Gewerbeverein sorgt für Unmut

Gerolstein · Rückzug vom Rückzug: Für Verstimmung hat der Gewerbeverein Gerolstein gesorgt. Um den jährlichen Mitgliedsbeitrag von rund 2500 Euro zu sparen, hat der Vereinsvorstand auf Vorschlag von Vorsitzendem Guido Birk den Austritt aus der Tourismus- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft Gerolsteiner Land beschlossen. Die Mitgliederversammlung der Gewerbetreibenden hat dies rückgängig gemacht.

Gerolstein. "Ich habe eine Riesenwelle losgetreten und versuche nun, wieder die Wogen zu glätten. Ich möchte mich dafür entschuldigen, dass ich mit meinem Vorschlag für so viel Unmut gesorgt habe." Mit diesen Worten ging Guido Birk, seit knapp einem Jahr Vorsitzender des Gewerbevereins Geroteam, bei der jüngsten Jahreshauptversammlung auf den aktuellen Beschluss des Gewerbevereins-Vorstands ein, der für Verwerfungen sorgte.
Der hatte auf Vorschlag von Birk den Austritt aus der TW einstimmig (bei einer Enthaltung) beschlossen. Nachdem erste Unmutsäußerungen von anderen TW-Mitgesellschaftern aufgekommen waren, befasste sich das Gremium nochmals mit dem Thema - und bestätigte erneut einstimmig den Ausstieg.Vereinsmitglieder sind sauer


Auf die Frage nach den Gründen sagte Birk: "Ich sehe es als meine Aufgabe an, Dinge auch mal infrage zu stellen. Und die 2500 Euro können wir ja auch anders einsetzen." Eine Idee, die nicht auf Zustimmung stieß.
Im Gegenteil: Mehrere Gewerbevereinsmitglieder waren richtig sauer ob des Austrittsbeschlusses. So sagte Gerlinde Blaumeiser ungläubig: "Wieso Austritt? Ich habe die Zusammenarbeit mit der TW nie infrage gestellt." Es wurde zwar auch die Forderung laut, "dass mehr passieren muss". Grundsätzlich aber vertraten so gut wie alle Gewerbetreibenden die Meinung, dass die Mitgliedschaft in der TW gut und richtig sei.
Noch deutlicher wurden die Mitgesellschafter. So sagte Armin Bläsius von der Volksbank Eifel-Mitte, die auch dem Gewerbeverein angehört: "Wir können den Austritt nicht nachvollziehen. Er ist das absolut falsche Signal." Die TW tue vieles, von dem letztlich auch die Gewerbetreibenden profitierten. Noch deutlicher wurde TW-Geschäftsführer Hans-Peter Böffgen, der daran erinnerte, dass der Gewerbeverein neben der Stadt und der Verbandsgemeinde zu den drei Gründungsmitgliedern der TW in den 90er Jahren gehört. Er sagte: "Ich hätte mir nie träumen lassen, dass es einmal so weit kommt und dass man sich in so kurzer Zeit derart auseinanderleben kann. Die Gesellschafter sind alle entsetzt." Obwohl spürbar verärgert, versuchte er sachlich zu bleiben und ließ die Zahlen sprechen: "Die TW gibt jedes Jahr zwischen 700 000 und einer Million Euro für Tourismus- und Wirtschaftsförderung aus. Und davon profitiert in erster Linie das heimische Gewerbe. Zum Vergleich: Der Gewerbeverein zahlt jährlich 2556 Euro Mitgliedsbeitrag an die TW."Kritk auch am Vorgehen


Ein Aspekt ärgerte Böffgen besonders. Das Wie. Er sagte: "Der Entschluss ist in den Räumen der TW gefallen, die wir dem Gewerbeverein kostenlos zur Verfügung stellen. Nach der Sitzung ist aber keiner auf die Idee gekommen, mich zu informieren. Dafür kam ein paar Tage später ein Brief ins Haus."
Stadtbürgermeister Bernd May (parteilos) war ebenfalls wenig angetan von dem Vorstandsbeschluss. Er sagte: "Ich will gar nicht daran denken, was die Nachbarkommunen von uns halten, wenn sie das mitbekommen." Sein Appell "Wir sitzen alle in einem Boot, und da sollten wir auch alle drin bleiben" wurde gehört: Die Mitgliederversammlung hob einstimmig (bei vier Enthaltungen) den Vorstandsbeschluss auf und sprach sich für den Verbleib in der TW aus.
Auf diese verkaufsoffenen Sonntage 2014 hat sich der Gewerbeverein geeinigt: 23. März, 5. Oktober, 30. November. Während des Stadtfestes am 10. August bleiben die Geschäfte zu.Meinung

Kontraproduktiv
Unter dem neuen Vorsitzenden Guido Birk, der seit knapp einem Jahr im Amt ist, ist vieles anders beim Gewerbeverein Geroteam. Er hat die Mitgliederzahl um zehn auf 85 erhöht und mit seinen Ideen frischen Wind reingebracht. So weit die eine Seite der Medaille. Die andere: Das von ihm verkündete Ziel, den Verein bis Ende 2013 auf 125 Mitgliedsbetriebe zu bringen, wird er deutlich verfehlen. Da müssen den Worten noch mehr Taten folgen. Eher kontraproduktiv sind allerdings die immer mal wieder ins Spiel gebrachten Vergleiche mit Bitburg, Wittlich, Trier nach dem Motto "Warum sollten wir das nicht auch können?". Das gilt auch für den Vorstoß, aus der TW auszutreten, um jährlich 2500 Euro zu sparen. Das ist in etwa so, als wenn man den Weihnachtsmann mit seinem vollen Sack draußen stehen ließe und die Tür nicht öffne, um Heizkosten zu sparen. Das Erstaunlichste am aktuellen Vorgang ist aber nicht einmal die Idee, sondern die Tatsache, dass alteingesessene Vorstandsmitglieder sie zwei Mal abgenickt haben. m.huebner@volksfreund.deExtra

Der Tourismus- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft (TW) Gerolsteiner Land, gehören sieben Gesellschafter an. Dies sind: die Verbandsgemeinde Gerolstein, die Stadt Gerolstein, der Gewerbeverein Gerolstein, der Tourismusverein Vulkaneifel, der Gerolsteiner Brunnen, die Kreissparkasse Vulkaneifel und die Volksbank Eifel-Mitte. Alle zahlen jeweils 2556 Euro Mitgliedsbeitrag. Die TW gibt für ihre Hauptaufgabe, die Förderung der heimischen Wirtschaft und des Tourismus laut Geschäftsführer Hans-Peter Böffgen jährlich zwischen 710 000 (2013) und einer Million Euro. Finanziert wird dies durch erwirtschaftete Einnahmen (2013: 272 000 Euro), die Mitgliedsbeiträge (18 000 Euro) und Sponsorengelder. Die Differenz gleichen die VG (400 000 Euro) und die Stadt (18 350 Euro) aus. mh

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