat nicht mehr". Auch wenn er formal noch nicht aufgelöst wurde. Sie fordert rasches Handeln und appelliert an die Verantwortungsträger in der Stadt: "Ich bin mir sicher, dass wir Freiwillige finden, wenn die Stadt deutlich zu verstehen gibt, dass sie sie unterstützt. Und diese Verpflichtung hat die Stadt."
FWG-Sprecher Heinz Weber schlug derweil ganz andere Töne an, "auch wenn ich mich damit unbeliebt mache: Was wollen Sie erreichen? Dass die Senioren in der Stadt vertreten werden?", fragte er, sah sich um im Rat und meinte dann: "Hier im Stadtrat sind sie überproportional vertreten. Was wir brauchen, ist ein Jugendbeirat!" Schließlich würden all die Entscheidungen zu den großen Themen (Umbau Bahnhof, Umbau Brunnengelände, Umbau der Kyll) Gerolstein über Jahre oder Jahrzehnte prägen und somit primär die nachfolgende Generation betreffen.Meinung

Nochmals einen Versuch starten
Vor dem Hintergrund, dass die Bevölkerung immer älter wird, macht es Sinn, dass es auch eine Interessenvertretung für die große Bevölkerungsgruppe der Senioren gibt. Ob das bereits der Stadt- oder der Verbandsgemeinderat ist, darüber lässt sich streiten. Schließlich sollen diese Gremien - auch wenn sie ein hohes Durchschnittsalter haben - Entscheidungen für alle Bürger fällen, und nicht nur für die Älteren. Die Stadt, die sich bislang so gut wie nicht um Mitgliederrekrutierung für den Seniorenbeirat gekümmert hat, sollte nochmals einen Versuch unternehmen und dabei auch klarmachen, wie sie das Gremium zu unterstützen gedenkt. Stößt das alles nicht auf Interesse, muss das Thema Seniorenbeirat wohl oder übel ad acta gelegt werden. m.huebner@volksfreund.deExtra

Grundlegendes: Der Seniorenbeirat der Stadt Gerolstein besteht seit Ende 1992. Er wird alle drei Jahre in einer öffentlichen Versammlung gewählt. Wahlberechtigt sind alle über 60-Jährigen aus Gerolstein und den Stadtteilen. Die Mitglieder des Beirats wiederum wählen aus ihren Reihen ihren Vorsitzenden und Stellvertreter. Der Beirat vertritt die Belange der älteren Menschen in der Stadt und fungiert als Mittler zum Stadtrat und dem Stadtbürgermeister. Angebote: Der Seniorenbeirat hat regelmäßig Vorträge mit Experten zu seniorenrelevanten Themen angeboten. Dabei ging es um Diebstahlschutz in Haus und Wohnung, Ernährung im Alter, das breite Spek trum der Gesundheitsthemen oder Abzocktricks bei Kaffeefahrten. Die beiden bekanntesten Veranstaltungen sind der "Verkauf des längsten Gewürzkuchens von Gerolstein" im Advent sowie seit 1994 der Seniorennachmittag (am letzten Mittwoch vor dem ersten Advent) im Rondell, zu dem in Spitzenzeiten bis zu 400 Senioren gekommen sind und bei Kaffee und Kuchen, Gesang und Vorträgen bestens im Rondell unterhalten wurden. mh