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Gute Zeiten, schlechte Zeiten

Gute Zeiten, schlechte Zeiten

DAUN. Die Diskothek war jahrzehntelang der Treffpunkt für Generationen, doch die Tage der "Backstuw" sind gezählt. Mit der teilweisen Versteigerung des Inventars und dem geplanten Abriss des Gebäudes geht eine Ära endgültig zu Ende.

Es wareinmal: Paradiesische Zeiten in Daun, als es Diskotheken gab, diefür jedes Alter und jeden Musikgeschmack etwas boten. Auch dieWahl der Kleidung war klar: In der "Reblaus" war eher "gepflegte"Kleidung angesagt, während sich in die "Backstuw" kaum jemand miteinem Schlips getraut hätte. Parka und Jeans gehörten zur"Stuff", wie die Diskothek in der Leopoldstraße auch weit überDaun hinaus genannt wurde. Viele erinnern sich an noch anmontägliche Billigbier-Abende, Expertentreffs in derFlipper-Ecke, manches Rendezvous, aber auch üble Schlägereien undPolizeirazzien. Viele Eltern fürchteten vor allem die aus ihrerSicht berüchtigte "Drogenhölle" Backstuw. Gemeinsames Schicksal

Eines haben die früheren Dauner Diskotheken demnächst gemeinsam: Die Abrissbirne beendet endgültig ihre Geschichte. Die "Reblaus" im früheren Kinogebäude an der Friedhofstraße (heute Haus am Rosenberg) und "Baccara/Caprice" im früheren Hotel Fries-Porz (heute Caritasgebäude) sind schon vor vielen Jahren verschwunden. Dieses Schicksal steht nun auch der Backstuw bevor.

Ein weiterer Schritt vor dem endgültigen Aus: Die Ausschlachtung des Inventars sowie dessen Verkauf und einer demnächst stattfindenden Versteigerung der noch brauchbaren beweglichen Teile.

An diesem Morgen kommen Interessenten, um sich Theken, Zapfstellen, Ausspülbecken, Regale, Schränke, Kühleinrichtungen und sonstiges Inventar anzuschauen. Zwei Bedienstete der Verbandsgemeindeverwaltung begleiten die wenigen Interessenten, die sich im freien Verkauf umschauen. Barverkauf ist angesagt. Zwischen leeren Flaschen, Verzehrbons und nostalgischen Erinnerungen beginnt Walter Müller, Ortsvorsteher von Rengen, seine Einkaufstour und seine Reise in die eigene Vergangenheit.

Er sucht etwas für die Jugend des Ortes und für das Grillhäuschen der Gemeinde. Schnell hat er eine Theke aus der ehemaligen Pizzeria für 150 Euro, einige rustikale und massive Standtische für zehn Euro das Stück und weitere Kleinigkeiten gefunden. "Mann, das war eine geile Disko, hier ging es ab", schwärmt Müller von vergangenen Zeiten. "Es ist eine Schande, dass so eine tolle Disco weg ist", bedauert er.

Schilder hinter der Theke preisen noch das Fassbier für drei Mark und die Asbach-Cola für fünf Mark. Ein Lächeln von freundlichen Bedienungen gibt es gratis, steht dick darunter.

Erinnerung an die Zeit vor der CD

In einer Vitrine steht noch ein alter Sektkühler. In einer anderen hängen selbst vergoldete Single-Schallplatten und erinnern an die Zeit vor dem Siegeszug der CD. Thomas Schmitz, Inhaber der Imbissstube gegenüber der Backstuw, kommt ins Haus. "Mann, was habe ich hier ein Geld ausgegeben", erinnert er sich. "Es waren schon schöne und gute Zeiten, die ich nicht missen möchte." Pina Colada und Tequila Sunrise für zehn Mark, die massiven Holzbänke und Pfeiler: Das war die "Stuff".

In einer Ecke hinter der Theke steht Marcus Weiland, Stiefsohn von Bärbel Weiland, die zehn Jahre lang Mitgesellschafterin der Disko war. "Ich will Abschied nehmen", sagt er ganz gefasst. "Auf der einen Seite tut es ein bisschen weh, auf der anderen weiß man, es ging halt nicht mehr", fasst er seine Gefühle zusammen.

In einem weiteren Bericht werden wir in Kürze die Geschichte der Diskothek Backstuw Revue passieren und "Zeitzeugen" zu Wort kommen lassen. Wer uns über Erlebnisse rund um die "Stuff" berichten will, kann uns eine E-Mail an die Adresse

lokalredaktion.daun@volksfreund.de

oder ein Fax an die Nummer 06592/963039 schicken. Mehrere Backstuw-Fans haben sich schon gemeldet. Wir freuen uns auf weitere Anekdoten.