Glanzlichter des Bücherherbstes

Glanzlichter des Bücherherbstes

Der aus Daun stammende Kulturredakteur Christoph Schmitz aus Köln hat beim Literaturcafé des Kulturkreises im Forum Daun elf literarische Höhepunkte vorgestellt. Seinen mit Empfehlungen und Zitaten gespickten Rundgang durch den Bücherherbst 2010 verfolgten etwa 100 Besucher.

Christoph Schmitz präsentierte den Literaturfreunden zunächst Deutschland-Bilder. "Wie wenn man durch eine Gemäldegalerie von Porträt zu Porträt schreitet", sagte er über Martin Mosebachs neues Buch "Was davor geschah".

Um Welterfahrungen in der Wetterau vor 40 Jahren geht es in "Das Zimmer" von Andreas Maier. Manchmal werde man aus Büchern einfach nicht schlau, kommentierte Christoph Schmitz den "Roman unserer Kindheit" von Georg Klein. "Wir Leser werden gut unterhalten und gleichermaßen veräppelt ", meinte der Journalist und bezeichnete das Werk als "andeutungsextrem". Mit "Was zusammengehört" habe Markus Feldenkirchen einen brillanten Debütroman geschrieben, interessant und rührend, weltgeschichtlich und privat das Jahr 1989 beleuchtend, mit einem Protagonisten, der ein schweres Konto und ein schweres Herz habe. Mitleid und Befremden erwecke Thomas Hettches Roman "Die Liebe der Väter", der im heutigen Deutschland spiele und das Porträt eines zunehmend verstörten Mannes zeichne.

Im zweiten Teil widmete sich Christoph Schmitz der Migrantenszene, schwärmte vom rhythmischen Geplauder im Roman "Tauben fliegen auf" von Melinda Nadj Abonji, die mit der Stimme einer jungen Frau spreche, die als Fünfjährige vom Balkan in die Schweiz gekommen sei. Bescheiden daherkommend, den Leser mit einer Geschichte vom Erwachsenwerden im Irland der 50er Jahre in den Bann schlagend: "So ist Brooklyn von Colm Tóibin", sagte Schmitz und bescheinigte dem Buch "Drei starke Frauen" von Marie Ndiaye einen "präzisen ausbalancierten Stil".

Packend und eigenwillig sei die Geschichte einer deutsch-russischen Liebesbeziehung von Olga Martynova ("Sogar Papageien überleben uns").

Wer Vögel beobachtet, tue nichts Böses: Mit dieser Erkenntnis leitete Schmitz den den "verzweifelten Staaten von Amerika" gewidmeten Teil ein und beschrieb David Foster Wallace' "Unendlicher Spaß" - "ein dramatisches, komisches, stellenweise aggressives Buch über die schmerzhafte Entwicklung der Welt". Die facettenreiche Arbeit des in Daun geborenen Kulturredakteurs Roy Coppack hatte Schmitz zu Beginn der Veranstaltung gewürdigt.