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Gewerbe- und Verkehrsverein Daun: „An mehr Präsenz im Internet führt kein Weg vorbei"

Aus dem Archiv: August 2018 : Gewerbe- und Verkehrsverein Daun: „An mehr Präsenz im Internet führt kein Weg vorbei"

Neue Köpfe, neue Ideen: Das Führungsteam des Gewerbe- und Verkehrsvereins Daun hat sich viel vorgenommen. Unter anderem wird über ein eigenes Online-Einkaufsportal nachgedacht.

An der Spitze des Gewerbe- und Verkehrsvereins (GVV) Daun ist ein Generationswechsel vollzogen worden. Auf Dieter Wilhelm, der zwölf Jahre lang Vorsitzender war, ist Stefanie Mayer-Augarde gefolgt, unterstützt von ihrer Stellvertreterin Marina Stolz. Nach wie vor dabei ist Wolfgang von Wendt als Geschäftsführer. Die Mitglieder haben das weibliche Führungsduo mit einem großen Vertrauensvorschuss ausgestattet: Jeweils einstimmig wurden sie im Mai gewählt. Im Interview mit dem Trierischen Volksfreund erzählen sie von den ersten Erfahrungen ihrer Amtszeit und wohin es mit dem GVV gehen soll.

Welche Erfahrungen haben Sie in der Zeit nach Ihrer Wahl gemacht?

Mayer-Augarde: Dass der Posten der Vorsitzenden mit viel zeitlichem Aufwand verbunden ist. Hut ab vor Dieter Wilhelm, der das für mehr als zehn Jahre gemacht hat. Aber es sind nicht nur die Dinge, die sich um den Verein drehen, sondern es werden auch viele Sachen an mich herangetragen, auf die ich eigentlich keinen unmittelbaren Einfluss habe.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Mayer-Augarde: Dass wir dafür sorgen sollen, dass wieder ein Bioladen in Daun eröffnet wird. Aber auch wenn unsere Möglichkeiten begrenzt sind, haben wir den Geschäftsführer eines Bio-Ladens mit Filialen in Wittlich und Trier angeschrieben, ob Daun als Standort infrage kommen könnte. Wir warten nun auf eine Antwort.
Stolz: Grundsätzlich ist aber positiv zu sehen, dass der Verein ganz offensichtlich einen hohen Stellenwert in der Bevölkerung hat, wenn sich die Leute mit solchen Anfragen an uns wenden.
Von Wendt: Wir verstehen uns als Ansprechpartner, wo immer möglich, helfen wir, wenn es beispielsweise darum geht, leer stehende Geschäftsräume wieder zu besetzen. Aber, so meine langjährige Erfahrung als Geschäftsführer, man darf sich nicht verzetteln, klar festlegen, was wir leisten können und was nicht. Es allen recht zu machen, werden wir nicht schaffen.

Was wurde als Erstes in Angriff genommen?

Mayer-Augarde: Dass wir schneller in Kontakt mit den Mitgliedern kommen. Alles Relevante wird künftig per E-Mail rundgeschickt, und über diesen Weg können wir auch bei Bedarf die Meinung der Mitglieder einholen, wenn schnell entschieden werden muss. Zudem wird ein regelmäßiger Newsletter eingerichtet, in dem über die Aktivitäten des Vereins informiert wird.
Stolz: Wichtig ist uns, dass sich alle Mitglieder eingebunden fühlen, nicht nur die, die zu den Versammlungen im Frühjahr und Herbst kommen.

Müsste die Einkaufsstadt Daun nicht stärker auch online präsent sein?

Mayer-Augarde: Das Kaufverhalten hat sich so stark geändert. Für die meisten junge Leute geht ohne Handy, ohne Apps doch längst nichts mehr. Was bedeutet: An mehr Präsenz im Internet führt kein Weg vorbei. Vorstellbar ist, dass wir uns an einer Stadt in Bayern orientieren, die ein eigenes Online-Einkaufsportal gestartet hat. Wir müssen uns der Tatsache stellen, dass die Kundenfrequenz in der Stadt gesunken ist. Es sind neue Zeiten angebrochen, da nutzt kein Lamentieren, wir müssen darauf reagieren.
Und darüber hinaus?
Mayer-Augarde: Ich stelle mir außerdem vor, an markanten Stellen Wegweiser aufzustellen, welche Geschäfte es in Daun gibt, beispielsweise in der Mehrener Straße, wohin der neue Hit, der Baumarkt, der dm und der Aldi viele Leute ziehen. Wir haben eine attraktive Einkaufsstadt, das müssen wir aber noch stärker ins Bewusstsein von Einheimischen und Gästen bringen.
Von Wendt: Wir verstärken zudem unsere Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Vulkaneifel und beteiligen uns an der IHK-Initiative "Heimatshopping".
Wie schätzen Sie die Leerstands-Situation ein: Grund zur Besorgnis?
Mayer-Augarde: Nein, auf keinen Fall. Gerade erst waren wir in der Stadt unterwegs und haben festgestellt: Die Lage ist alles andere als dramatisch. Es ist immer Bewegung drin, es gibt Interesse an Gewerbeflächen.
Dass der Weihnachtsmarkt, traditionell vom GVV organisiert, in andere Hände übergeht, hat für einige Diskussionen gesorgt. Warum haben Sie sich dazu entschieden?
Mayer-Augarde: Auf das Thema werden wir in der Tat immer wieder angesprochen. 20 Jahre lang hat das der GVV gemacht, und alle kleineren und größeren Schwierigkeiten konnten überwunden werden. Bis auf die immer größer werdende Problematik der Lagerung der Hütten.
Diese lagern nun seit einem Jahr auf freiem Feld und es war dem GVV, trotz großer Anstrengung und Aufwand, bisher nicht möglich, eine Lagerhalle in der Region zu finden. Aus diesem Grund mussten die Organisation und die Planung des Markts in andere Hände abgegeben werden. Konkret an Rüdiger Herres, den Jugendpfleger der Verbandsgemeinde Daun. Unter seiner Regie wird der Markt am zweiten Adventswochenende am Dauner Forum stattfinden.
Was haben Sie mittelfristig vor?

Mayer-Augarde: Wir sind ja in der glücklichen Lage, dass viele Geschäfte noch inhabergeführt sind. Aber wie steht es um die Nachfolge? Auch ein Thema, mit dem wir uns werden befassen müssen. Wir stehen vor vielen Herausforderungen, was die Zukunft der Einkaufsstadt Daun angeht. Wie soll sie in zehn bis 15 Jahren aussehen? Wie sollen die Gewerbetreibenden auch dann noch bestehen können?
Stolz: Es muss Spaß machen, in Daun einzukaufen, heute und auch in 15 Jahren. Das zu erreichen, ist eines unserer Ziele.
Es gibt eine Menge etablierter Veranstaltungen wie Dauner Taler, Goldrausch oder das Weihnachtsgewinnspiel. Haben die auch für die neue GVV-Führung ihre Daseinsberechtigung?
Stolz: Der Dauner Taler ist eine echte Erfolgsgeschichte, daran wird nicht gerüttelt. Und das Weihnachtsgewinnspiel hat für Daun ein Alleinstellungsmerkmal. Welche Stadt ähnlicher Größe kann damit werben, dass Jahr für Jahr ein Auto verlost wird? Das ist doch einfach eine klasse Sache, die hoffentlich noch viele Jahre Bestand haben wird.
Von Wendt: Aber ein paar neue Ideen, wie wir noch mehr Leute in die Stadt ziehen können, wie Daun ein noch attraktiveres Ziel für einen Besuch wird, werden wir sicher entwickeln. Man darf ruhig auch mal spinnen können.
Der frühere Vorsitzende Dieter Wilhelm hatte sich zum Ziel gesetzt, einheitliche Öffnungszeiten am Samstag zu erreichen. Woran er gescheitert ist. Starten Sie noch mal einen Anlauf?

Mayer-Augarde: Ich führe seit 17 Jahren das Geschäft in der Innenstadt und stelle fest: Am Samstagnachmittag ist wenig los. Aber völlig vom Tisch ist das Thema nicht. Andererseits: Wenn wir unser Online-Portal haben, ist Daun ja ständig geöffnet.
Von Wendt: Nicht schlecht wäre, wenn es erreicht werden könnte, dass möglichst viele bis 16 Uhr geöffnet hätten. Aber zwingen können wir ja niemanden.
Nicht mal mehr zwei Jahre bis zur Kommunalwahl. Der GVV ist traditionell mit einer Fraktion im Stadtrat, derzeit mit drei Mitgliedern, vertreten. Soll das auch über 2019 so sein?

Mayer-Augarde: Es ist unverzichtbar, dass der GVV weiter vertreten ist. Wir werden uns Anfang 2018 näher damit befassen. Die Attraktivität der Innenstadt, Stadtmarketing und die Zusammenarbeit mit dem Gesundland Vulkaneifel sollen weiter unsere Schwerpunkte sein.Extra: GEWERBE- UND VERKEHRSVEREIN


Der Gewerbe- und Verkehrsverein Daun ist 1863 aus dem katholischen Handwerkerverein hervorgegangen. Aktuell hat er 141 Mitglieder. Vorsitzende ist Stefanie Mayer-Augarde, die ein Juwelier- und Uhrenfachgeschäft sowie eine Kunstgalerie in der Kreisstadt führt. Ihre Stellvertreterin ist Marina Stolz, Geschäftsführerin des Autohauses Stolz. An ihrer Seite steht Geschäftsführer Wolfgang von Wendt, der dieses Amt seit 2005 innehat.