Grüne Hölle ist auch für Bienen ein Desaster
Neroth · Die Imker im Kreis schlagen Alarm: Den Bienen geht es immer schlechter. Die Gründe: Die wachsenden Maismonokulturen würden dafür sorgen, dass sie nicht mehr genug Nahrung fänden. Sie appellieren an die Bauern, Randstreifen mit Wiesenblumen stehen zu lassen, auf blühende Mischungen als Energiepflanzen zu setzen und ihre Felder nicht tagsüber abzuernten, da so viele Bienen getötet werden.
Imkermeister Thomas Körsten aus Neroth und Mitarbeiterin Hannah Bicker inspizieren einen Bienenstock an einem guten Standort. Beide sorgen sich aber, weil die Bienen wegen der zunehmenden Mais-Monokulturen an vielen Stellen in der Vulkaneifel nicht mehr genug Nahrung finden. TV-Foto: Mario Hübner
Foto: Mario Hübner (mh) ("TV-Upload H?bner"Neroth. Agrarwüste, grüne Hölle: Die Begriffe, die Thomas Körsten und Hannah Bicker benutzen, sind markant. Die Probleme, die sie benennen, gravierend. "Die Bienen finden nicht mehr genügend Nahrung, und die sie finden, ist von minderwertiger Qualität. Schuld daran ist die Vermaisung der Landschaft, sagt Körsten (siehe Extra). Der 51-jährige Nerother ist seit einem Vierteljahrhundert Imkermeister und setzt seit fast 20 Jahren auf Bio-Imkerei. Hatte er vor einigen Jahren noch ein halbes Dutzend Kollegen, so ist er heute der letzte verbliebene Vollerwerbsimker im Kreis.
Trotzdem schlägt Hannah Bicker (28) aus Schutz den gleichen Weg ein: Seit acht Jahren im Betrieb von Körsten dabei, macht sie nun auch offiziell die Ausbildung zur Imkerin: "Ich liebe die Arbeit, es ist ein wichtiger Job - und einer, der mich erfüllt."
Doch auch sie sieht zunehmend schlechtere Lebensbedingungen für die Bienen. Sie sagt: "Die Leute denken, in der Eifel ist die Welt noch in Ordnung. Aber das stimmt nicht. Die Bienenvölker entwickeln sich schlecht, die Population wächst kaum, der Ertrag ist gering. Es gibt Gebiete, in denen gar nichts mehr im Bienenstock passiert. Da müssen wir sie umsetzen." Zuletzt haben sie das an dem lange Jahre guten Standort bei Kinderbeuern gemacht.
Und in Darscheid, wo inzwischen rings um die Völker nur noch Mais und Getreide angebaut werden, haben die Imker eine interessante Beobachtung gemacht: "Nach der Blüte der Streuobstwiesen sind die Bienen nicht mehr in die Landschaft geflogen, sondern ins Dorf, weil sie da mehr Nahrung finden."
Biene ist wichtiges Nutztier
Daher haben die Imker in diesem Jahr erstmals auch Bienenkästen in Daun aufgestellt. Und siehe da: "Die Völker in der Stadt entwickeln sich besser als manch andere draußen", sagt Hannah Bicker. Paradoxe Welt.
"Dabei können die Landwirte den Bienen sehr helfen", sagt Körsten - und zwar nicht nur aus Eigennutz. Schließlich sei die Biene hinter der Kuh und dem Schwein das drittwichtigste Nutztier für den Menschen. "Jeder dritte Bissen, den wir Menschen zu uns nehmen, ist auf die Bienen zurückzuführen!" sagt der Imkermeister und fügt hinzu: "Wenn wir mit dem Honig einen Euro erwirtschaften, verdient die Umwelt acht Euro - durch die Bestäubungstätigkeit der Bienen." Wie wichtig diese sei, merke man in einigen Landstrichen Chinas, wo die Blüten durch Lohnarbeiter von Hand bestäubt würden.
Landwirte können helfen
Körsten zählt auf, wie die Landwirte helfen könnten: Erstens sollten sie rings um ihre Felder und an Bachläufen einen mehrere Meter breiten Randstreifen mit Wiesenblumen stehen lassen. "Das wird sogar finanziell gefördert", sagt er. Zweitens könnten sie anstelle von Mais auf blühende Mischungen als Energiepflanzen setzen.
Drittens sollten sie ihre Wiesen erst nach der Blüte mähen, denn dann könnten die Bienen Nektar sammeln, und die Bauern müssten fürs nächste Jahr nicht so viel nachsäen. Zudem sollten die Bauern nicht tagsüber mähen, da viele Bienen getötet werden. Gleiches gelte für den Einsatz von Pestiziden: nicht tagsüber, da ansonsten die Bienen damit besprüht werden.
Peter Hutsch, Geschäftsführer des Kreisbauernverbands Daun, sagt: "Die Appelle kann ich zum großen Teil nachvollziehen, und ich unterstütze den Austausch zwischen Imkerei und Landwirtschaft gerne." Man müsse aber jeweils im Einzelfall sehen, was gehe. Randstreifen mit Wiesenblumen stehen zu lassen, sei möglich, aber wegen der zumeist kleinen Parzellen hier im Kreis schwierig. Den Maisanbau einzudämmen, sieht er als unrealistisch an, "da er nicht nur als Energiepflanze, sondern auch für die Viehmast genutzt wird". Ebenso schlecht machbar ist es seiner Meinung nach, das Mähen tagsüber bleiben zu lassen. Der Bauernvertreter meint: "In der Erntezeit sind die Landwirte manchmal rund um die Uhr unterwegs. Da hängt vieles vom Wetter und den Terminen mit den Lohnunternehmen ab. Da kann dann nur schwer auch noch auf die Bienen Rücksicht genommen werden."
Doch nicht nur die Landwirte, sondern jeder Einzelne könne etwas tun, sagt Nachwuchsimkerin Hannah Bicker: "Es wäre schon viel getan, wenn es in den Vorgärten wieder mehr blühen würde. Leider sind viele inzwischen nur noch zugepflastert."Meinung
Ein Leichtes, den Bienen zu helfen
Bienen sind weit mehr als nur Honig-Spender. Ohne ihre Bestäubungstätigkeit gäbe es kaum Vielfalt in der Natur und letztlich auch viel weniger Nahrungsmittel. Das lernt zwar jedes Kindergartenkind, aber weil die Arbeit der Insekten so selbstverständlich wie Sonne im Sommer ist, kümmert sich der Mensch nicht weiter darum. Dabei wäre es für die Landwirte (und Gartenbesitzer) ein Leichtes, den Bienen trotz Mais-Monokulturen sowie Kosten- und Leistungsdruck wieder ein besseres Lebensumfeld zu schaffen. Darüber sollte gesprochen und dann gehandelt werden. Das würde der gesamten Vulkaneifel zugute kommen. m.huebner@volksfreund.deExtra
In der Region Trier hat der Anbau in den vergangenen Jahren stark zugenommen: 1999 wurden 5377 Hektar Silomais angebaut, 2013 bereits 19197 Hektar - Tendenz weiter steigend. Noch deutlich stärker als in der Vulkaneifel ist der Maianbau im Eifelkreis Bitburg-Prüm verbreitet. mh