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Gewerbevereinsvorsitzende im Kreis schlagen Alarm und appellieren an die Kunden

Kostenpflichtiger Inhalt: Handel in der Vulkaneifel : Gewerbevereine appellieren an Kunden

Die Gewerbevereinsvorsitzenden im Kreis berichten von teils existenzbedrohender Lage ihrer Mitgliedsbetriebe, aber auch davon, dass die meisten Händler weiter erreichbar seien. Und sie appellieren eindringlich an die Kunden.

Die meisten Geschäfte geschlossen, die Straßen und Innenstädte wie leergefegt: In den Gewerbevereinen im Kreis Vulkaneifel herrschen immer noch Schockstarre, Ratlosigkeit und Existenzangst wegen der andauernden Corona-Krise. Doch es keimen auch Ideen auf.

Der Gewerbeverein GeroTeam Gerolstein hat sehr schnell reagiert. Zunächst sind zehn Gastronomen dem Aufruf von Stadtbürgermeister Uwe Schneider (SPD) gefolgt und sind trotz der Schließungs-Verfügung nicht nach Hause gegangen, sondern haben einen Abhol- und Lieferservice eingerichtet.

Auf der Homepage der Pizzeria Costa Verde wird auf den Service hingewiesen. Zudem steht dort der Appell: „Wir bitten euch: Unterstützt uns fleißig, damit wir Gastronomen auch nach „Corona“ noch für euch da sein können! Alles Gute, bleibt gesund und haltet solidarisch zusammen, euer Costa Verde Team.“

Michael Ikonomou vom griechischen Restaurant Poseidon, der mittags von 11.30 bis 13.30 Uhr und abends von 17 bis 20 Uhr einen Abholservice anbietet, zieht eine erste Bilanz: „Ein wenig läuft, aber wir hoffen natürlich, dass es noch besser wird. Wir sind auf jeden Fall da.“ Der Grund, dass das Angebot noch nicht so wie erwünscht angenommen wird, sieht es darin, dass die „Leute offenbar sehr viel eingekauft haben“. Der geplante Lieferservice sei noch im Aufbau begriffen. Ikonomou sagt: „Ich suche noch Leute.“

Gewerbevereinsvorsitzender Hans-Hermann Grewe berichtet, dass die „erste Schockstarre zwar überwunden ist, aber viele unserer Mitglieder mit sich und ihren Geschäften zu tun haben“. Bislang seien mehrere Maßnahmen ergriffen worden: „Wir haben die Betriebe ermutigt ihre Handynummern in die Schaufenster zu hängen, damit Kunden sie für Bestellungen erreichen können.“

Darüber hinaus hat der Gewerbeverein eine Button- und eine Plakat-Aktion gestartet. Auf den knall-gelben Buttons steht der Spruch „Lächeln statt Händeschütteln“, darüber ist ein Smiley. Grewe sagt: „Damit wollen wir für eine etwas bessere Stimmung sorgen.“ Bei den Plakaten, die in allen Mitgliedsbetreiben aushängen, geht es um mehr: Darauf wird an die Kunden appelliert, Spaßkäufe und solche, die aus Langeweile im Internet getätigt werden, zu unterlassen und dafür bei den Geschäften vor Ort einzukaufen, solbald diese wieder geöffnet sind. Grewe sagt: „Wer braucht jetzt unbedingt eine neue Jeans oder ein Beauty-Produkt?“ Dafür brauchen die einheimischen Händler künftige Einnahmen unbedingt. Grewe: „So hilft man den Händlern und sich selbst. Denn wer will schon in einer Stadt leben, wo es kaum noch Geschäfte gibt?“ Der Aufbau eines Internetshops mit allen Mitgliedsbetrieben sei wünschenswert, „aber so auf die Schnelle nicht aufzubauen“, sagt Grewe.

Das Thema Internetshop ist beim Gewerbe- und Verkehrsvereins (GVV) Daun gerade topaktuell (siehe Extra). Vorsitzende Stefanie Mayer-Augarde berichtet zudem, dass viele Händler trotz Ladenschließung für ihre Kunden da seien. „Jeder hat eine Info mit Telefonnummer im Schaufenster. Ich denke, wenn man etwas braucht, kann man die Betriebe anrufen. Die werden dann versuchen, die Sachen zu bekommen.“ Intern würden gerade sehr viele Informationen untereinander ausgetauscht – etwa, wenn jemand eine Televiewing-Schulung anbiete oder was beim Online-Arbeiten sinnvoll sei. Die Vorsitzende sagt: „Ich denke, dass wir durch die Krise noch stärker zusammenrücken. Und ich gehe fest davon aus, dass künftig jeder eine tolle Homepage haben wird. Denn jetzt haben die meisten Zeit, sich darum intensiv zu kümmern.“

Otto Spodat, Vorsitzender des Gewerbevereins Jünkerath, liegt gerade wegen einer Grippe flach, „ich bin aber auf dem Weg der Besserung“. Im Gewerbeverein gab es noch keine Übereinkunft, wie mit der aktuellen Situation umgegangenen werden könne. Spodat kündigt aber an: „Wir werden uns zeitnah zusammenschließen.“ Für seinen Rewe-Markt ist er dabei, den bestehenden Abholservice für ältere Kunden umzufunktionieren: in einen Lebensmittel-Lieferservice. „Dafür suchen wir aber noch Schüler und Studenten“, sagt er.

Ist nur ein kleiner Beitrag des Gewerbevereins Gerolstein, aber eine gute Idee . Foto: TV/Hans-Hermann Grewe

Rainer Ballmann von der Werbegemeinschaft Hillesheim berichtet, dass die Lage bei den Mitgliedsbetrieben angespannt, der finanzielle Schaden schon jetzt sehr hoch sei und diese schwere Zeit nur durch genügend finanzielle, öffentliche Mittel zu bewältigen sei. Er appelliert: „Besonders jetzt ist es wichtig, die Bevölkerung zu sensibilisieren, noch stärker die hiesigen Geschäfte zu besuchen und unterstützen – sobald wieder die Möglichkeit besteht. Leute, kauft vor Ort! Nur so besteht die Hoffnung, in den kommenden Jahren nicht vor leeren Innenstädten zu stehen.“

Alle Gewerbevereinsvorsitzenden weisen darauf hin, dass ein düsteres Zukunftsszenario drohe, wenn nicht gegengesteuert werde – von öffentlicher Seite und den Kunden: Innenstädte mit leeren, zugeklebten Schaufenstern, leerstehende Restaurants und Hotels, Orte, in denen dann kaum noch jemand im Urlaub wohnen oder dort Urlaub machen wollte. Und viele Menschen, die ihren Job verloren haben.