Gesundheitsversorgung VG-Rat Gerolstein fordert Krankenhauserhalt

Gerolstein · Nach der Ankündigung der Marienhaus-Trägergesellschaft, die Innere im Krankenhaus Gerolstein am 31. März zu schließen, regt sich auch von politischer Seite massiver Protest.

 Künftig weitere Fahrten für Patienten sind programmiert: Im Krankenhaus Gerolstein schließt zum 31. März nun auch die Innere. Dagegen regt sich massiver Protest. Der Verbandsgemeinderat Gerolstein fordert den Erhalt der Klinik als medizinische Grundversorgungseinrichtung.

Künftig weitere Fahrten für Patienten sind programmiert: Im Krankenhaus Gerolstein schließt zum 31. März nun auch die Innere. Dagegen regt sich massiver Protest. Der Verbandsgemeinderat Gerolstein fordert den Erhalt der Klinik als medizinische Grundversorgungseinrichtung.

Foto: TV/Mario Hübner

Von Mario Hübner

Gerolstein Knapp drei Wochen ist es nun her, dass die Marienhaus-Gruppe als Träger des Gerolsteiner Krankenhauses angekündigt hat, das medizinische Angebot weiter massiv auszudünnen und zum 1. April dieses Jahres nun auch die Innere Abteilung dichtzumachen – nach Schließung der Geburtshilfe 2013 und der Chirurgischen Hauptabteilung Ende 2020. Bei den 75 Fachkräften, die direkt davon betroffen und bereits auf der Suche nach einer neuen Arbeitsstelle in anderen Abteilungen oder in anderen Häusern sind, sitzten Schock und Frust noch immer tief. Und auch bei den politischen Verantwortungsträgern des Gerolsteiner Landes ist der Ärger über die Management-Entscheidung aus Waldbreitbach groß. Doch was tun?

Der Rat der Verbandsgemeinde (VG) Gerolstein fordert unter anderem von der Landesregierung den Erhalt des Krankenhauses Gerolstein als Grundversorgungseinrichtung und hat nun einstimmig eine Resolution verabschiedet. Darin heißt es: „Auch nach den Resolutionen des VG-Rats vom 12. März 2020 und vom 15. Februar 2021 beobachten die Verbandsgemeinde Gerolstein, die beiden Städte Gerolstein und Hillesheim und die Menschen in unseren 36 Ortsgemeinden weiterhin mit großer Sorge die aktuelle Entwicklung des Krankenhauses in Gerolstein.“

Nach den Schließungen der Geburtshilfestation 2013 und der stationäre Chirurgie Ende 2020 und dem nun angekündigten Aus auch für die Innere zum 31. März 2023 ist für den VG-Rat klar: „Der Standort in Gerolstein wurde von der Marienhaus-Gruppe in den vergangenen Jahren zugunsten des Standortes in Bitburg immer weiter geschwächt, indem Ärzte und medizinischen Fachpersonal vorrangig in Bitburg eingesetzt und Leistungen in Gerolstein reduziert worden sind. Darüber hinaus hat die wirkliche Bereitschaft der Marienhaus-Gruppe zur Kooperation mit dem Krankenhaus eines anderen Trägers in Daun gefehlt. Damit ist die aktuelle Situation nicht nur dem Wettbewerbsdruck von außen geschuldet, sondern in wesentlichen Teilen auch hausgemacht.“

Die Kürzungen stellten für die Region Gerolstein eine „nicht hinnehmbare Gefahr der gesundheitlichen Versorgung der Menschen“ dar. Der Verweis auf die Einrichtungen und medizinischen Angebote von anderen Krankenhäusern in Daun, Wittlich, Mechernich, Prüm und Bitburg ersetze nicht das Leistungsangebot vor Ort. Hinzu komme, dass die Marienhaus GmbH zum 31. März auch das Krankenhaus in Adenau schließen will, das bisher der Grundversorgung vieler Bürger und Bürgerinnen aus dem nördlichen Teil der VG Gerolstein diente.

Lange Fahrstrecken, überfüllte Ambulanzen, verschobene Operationen, fehlendes Personal, lange Wartezeiten und sehr beengte Raumverhältnisse in den umliegenden Krankenhäusern: Diese Situation wird sich nach Einschätzung der Politiker des Gerolsteiner Landes weiter verschärfen, „während in Gerolstein gut ausgestattete und eingerichtete Behandlungsräume und Zimmer leer stehen und Fachpersonal gehen muss“.

Mit dem Wegfall der Grundversorgung in Gerolstein müssten mehr als 30.000 Menschen aus der VG längere Fahrzeiten in Kauf nehmen. Für rund 5.000 Menschen im Einzugsbereich des Krankenhauses Gerolstein ist die gesetzliche Garantie, dass in maximal 30 Minuten Pkw-Fahrstrecke das nächste Krankenhaus der Grundversorgung erreicht wird, gefährdet. Eine Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse sowie die medizinischen Gesundheitsversorgung seien so nicht mehr gegeben. Die Menschen im Gerolsteiner Land würden damit zu Patienten zweiter Klasse.

Die VG Gerolstein sieht neben dem Krankenhausträger auch die Landes- und Bundesregierung in der Pflicht, da die Krankenhausinvestitionsförderung und vor allem die Krankenhausplanung in deren Zuständigkeit fielen. Die Entwicklung sei exemplarisch und verdeutliche, dass die Bemühungen von Landes- und Bundesregierung zum Erhalt kleinerer Krankenhausstandorte nicht ausreichend seien und dringend verstärkt werden müssten. Der VG-Rat fordert: „Um eine wohnortnahe stationäre Versorgung zu sichern, ist kurzfristig ein Soforthilfeprogramm für Krankenhäuser erforderlich.“

Die Situation am Krankenhausstandort Gerolstein zeige zudem, dass langfristig eine umfassende Krankenhausreform notwendig sei. Ziel dieser müsse es sein, Doppelstrukturen in Ballungsräumen zu beseitigen und zugleich eine flächendeckende, wohnortnahe Versorgung aufrechtzuerhalten. Die Einführung einer Vorhaltepauschale würde es ermöglichen, Krankenhäuser, die für die wohnortnahe Versorgung wichtig seien, wirtschaftlich zu stärken. Davon würden insbesondere Krankenhäuser in ländlichen Regionen profitieren.

Der VG-Rat fordert daher von der Landesregierung, den Erhalt des Krankenhauses Gerolstein als Grundversorgungseinrichtung in seinem jetzigen Bestand zu sichern. In der Resolution heißt es: „Darunter verstehen wir den Erhalt der Inneren Abteilung, Intensivbetten, chirurgischen Ambulanz und Psychiatrischen Fachabteilung.“ Die Finanzierung könne langfristig mit der vom Bundesgesundheitsministerium angekündigten Krankenhausreform und der damit einhergehenden neuen Vergütungs- und Planungsstruktur sichergestellt werden.

Darüber hinaus sei die dauerhafte Sicherung des Notarztstandortes in Gerolstein und der Rettungswachen in Jünkerath und Walsdorf für das Gerolsteiner Land unverzichtbar. Denn: Nach den Schließungen in Gerolstein und Adenau würden auch Ärzte fehlen, die als Notärzte im Rettungsdienst tätig waren. Rechnerisch fehle künftig auch die Kapazität von über 100 Patientenbetten, die kurzfristig in den umliegenden Krankenhäusern nicht aufgebaut werden könne. Dies führe zu noch längeren Transportwegen und Transportzeiten für Patienten, Rettungsdienst und Notärzte.

Der VG-Rat fordert darüber hinaus die Kreisverwaltung Vulkaneifel auf, das Gesundheitskonzept des Landkreises weiterzuentwickeln, um eine wohnortnahe Gesundheitsversorgung und den Aufbau eines regionalen Gesundheitsnetzwerks voranzutreiben.

Der Stadtrat von Gerolstein, der am 15. März das nächste Mal zusammenkommt, will ebenfalls eine Resolutionen zum Erhalt des Krankenhauses in Gerolstein als medizinische Grundversorgungseinrichtung verabschieden.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort