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Grobe Stollen, schöne Touren, volle Kassen

Grobe Stollen, schöne Touren, volle Kassen

Der Boom hält an: Mountainbiker gehören zur Vulkaneifel und sind ein Wirtschaftsfaktor: Ihren Umsatz beziffern Touristiker auf jährlich 500 000 bis 750 000 Euro. Tendenz steigend. Das liegt am Vulkanbike-Rennen im September mit weit über 1000 Teilnehmern sowie am Trailpark Vulkaneifel allgemein. Der ist mit 750 Kilometern ausgeschilderten Wegen der größte seiner Art in Deutschland und zieht immer mehr Gäste aus dem In- und Ausland an.

Daun/Gerolstein. "Ich komme auf jeden Fall noch mal in die Vulkaneifel zum Mountainbiken. Das war genial: tolle Touren, coole Landschaft und richtig was gelernt", sagt Felix Artischewski aus Frankfurt, der bei MTB-Trainer Wolfgang Kubanek einen Fahrtechnik-Kurs absolviert hat. Auch Teilnehmerin Melanie Tollkühn ist zufrieden: "Das hat echt Spaß gemacht und vor allem: Ich habe mein Rad jetzt viel besser unter Kontrolle und traue mich, nun auch Treppen zu fahren." Auch Uwe Severin aus Euskirchen outet sich als potenzieller "Wiederholungstäter": "Das war super. Ich habe wichtige Basics gelernt und konnte so einige Ängste abbauen. Und für die Qual hier in der Vulkaneifel mit ihren knackigen Anstiegen wird man mit herrlichen Aussichten belohnt. Ich komme auf jeden Fall noch mal mit einigen Kumpels her."Radeln auf dem Vulkan

Das ist das, was die Trainer und Touristiker am liebsten hören. Und so gibt Kubanek seinen Kurzzeit-Schützlingen mit auf den Weg: "Macht Kilometer und gute Touren." Und wo ginge das besser als im Trailpark Vulkaneifel, der 2007 eröffnet wurde. Dort stehen den Offroad-Radlern auf einer Fläche von 500 Quadratkilometern in den Verbandsgemeinden Daun, Gerolstein, Kelberg, Wittlich-Land und Ulmen 750 Kilometer ausgeschilderter Strecken zur Verfügung - und insgesamt 17 500 Höhenmeter. Auch wenn sich die Touristiker schwertun mit Zahlen zum Umsatz und zu Gästen, gehen sie doch 2015 von einer weiteren Steigerung gegenüber dem Vorjahr aus. So sagt Hans Peter Böffgen, Geschäftsführer der Tourismus- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft (TW) Gerolsteiner Land, die sich seit 2013 um die Vermarktung des Trailparks kümmert: "Auf dem Online-Tourentool des Trailparks wurden 2015 knapp 50 000 individuelle Touren zusammengestellt. 2014 waren es rund 40 000. Eine deutliche Steigerung. Wenn auch nur die Hälfte dieser Leute tatsächlich in der Vulkaneifel gefahren sind, gehen wir von einem Jahresumsatz von 450 000 Euro aus." Statistisch sind das rund 180 individuelle Touren täglich, wenn man von rund 250 Tagen ausgeht, an denen im Jahr tatsächlich gefahren wird. Und: 2015 wurden rund 700 Trailpark-Karten verkauft, in etwa so viele wie im Jahr zuvor. Ein weiteres Indiz für eine Steigerung: An den vom Trailpark selbst angebotenen Touren haben im vergangenen Jahr 545 Gäste teilgenommen - 400 Tages- und 145 Übernachtungsgäste. Sie haben - statistisch betrachtet - knapp 20 000 Euro Umsatz gebracht. 2014 waren es 520 Gäste.Hinzu kommen die zahlreichen Touren- und Lehrgangspakete der privaten Anbieter wie MTB X-Pert aus Ulmen, Traumtrails-Eifel aus Dreis-Brück, den Vulkanbikern Daun oder Eifelbike in Manderscheid. Auch deren Kunden lassen Geld in der Region. Nach Auskunft der Touristiker bucht "der überwiegende Teil der Gäste unmittelbar über die privaten Anbieter oder ist auf eigene Faust im Trailpark unterwegs".Größtes Zugpferd und mit Abstand stärkster Umsatzbringer mit rund 250 000 Euro ist aber nach wie vor der Vulkanbike am ersten Septemberwochenende: Bei den verschiedenen Rennen sind 2015 exakt 1329 Teilnehmer ins Ziel gekommen. Das Rennwochenende als besonderes Erlebnis für die Teilnehmer und Zuschauer ist das eine, der Werbeeffekt das andere. "Viele Mountainbiker kommen zum Vulkanbike zum ersten Mal in die Vulkaneifel, verlieben sich in die einzigartige Landschaft und kommen allein, mit der Familie oder Freunden wieder", beschreibt Böffgen den Positiveffekt. Geschätzt 750 000 Euro Umsatz

In der Summe von Vulkanbike, Trailpark-Veranstaltungen, geführten und individuellen Touren schätzen die Touristiker den Gesamtumsatz der Mountainbiker auf jährlich rund eine Dreiviertelmillion Euro. Demgegenüber stehen Kosten für den Trailpark von jährlich 50 000 Euro für Trailpark-Personal, Material, die Unterhaltung der Strecken sowie die Bewerbung des Trailparks. Beschäftigt sind der Ranger Herbert Michels mit einer halben sowie eine Verwaltungskraft mit einer fünftel Stelle. Das Vulkanbike-Wochenende kostet rund 80 000 Euro, die aus den Start- und Sponsorengeldern finanziert werden.Doch während man im Trailpark kurz vor dem Start in die neue Saison steht und das Programm auch bereits steht, geht es in diesem Jahr noch um mehr. Denn die vertraglichen Vereinbarungen mit den am Trailpark beteiligten Verbandsgemeinden laufen zum Jahresende aus. Konkret wird daran gearbeitet, ein Zukunftskonzept für die nächsten fünf Jahre zu beschließen. Meinung

Weitere Attraktionen sind nötigDer Trailpark Vulkaneifel setzt seit Jahren Maßstäbe im Mountainbikesport in Deutschland: Er hat mit 750 Kilometern das bundesweit größte beschilderte Streckennetz seiner Art, das durch eine einzigartig schöne Landschaft führt und somit für viele Hobby- und Genussradler eine prima Adresse ist. Dank 17 500 Höhenmetern bietet er aber auch sportlich ambitionierten Fahrern reichlich Herausforderung und hat mit dem Vulkanbike-Eifel-Marathon im September einen Magneten, der immer wieder auch neue Fahrer in die Vulkaneifel lockt. Das ist gut. Und doch kein Selbstläufer! Denn viele andere Regionen Deutschlands buhlen inzwischen um die steigende Zahl der Mountainbiker - mit modernen Bikeparks und starken Erlebnisrouten. Und dafür wird mächtig investiert, weil das steigende Potenzial der Sportart erkannt wird. Das beste Beispiel ist der geplante MTB-Park am Idarkopf mitten im Naturpark Hunsrück-Hochwald. Im zehnten Jahr des Bestehens des Trailparks Vulkaneifel ist es daher an der Zeit, mit zusätzlichen Angeboten die Attraktivität zu steigern, um eine der Top-Adressen für den MTB-Sport in Deutschland zu bleiben. Zu nennen wären: das bestehende Streckennetz, das weitgehend über breite Wege verläuft, um neue und technisch anspruchsvolle Routen (Single-Trails) zu erweitern. Den Technik-Parcours in der Koulshore aufzupeppen, was für dieses Jahr geplant ist und auch dringend realisiert werden sollte. Der Kracher wäre natürlich der Bau einer Freeride- oder Downhillstrecke. Eventuell am Mäuseberg bis runter zum Gasthaus an den Maaren. Dann könnte vielleicht auch der Skilift das gesamte Jahr über genutzt werden. Auf jeden Fall wäre der Trailpark Vulkaneifel damit um eine Attraktion reicher, die neue Interessengruppen anlocken würde. Na klar kostet das alles Geld. Investitionen sind aber dringend erforderlich, um weiter vom MTB-Boom zu profitieren. Und in der Vulkaneifel können sie auf Basis der bekannten Marke Trailpark Vulkaneifel getätigt werden. Noch hat die Region einen Vorsprung. m.huebner@volksfreund.de Veranstaltungen:

Extra

Veranstaltungen: Die Verantwortlichen des Trailparks wollen von Mai bis Oktober in jedem Monat eine Veranstaltung anbieten: Die offizielle Trailpark-Saisoneröffnung ist am Samstag, 16. April in der Koulshore in Üdersdorf-Trittscheid. Im Mai wird es erstmals eine geführte, anstrengende und technisch anspruchsvolle Tour ("Be a Trailstar") geben, im Juni einen mehrtägigen Eifelcross für sportliche Fahrer, im Juli einen Trailpark-Familientag in Üdersdorf, im August ein Vulkan-Wochenende mit dem Bike und einem Geologen, am 10. September den Vulkanbike-Eifel-Marathon und im Oktober wieder einen Halloween-MTB-Saisonabschluss in Üdersdorf. Kooperationen: Fortgesetzt wird die Zusammenarbeit mit dem Marketingbüro Inmedia von Markus Appelman, der den Vulkanbike organisiert. Zudem sollen die bestehenden Kooperationen mit den privaten Anbietern/Guides von MTB X-Pert, Traum Trails Eifel und den Vulkanbikern Daun fortgesetzt werden. Neuerungen: Neben den neuen Veranstaltungen ("Be a Trailstar", Eifelcross, Vulkan-Wochenende) sollen in diesem Jahr die großen TrailPark-Einstiegstafeln an 20 Standorten aktualisiert und teilweise an neuen Standorten installiert werden. In Zusammenarbeit mit den Vulkanbikern, der VG Daun und der Kommune soll der Technik-Parcours in der Koulshore in Üdersdorf-Trittscheid um einen Buckelpisten-Rundkurs mit Steilkurven ("Pump-Track-Strecke") erweitert werden. Zudem ist geplant, den Einstiegs-Technik-Parcours am Sportplatz in Üdersdorf mit der anspruchsvollen Koulshore künftig stärker in Kombination anzubieten, damit ein breiteres Spektrum an Fahrern angesprochen werden kann. mh Extra

Gregor Mainzer (MTB-X-Pert; Ulmen): Meine Wünsche für die Zukunft im Trailpark sind, dass sich bei allen in der Tourismusbranche Tätigen die Erkenntnis durchsetzt, dass das Mountainbiken in der Vulkaneifel ein wichtiger Bestandteil des touristischen Vermarktungskonzepts ist. Zudem müssen die Mountainbikestrecken erweitert und ausgebaut werden: ausgewiesene Singletrail-Touren, kleine Flowtrails, Erweiterung der Koulshore. Wolfgang Kreutz (Eifelrider Darscheid): Wir planen gerade eine MTB-Schüler-Kreismeisterschaft. So soll das Mountainbiken fest im Schulbetrieb verankert werden. Gut ist auch, dass beim Vulkanbike Jugendwertungen bestehen. Leider gibt es die Bike-Night nicht mehr, die für Jugendliche viel geboten hat. Der Trailpark ist für uns ebenfalls wichtig, da er den Technikparcours Koulshore unterhält - und der ist für uns immer eine Reise wert. Uli Heinrichs (Vulkanbiker Daun): Unsere Wünsche sind: eine bessere Zusammenarbeit und ein besserer Informationsaustausch mit den zuständigen Touristikern und Behörden. Die Bereitstellung von Geldern, um den dringenden Weiterausbau des Streckennetzes und besonders des Koulshore realisieren zu können. Schließlich sind wir Vulkanbiker Paten über die Koul! Horst Schmitt (MTB-X-Pert, Üdersdorf): Dem Trailpark wünsche ich, dass er weiterhin in dieser Form bestehen bleibt, sich um das ausgeschilderte Wegenetz so wie bisher gekümmert wird und er bei zukünftigen Naturschutzprojekten von Anfang an mit berücksichtigt wird. Es wäre schön, wenn bei der Streckenführung die ein oder andere Asphaltpassage durch einen Trail oder einen unbefestigten Weg ersetzt würde. Grundsätzlich wünsche ich mir, dass alle, die hier in der Natur unterwegs sind, egal ob mit dem Bike, zu Fuß, im Geländewagen, weiterhin respektvoll miteinander umgehen. mh