Gerolsteiner Windkraft-Pläne schlagen weiter hohe Wellen

Gerolsteiner Windkraft-Pläne schlagen weiter hohe Wellen

Auch die Kernzone des Naturparks soll für Windkraftanlagen nicht tabu sein. Das hatte der Verbandsgemeinderat Gerolstein beschlossen. Während Naturschützer und Gastronomen dadurch erhebliche Beeinträchtigungen befürchten, sagen die Entscheidungsträger, dass sie keine andere Wahl gehabt haben.

Gerolstein/Neroth. Der Beschluss des Verbandsgemeinderats Gerolstein, auch in der Kernzone des Naturparks zu prüfen, ob dort Windkraftanlagen (WKA) aufgestellt werden können, ruft viele Reaktionen hervor (der TV berichtete). Den TV haben weitere Rückmeldungen erreicht:

Für die beiden Mitglieder des Verbandsgemeinderats Gerolstein, Norbert und Barbara Worm (Bündnis 90/Die Grünen), ist "der mit überwiegender Mehrheit getroffene Beschluss des Verbandsgemeinderates … verzerrend dargestellt". Es sei noch überhaupt kein Beschluss gefällt worden, der die Aufstellung einer bestimmten Zahl von Anlagen in Neroth oder anderswo festschreibt. Eine Einzelfallprüfung, ob Windräder aufgestellt werden dürfen, sei für FFH-Gebiete und Randbereiche des Naturparks "zwingend erforderlich". Zudem würden die Nadelholzbestände im Naturpark in den kommenden drei Jahrzehnten komplett abgeholzt und durch Baumarten ersetzt, die dem Klimawandel besser standhalten. Norbert Worm: "Hier schließt sich der Kreis: Es gibt eben keinen Umweltschutz ohne erneuerbare Energien. Und deren verträglichste Lösung ist derzeit nun einmal die Windkraft."
Einbrüche im Tourismus befürchtet er ebenfalls nicht. Im Gegenteil. Die Leistungen einer Gemeinde in Sachen Umweltschutz fänden bei vielen Touristen große Anerkennung. Worm: "Die Menschen kommen ja gerade wegen der intakten Natur zu uns, die wir durch die erneuerbaren Energien erhalten wollen."

Johannes Müller (CDU), einziges Mitglied seiner Fraktion, das gegen die Öffnung der Naturpark-Kernzone gestimmt hatte, meint: "Es nicht der Wunsch von Bürgermeister Pauly, Windkraftflächen auszuweisen, sondern es ist der Wunsch der Landesregierung." So haben denn auch sowohl die SPD als auch die Grünen im VG-Rat dafür gestimmt.

Matthias Pauly (CDU), Bürgermeister der VG Gerolstein, betont, dass die Fortschreibung des Flächennutzungsplans "dringend notwendig" sei, um eine Verspargelung der Landschaft zu verhindern. Denn wenn nicht korrekt geplant würde, könnten WKA nahezu überallhin gebaut werden, da sie nach dem Baugesetzbuch "privilegiert zulässig" seien. Pauly: "Die Verbandsgemeinde darf dabei keine Verhinderungsplanung betreiben, da der Windenergie substanziell Raum zu geben ist."
Da aber der Deutsche Wetterdienst Windkraftplanungen in einem Radius von 15 Kilometern um das Wetterradar Neuheilenbach nicht oder nur unter Einhaltung von Höhenbeschränkungen zustimme, sei in weiten Teilen der Verbandsgemeinde keine Windenergienutzung möglich.
Aufgrund dieser Restriktionen verbleiben ohne Höhenbeschränkungen nur potenzielle Eignungsflächen rund um Neroth (Gemarkungen Neroth, Gees und Pelm): Auf rund 150 Hektar Fläche wären zwölf WKA möglich. Allerdings liegen diese Flächen im FFH-Gebiet und zum Teil in der Naturparkkernzone.
Pauly betont: "Unter Berücksichtigung der höchstrichterlichen Rechtsprechung erfolgt kein genereller Ausschluss von potenziellen Vorrangflächen in FFH-Gebieten oder der Naturpark-Kernzone." Es müsse in jeden Einzelfall geprüft werden, ob ein Windrad das Schutzziel des Naturparks (vor allem Erholung in der Stille) "erheblich beeinträchtigt". Falls ja, gebe es keine Genehmigung. Falls nicht, könne es ausnahmsweise genehmigt werden. mh