Gläubiger der Jünkerather Giesserei Ergocast stimmen Insolvenzplan zu

Wirtschaft : Gläubiger geben grünes Licht

Zehn Monate, nachdem die Jünkerather Gießerei Ergocast ein Insolvenzverfahren in Eigenregie angemeldet hatte, scheint das Fortbestehen nach vielen Einschnitten gesichert.

Im Oktober vergangenen Jahres leitete die Jünkerather Gießerei Ergocast ein Insolvenzverfahren in Eigenregie ein (der TV berichtete; siehe Info). Nach knapp zehn Monaten scheint das Traditionsunternehmen langsam wieder in sicheres Fahrwasser zu kommen. Wie das Unternehmen nun mitteilt, sei das Ende des Insolvenzverfahrens greifbar nahe. Bei einem Termin am Bitburger Amtsgericht haben alle anwesenden Gläubiger dem vorgestellten Insolvenzplan einstimmig zugestimmt. Sollten bis Donnerstag, 21. Juni, keine weiteren Gläubiger rechtliche Einwände erheben, kann das Insolvenzverfahren zum Ende des Monats eingestellt werden.

Bevor der Plan beim Amtsgericht vorgestellt wurde, hat bereits der Gläubigerausschuss zugestimmt. Geschäftsführer Karl Andermahr setzt darauf, dass nun keine Einwände erhoben werden. „Sobald der Insolvenzplan rechtskräftig ist, kann die Ergocast Guss durchstarten, denn wir haben seit dem Antrag auf Eigenverwaltung die Restrukturierungsmaßnahmen entschlossen umgesetzt und das Unternehmen für die Zukunft robust und solide aufgestellt“, sagt er.

Gemeinsam mit seinem Mitgeschäftsführer Norbert Lüling setzte Andermahr einschneidende Umstrukturierungen um. Sie fußen auf einem Insolvenzplan, der für Ergocast Guss von der Kanzlei Runkel Schneider Weber und der Unternehmensberatung Mentor entwickelt wurde.

Verschiedene Veränderungen im Unternehmen sollen dabei helfen, Ergocast Guss in einem hart umkämpften Markt wieder wettbewerbsfähig aufzustellen. In einer Pressemeldung wird unter anderem davon gesprochen, dass mit allen Kunden individuelle Preisanpassungen abgesprochen worden seien. Zudem habe man die Produktpalette nach wirtschaftlichen Aspekten bereinigt und „Verlustbringer konsequent aussortiert“. Auch die Gründung der 100-prozentigen Tochter Ergocast Service resultiert aus dem nun angenommenen Insolvenzplan. In Zusammenarbeit mit der IG Metall wurde eine Betriebsvereinbarung getroffen, die beinhaltet, dass die 60 Mitarbeiter der Ergocast Service auch vom Betriebsrat der Ergocast Guss vertreten werden.

Als Grund für die Schieflage nennt die Geschäftsführung in einer Mitteilung wirtschaftliche Entwicklungen: „Vor dem Insolvenzantrag hatte der stark rückläufige Bedarf an Gussteilen für Gas- und Dampfturbinen bei der Ergocast Guss zu einem Ergebniseinbruch geführt.“ Zwar habe das Management in den vergangenen Jahren neue Aufträge für Gussteile akquirieren können, der hohe Wettbewerb unter den Gießereien und die großen Überkapazitäten hätten zu einem „ruinösen Preisverfall geführt“.

Wie Andermahr in einem Gespräch mit dem TV Ende April bereits anmerkte, sei eine personelle Neuausrichtung des Unternehmens angesichts der Umstrukturierungen nicht vermeidbar gewesen. Während der Bereich Kraftwerkbau geschrumpft sei, wachse das Feld Instandhaltung. So sei es zu einer Diskrepanz zwischen Stellenstreichungen und Neuausschreibungen gekommen, die aber, so erklärte der Mitgeschäftsführer damals, auf den Umbau des Unternehmens zurückzuführen seien.

Von rund 200 Mitarbeitern wurden 31 bereits zum Anfang April an eine Transfergesellschaft übergeben. Hier sollen sie auf „den Übergang in neue Arbeitsverhältnisse vorbereitet und an mögliche neue Arbeitgeber vermittelt werden“. Acht Mitarbeitern wiederum musste die Kündigung ausgesprochen werden. Das Unternehmen teilt mit, dass der Personalabbau mit Bildung der Transfergesellschaft beendet sei. „Unser besonderer Dank gilt den Mitarbeitern, die Ergocast in der schwierigen Phase unterstützt und damit einen wesentlichen Teil zu der Gesundung beigetragen haben“, sagt Andermahr. Mit der IG Metall seien Ergänzungstarifverträge geschlossen worden, „bei denen die Mitarbeiter dem Unternehmen entgegenkommen und bereit sind, gewisse Mehrstunden ohne Bezahlung zu leisten“. Rechtsanwalt Jörg A. Wunderlich, Sachwalter von Ergocast Guss, hofft, dass die Gießerei ab Juli wieder normal arbeiten kann. „Wir sind auf der Zielgeraden und gehen davon aus, dass auf den letzten Metern keine Rechtsmittel mehr gegen den Insolvenzplan eingereicht werden“, sagt er.

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