Gerolsteinern stinkt die Gülle ganz gewaltig

Gerolsteinern stinkt die Gülle ganz gewaltig

Rund um den Gerolsteiner Reginenhof beschweren sich Anwohner seit Anfang des Jahres über permanenten Güllegestank. Stadtbürgermeister Friedhelm Bongartz will die Emissionen verringern und mit dem niederländischen Landwirt über technische Möglichkeiten verhandeln.

Gerolstein. "Niemand will eine offene Konfrontation, doch der Landwirt verweigert bisher jedes Gespräch", sagt Karl-Heinz Wagner. Zum wiederholten Male treffen sich die vom Gülle- und Silogeruch gebeutelten Nachbarn des Reginenhofs in Gerolstein-Nord, um zu beraten, "wie sie ihre Lebensqualität zurück erhalten können", wie Wagner es ausdrückt.
Seit Monaten beschwert man sich bei der Stadt, Gespräche mit dem Kreisbauernverband und Unterschriftenlisten - all das hat nichts an der Lage geändert. "Nun lassen wir uns von einem Fachanwalt beraten", sagen die Gerolsteiner, die sich zu einer Bürgerinitiative (BI) zusammengeschlossen haben. "Uns reicht es!"
Bei einem Gespräch mit Gerolsteins Stadtbürgermeister Friedhelm Bongartz und Stadtratsmitglied Peter Bitschene geht es um Ängste, wie die vor dem Wertverlust der Immobilien, Krankheiten durch Ungeziefer und der Verschmutzung des Grundwassers, aus dem das Trinkwasser für das Gerolsteiner Land gewonnen wird.
Auch um die Touristen, die dem Gestank ausgesetzt sind, macht sich die BI Gedanken. Der Landwirt Rien Romme habe eine Genehmigung dafür, 600 Stück Vieh halten zu dürfen, heißt es bei der Versammlung. "Wer garantiert uns, dass nicht noch mehr Tiere dazukommen?", fragt Wagner. Seit 2012 seien rund 17 Millionen Tonnen Gülle angefallen, hat die BI errechnet.
Einer der Anwesenden hat Buch geführt: "Seit Mai habe ich 78 Tage mit extremen Geruchsbelästigungen gezählt."
Bürgermeister Bongartz sieht sich seit seinem Amtseintritt im vergangenen Jahr mit dem Problemfall Reginenhof konfrontiert und sucht seither nach einer einvernehmlichen Lösung. "Fakt ist, dass eine Genehmigung für den Betrieb dieses landwirtschaftlichen Hofes vorliegt. Doch es geht um die Gesundheit von Bürgern - und da muss ich handeln." Sein Vorschlag: "Hier muss man der ohnehin bald in Kraft tretenden Novelle der Düngeverordnung zuvorkommen und dem besagten Landwirt neue Techniken der Aufbringung der Gülle vorschreiben."
Neue Techniken vorschreiben


Dabei soll die stinkende Brühe nicht mehr unkontrolliert in die Luft geschleudert, sondern mittels eines Pflug- und Schlauchsystems unter die Grasnarbe gepumpt werden. Die Geruchsbelästigung werde dadurch minimiert. Das Problem der Kontaminierung der Böden und des Grundwassers sei dadurch nicht gelöst, erklärt der Geologe Peter Bitschene. "Einige Eifeler Brunnen mussten angesichts der hohen Nitratwerte bereits aufgegeben werden."
Ein akuter Grad der Verunreinigung im Gerolsteiner Norden könnte zurzeit nicht nachgewiesen werden. "Je nach Beschaffenheit der Böden dauert es Jahre oder auch Jahrzehnte, bis das Nitrat im Grundwasser angekommen ist. Wenn es so weit ist, ist es auch schon zu spät", fügt Bitschene hinzu.
Die gewollte nachbarschaftliche Beziehung zum niederländischen Landwirt funktioniert offenbar nicht: "Er ignoriert uns", sagt BI-Sprecher Karl-Heinz Wagner. "Ich habe kein Interesse, mich dazu zu äußern", sagt Rien Remme auf Anfrage des TV und verweist auf den Kreisbauernverband.
Dessen Vorsitzender Marco Weber nimmt den Niederländer in Schutz: "Er ist ein normaler Landwirt, der alle Auflagen einhält." Die Haltung von 600 Stück Vieh und die Pläne zur Vergrößerung des Hofs im Jahr 2012 seien von allen Gremien bewilligt worden. "Spätestens dann hätte doch ein benachbarter Anwohner den Finger heben und dagegen protestieren können", sagt Weber.