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Große Gemeinschaft im kleinen Dorf

Dorfleben : Große Gemeinschaft im kleinen Dorf

Zusammen lässt sich viel erreichen – wenn alle Generationen mit anpacken, sogar noch mehr. Bolsdorf zeigt, wie es geht.

Die Lage ist ideal. Inmitten von grünen Wiesen und Hügeln mit Wäldern liegt Bolsdorf in einem kleinen Tal. 220 Einwohner leben hier. Insbesondere junge Familien zieht es in den kleinen Ort. 23 Prozent der Bewohner sind unter zwölf Jahre alt. Nur wenige Minuten Fahrtzeit entfernt liegen Hillesheim und Gerolstein als größere Städte, die alles Wichtige bieten. Und genau in der Mitte zwischen Köln und Trier winkt sogar das Großstadt-Angebot.

Es ist also alles da, was man für ein angenehmes Dorfleben braucht, das es an nichts fehlen lässt. Und vor allem die Gemeinschaft wird hier großgeschrieben. „Über WhatsApp haben wir eine Männer- und eine Frauengruppe“, erzählt Janina Michels. Da seien fast alle aus Bolsdorf drin. Junge Mütter wie sie selbst könnten sich zudem über eine eigene Gruppe zu Spielenachmittagen verabreden oder sich gemeinsam unterstützen.

Wie stark man sich einbringt, ist jedem selbst überlassen. „Wir freuen uns über jeden, der mithilft und sich in die Gemeinschaft integriert, können aber auch verstehen, wenn jemand lieber seine Ruhe haben möchte“, erklärt Ortsvorsteher Rainer Cornesse. Hier merkt man schon: Das Band ist eng, aber nicht zuschnürend.

Denn wenn in Bolsdorf etwas ansteht, packen viele mit an. Etwa beim gerade fertig gestellten Projekt etwas abseits des Dorfes. Hier, den steilen Hügel hinauf Richtung Nordwesten haben alle Generationen mit angepackt: Jüngst hat die Seniorengruppe der Feuerwehr mit einigen weiteren Helfern eine bequeme Holzbank der Westeifel-Werke installiert. Halb liegend, halb sitzend hat hier eine Familie locker Platz und kann den Ausblick auf Bolsdorf genießen. Gefördert wurde das ehrenamtliche Kleinprojekt vom europäischen Leader-Programm mit 1500 Euro für die Liegebank. 

 Erste Äpfel wachsen schon an den jungen Bäumen.
Erste Äpfel wachsen schon an den jungen Bäumen. Foto: Julia Nemesheimer

Entlang des Weges stehen junge Obstbäume. Erste Äpfel tragen manche schon, aber alle tragen kleine Holztäfelchen mit eingravierten Namen und Geburtsdaten: Alle Kinder unter fünf Jahren bekommen hier seit diesem Frühjahr einen Obstbaum gespendet. Die ersten zwölf wurden in einer gemeinsamen Aktion von Eltern, Senioren und mit tatkräftiger Mithilfe der Kleinsten gepflanzt. „Dieses Jahr kommen noch drei neue Babys und damit auch Bäume dazu!“, freut sich Josefine Engeln. Die ehemalige Ortsvorsteherin hilft ihrem Nachfolger tatkräftig, Teamwork eben.

 Alt und Jung beim Obstbaumpflanzen.
Alt und Jung beim Obstbaumpflanzen. Foto: Josephine Engeln

Ein weiteres Projekt, an dem die Dorfgemeinschaft mit anpackt: ein Mehrgenerationenspielplatz. Der entsteht in der Dorfmitte auf dem Platz des alten Spielplatzes. „Uns ist es wichtig, dass alle Altersklassen hier eine Anlaufstelle haben“, sagt Cornesse. Daher wird die Fläche gerade neu gestaltet, alte Spielgeräte werden restauriert oder durch neuere ersetzt. „Da haben wir noch viel Arbeit vor uns“, sagt Cornesse lachend. Wie seine Vorgängerin Engeln freut er sich über die rege Teilhabe der Dorfgemeinschaft, die auch einen weiteren Zweck verfolgt: Die Zugezogenen sollen besser eingebunden werden. „Neu-Bolsdorfer sind mit unseren Traditionen und Vereinen noch nicht so verbunden, aber hier können sie ganz einfach einen ersten Schritt in unsere Mitte machen“, sagt Josefine Engeln.

 In der Dorfmitte wird der Spielplatz auf Vordermann gebracht und soll danach für alle Generationen offen sein.
In der Dorfmitte wird der Spielplatz auf Vordermann gebracht und soll danach für alle Generationen offen sein. Foto: Julia Nemesheimer

Viele Bolsdorfer ziehe es auch wieder zurück in die Heimat und das sei auch mit ein Grund für das große Engagement, die Gemeinschaft zusammenzubringen. „Unsere Bürger sollen sich hier so wohlfühlen, dass sie irgendwann wieder kommen, nachdem es sie zum Studium oder Ausbildung woanders hin zog, und hier mit ihrer Familie leben“, sagt Cornesse. Leerstand gebe es in dem kleinen Ort in der Vulkaneifel kaum. Häuser von Großeltern übernehmen oft die Enkel. Und so schließt sich der Kreis in Bolsdorf, das mit viel Gemeinschaft und schöner Natur zu überzeugen weiß.