Gerolsteins französische Widerstandskämpferin

Geschichte : Marcelle ist tot, die Erinnerung lebt

Wolfgang und Thea Merkelbach haben das Leben der 1943 in Gerolstein verstorbenen französischen Widerstandskämpferin Marcelle Dorr erforscht. Am 30. November stellen sie die Geschichte der Öffentlichkeit vor.

„Der Preis des Friedens heißt Erinnerung“: Unter dieses Motto stellt der pensionierte Sonderschullehrer Wolfgang Merkelbach seine seit vielen Jahren betriebenen Recherchen und Veröffentlichungen zur Zeitgeschichte. Unterstützt wird er dabei von seiner Ehefrau Thea, selbst Autorin von Aufsätzen und Chroniken. „Wir möchten dazu beitragen, dass Menschen und Ereignisse, die mit der Geschichte unserer Heimat zu tun haben, nicht in Vergessenheit geraten“, erklärt der 78-Jährige - „besonders dann nicht, wenn es um Unrechtssysteme wie das Dritte Reich geht.“ So dokumentierten die Merkelbachs zuletzt unter dem Titel „Den sollen die Füchse fressen“ das Schicksal eines amerikanischen Piloten, dessen Jagdbomber im September 1944 an dem Gerolsteiner Felsen „Hustley“ zerschellt war (der TV berichtete). Seinerzeit hatten sich Merkelbachs auch an die Gerolsteinerin Gertrud Becker (geborene Clemens) gewandt. „Von eurem Piloten weiß ich nichts“, hatte die für ihre umfassenden heimatgeschichtlichen Kenntnisse bekannte, inzwischen 95-Jährige gesagt. Hatte sie aber stattdessen auf die Spur der französischen Widerstandskämpferin Marcelle Dorr geführt.

Deren Lebensweg haben Wolfgang und Thea Merkelbach nun nachgezeichnet - von ihrer Geburt am 2. März 1903 in Crémieu (bei Lyon) bis zu ihrem Tod als politischer Häftling im Gerolsteiner Krankenhaus am 19. November 1943, ihrer Beerdigung auf dem Sarresdorfer Friedhof vier Tage später und ihrer Umbettung nach Nancy im September 1948.

Dieses Foto von Marcelle Dorr ist im Besitz von Gertrud Becker. Foto: TV/Brigitte Bettscheider

Am Donnerstag, 30. November, steht Madame Dorr im Mittelpunkt eines Vortrags im Rathaus Gerolstein (siehe Info). „Es soll eine Zeit- und Ortsreise zu den wagemutigen Aktionen dieser jungen Patriotin werden“, beschreiben Wolfgang und Thea Merkelbach im Gespräch mit dem TV ihr Anliegen. Sie werden die Zuhörer mit auf Marcelle Dorrs Leidensweg durch deutsche Gefängnisse und Lager nehmen. Aber auch aufzeigen, dass sie in dem mehr als dreimonatigen Aufenthalt im Gerolsteiner Krankenhaus Freundschaft und Menschlichkeit erlebte. Die Zeitzeugen von damals hätten Marcelle Dorr als eine außergewöhnliche Frau kennen gelernt, kontaktfreudig und hilfsbereit. Sie habe offenbar die Gabe gehabt, die Herzen der Menschen für sich zu gewinnen, stellten die beiden Pelmer Chronisten fest. Neben den Erinnerungen von Gertrud Becker basieren ihre Kenntnisse des Lebens von Marcelle Dorr im Wesentlichen auf einem biografischen Bericht des Geschichtsvereins ihres Geburtsorts Crémieu, auf dem ein Dutzend Seiten umfassenden Todesurteil des deutschen Feldgerichts in Nancy vom 4. August 1941 und der Notiz über ihre Begnadigung zu lebenslanger Haft zwei Monate darauf. Zur Last geworfen werden ihr und weiteren Mitgliedern eines Netzwerks „die Verbergung von Kriegsgefangenen in großem Umfang“. Tatsächlich war Marcelle Dorr an der Flucht von mehr 1000 Kriegsgefangenen und Deserteuren beteiligt. Nach ihrer Begnadigung wurde sie in Gefängnissen in Nancy, Saarbrücken und Köln-Klingelpütz sowie im Frauenstraflager Flußbach bei Wittlich eingesperrt. Schließlich bildeten die Flußbacher Außenkommandos Gillenfeld und Gerolstein die Endstationen in Marcelle Dorrs Leben. In ihrem Geburtsort Crémieu erinnert eine Gedenktafel an sie. Darauf steht: „Ihr Mut und ihre vaterländische Treue sollen allen ein Beispiel sein.“ Wolfgang und Thea Merkelbach wünschen sich, dass auch in Gerolstein öffentlich an die französische Widerstandskämpferin erinnert wird - „mit einem Stein auf oder am Sarresdorfer Friedhof zum Gedenken an die mehr als 70 namentlich bekannten Zwangsarbeiter und politischen Kriegsgefangenen, die in Gerolstein verstorben sind. So wie Marcelle Dorr.“