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Glocken werden auch weiterhin in Brockscheid gegossen

Historisches Handwerk in Brockscheid : Neuer Besitzer hat ein Herz fürs Glockengießen

Der neue Besitzer der Brockscheider Hallen will die Tradition des Glockengusses ebenso wie die touristische Nutzung erhalten.

Mit Trauer hatten viele Eifeler auf die Insolvenz einer der letzten deutschen Glockengießereien reagiert (der TV berichtete). Es schien, als sei damit auch eine 400-jährige Tradition beendet und Meisterin Cornelia Mark-Maas sowie ihr Sohn Julius Maas die letzten Glockengießer einer seit 1620 nachweisbaren Berufsdynastie.

Damals zog man noch von Gemeinde zu Gemeinde und goss an Ort und Stelle die Glocken. Seit 1840 hatte die Firma ihren Sitz fest in Brockscheid und hat das 200-Einwohner-Dorf in der Verbandsgemeinde Daun weithin bekannt gemacht, denn Glocken von dort erklingen weltweit.

Bis zuletzt hatte Insolvenzverwalter Manfred Kürsch aus Adenau nach einer Möglichkeit gesucht, den Betrieb aufrechtzuerhalten. Und wie sich nun herausstellt: Seine Bemühungen waren erfolgreich, wenngleich es künftig nicht allein der Glockenguss sein wird, mit dem die Hallen gefüllt sind.

Die Rettung kommt aus der Region in Form der SB Agrar- und Forsttechnik GmbH. SB steht für Stefan Burgard, der das Unternehmen führt. Sein Handelsunternehmen ist in einer ehemaligen Getränkehalle im benachbarten Gillenfeld ansässig und braucht für die Lagerung von großen Forstgeräten sowie für Büros mehr Platz an einem nahen Standort, der zugleich gute Verkehrsanbindung an die Autobahn hat. Denn beim Händler für Traktoren, Mulcher, Holzspalter, Sägen oder Rückewagen gehen viele Maschinen raus: etwa vier bis fünf Sattelzüge pro Woche mit insgesamt achtzig Paletten. Geliefert wird nach ganz Deutschland und in mehrere west- und mitteleuropäische Länder. „Der Bedarf hat sich deutlich erhöht“, sagt Geschäftsführer Stefan Burgard.

So kommt mittelbar der Klimawandel mit den einhergehenden Veränderungen in den Forsten der Glockengießerei zu Hilfe. Das Geschäftsfeld Maschinenvertrieb mit rund 6,5 Millionen Euro Umsatz pro Jahr und derzeit zwölf Beschäftigten ist in der Lage, am Standort Brockscheid in einem Teil der dortigen Immobilie die Gießerei als zweites Geschäftsfeld zu stützen.

„Julius Maas wird das in kleinerem Rahmen weiterführen“, sagt Burgard. Der andere Teil – dort, wo Glockenstühle hergestellt wurden – wird umfunktioniert als Lager und Verwaltungstrakt.

Burgard verrät sein Motiv für diese recht ungewöhnliche Verbindung aus Forstgerätehandel und Glockengusstradition: „Mein Bruder und ich stammen aus Kennfus bei Bad Bertrich, wir fühlen uns ganz eng mit unserer Heimat verwurzelt.“

Insgesamt ein sechsstelliger Betrag wird investiert, denn auch eine andere Nutzung soll bleiben: „Wir wollen mit einem Café den touristischen Zugang zur Glockengießerei bewahren. Sie ist doch ein Highlight am Maare-Mosel-Radweg, so was kann man nicht aufgeben.“

Aber der alte baufällige Gastronomietrakt muss dafür abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. Anfang 2021, so seine Prognose, wird man erste bauliche Fortschritte sehen können.