Giora Feidman spielt für den Frieden
Daun · Giora Feidman hat bei Klassik auf dem Vulkan rund 550 Besucher begeistert. Zusammen mit dem Gershwin-Quartett hat der Weltklasse-Klarinettist auf der Bühne am Gemündener Maar ein Programm von traditioneller jiddischer Klezmermusik bis zu Jazz präsentiert.
Daun. "Ich fliege von Tel Aviv nach Frankfurt, komme hierher, und es ist wie ein anderer Planet", sagt Giora Feidman vor dem Konzert am Gemündener Maar. Auf der Bühne erklärt er dann, warum das so ist - wegen der kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Israelis und Palästinesern im Gaza-Streifen. "Ich komme gerade aus Israel, lebe dort seit 56 Jahren. Es gibt keine Worte zu beschreiben, wie es dort gerade ist - schrecklich", sagt er.
Und so beschreibt Feidmann die Sehnsucht nach Frieden auf seine Art - durch die Musik. Er lässt seine Klarinette singen, weinen, schluchzen oder lachen.
"Ich will mit Ihnen diesen Moment teilen", sagt Feidman und startet das Konzert mit "What a wonderful World" von Louis Armstrong. "Mir sind schon da die Augen feucht geworden", sagt eine Besucherin. Und so geht es vielen während des Konzerts, egal ob sie neben der Bühne sitzen oder auf der Liegewiese ihre Decken ausgebreitet haben. Feidman steht spürbar unter dem Eindruck des Krieges in seiner Heimat: "Warum gebrauchen Menschen bis heute das gegenseitige Töten als Lösung von Problemen?", fragt er und sagt weiter: "Ich würde die Israelis und Palästinenser gerne hierher einladen, damit sie sehen, wir sind eine Mischpoke, die Juden und die Deutschen."
Drei Hymnen
Auch musikalisch sucht er die Aussöhnung der Völker, mischt die deutsche Nationalhymne mit denen aus Israel und Palästina: "Ich nehme die deutsche Hymne, weil ich dieses Land liebe, die israelische, weil wir damit 2000 Jahre zurückkommen, und die palästinensische, weil sie meine Brüder sind."
Feidman ist 1936 in Argentinien geboren. Auf seine südamerikanischen Wurzeln geht er ein mit der Interpretation von Gracias a La Vida (Danke an das Leben) der chilenischen Sängerin Violeta Parra. Mit dem Gershwin-Quartett - Natalia Raithel (Violine), Juri Gilbo (Viola) und Kira Kraftzoff (Cello) - spielt Feidman auf der Bühne. Ein perfektes Zusammenspiel von Klarinette und Streichern lässt die Besucher mal träumen, mal mitsummen. Das Konzert endet nach rund zweieinhalb Stunden.