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Großeinsatz nach Schülerstreich

Großeinsatz nach Schülerstreich

Schlechter Schülerstreich: 24 Kinder und Jugendliche zwischen elf und 14 Jahren sind gestern Morgen mit Atemwegsreizungen und Übelkeit in Krankenhäuser gebracht worden, weil einige Mitschüler auf dem Bahnhof in Oberbettingen einen Feuerlöscher ausgelöst haben. Einer von ihnen hat das Szenario mit einer Videokamera gefilmt.

 Überbleibsel eines schlechten Schülerstreichs: Noch leicht bedeckt das weiße Löschpulver, das auch etliche Schüler gestern einatmen mussten, den Boden am Bahnhof in Oberbettingen. TV-Foto: Mario Hübner
Überbleibsel eines schlechten Schülerstreichs: Noch leicht bedeckt das weiße Löschpulver, das auch etliche Schüler gestern einatmen mussten, den Boden am Bahnhof in Oberbettingen. TV-Foto: Mario Hübner

Oberbettingen/Hillesheim. Helle Aufregung in der Augustiner-Realschule in Hillesheim und etlichen Elternhäusern: Anstatt wie üblich Mathe und Deutsch zu pauken, verbringen zwei Dutzend Realschüler im Alter zwischen elf und 14 Jahren ihren Wochenstart im Krankenhaus. Was war geschehen? Auf dem Bahnhof in Oberbettingen, wo die Realschüler aus den umliegenden Orten vom Zug auf den Bus umsteigen, um nach Hillesheim zu gelangen, hat sich eine Gruppe von fünf Heranwachsenden zwischen 13 und 16 Jahren etwas ganz Besonderes für diesen Morgen ausgedacht. Laut Polizei öffnet gegen 7.40 Uhr ein Schüler ein Fenster des leerstehenden, aber verschlossenen Bahnhofsgebäudes, sein Kumpel steigt ein und bringt einen Zwölf-Kilo-Feuerlöscher heraus. Und während sich ein weiterer Mitschüler mit einer eigens mitgebrachten Videokamera positioniert, betätigen zwei andere das Auslöseventil: Mit großem Druck stößt ein Pulverstrahl aus der roten Flasche und hüllt die gesamte Schülerschar in eine feine Löschpulver-Wolke. Wenig später klagen die ersten Betroffenen, die bereits mit dem Bus auf dem Weg zur Schule sind, über Husten, Atemwegsreizungen, einige zudem über Übelkeit. Doch als zwei Schüler den Rektor der Augustiner-Realschule vom Vorfall unterrichten, und er in den Klassen nach weiteren Verletzten Ausschau halten lässt, sind Polizei und DRK bereits mit starkem Aufgebot unterwegs nach Hillesheim. Und das ist auch gut so, denn die anfangs angenommene Zahl von 15 Leichtverletzten steigert sich rasch auf 25 - darunter auch einer der "Übeltäter"."Sie haben aber alle nur leichte Atemwegsbeschwerden", sagt DRK-Einsatzleiter Winfried Kleis, der mit 14 Kollegen im Einsatz ist und nach einer Erstversorgung letztlich zwei Dutzend Jungen und Mädchen in die Krankenhäuser nach Gerolstein, Daun und Prüm bringt. Nach seiner Einschätzung müssten sie aber alle im Lauf des Tages wieder entlassen werden. Um die Ermittlungsarbeit kümmert sich allen voran Christoph Meyer, Jugendsachbearbeiter der Polizei in Daun. Für ihn handelt es sich um einen "dummen Schülerstreich", bei dem sich die fünf Heranwachsenden, die der Polizei bislang nicht aufgefallen sind, der Folgen ihres Tuns nicht bewusst gewesen seien. Allerdings sagt er auch: "Dass die Jungs eine Videokamera dabeihatten, lässt zum einen darauf schließen, dass die Tat geplant war, zum anderen gibt es der Sache gleich eine andere Qualität." Dauns Polizeichef Hans-Peter Thiel fasst es so zusammen: "Der vermeintliche Scherz war geplant, die Situation ist den Jugendlichen aber entglitten." Fest stehe aber auch - das habe die Sichtung des Videomaterials ergeben -, "dass nicht mit dem Feuerlöscher auf andere Schüler gezielt wurde". Demnach müssen die Jungen mit einer Anzeige wegen fahrlässiger Körperverletzung sowie Sachbeschädigung und möglicherweise auch Einbruch rechnen.Schulleiter Peter Steffgen sagt zunächst, dass er sich in der Öffentlichkeit nicht äußern möchte, sondern nach den Ermittlungen direkt mit den Schülern sprechen wolle. Dann aber platzt es aus dem bestürzten Rektor heraus. "Was ich davon halte? Das ist jugendlicher Unfug, pure Dummheit", sagt er - und fügt um Fassung ringend hinzu: "Und einer hat das sogar noch gefilmt!" Zum Vandalismus in einem Wittlicher Gymnasium, bei dem ein 100 000-Euro-Schaden entstand: