1. Region
  2. Vulkaneifel

Hängepartie fürs Calluna: Gericht versagt vorerst Zuschlag an Höchsbietenden - Sicherheitsleistung fehlt

Hängepartie fürs Calluna: Gericht versagt vorerst Zuschlag an Höchsbietenden - Sicherheitsleistung fehlt

Die Zukunft des Hotels Calluna in Gerolstein ist nach wie vor offen. Das Amtsgericht Daun hat den Zuschlag für den Höchstbietenden versagt und ihm 14 Tage Aufschub gewährt, die geforderte Sicherheitsleistung von 214.000 Euro zu zahlen. Er hatte eine Million Euro für das Haupthaus samt einiger Zimmer geboten.

Daun/Gerolstein. Was geschieht mit dem Hotel Calluna in Gerolstein? Diese Frage kann auch nach dem dritten Zwangsversteigerungstermin, einem Höchstgebot von einer Million Euro und einer nun abgelaufenen 14-Tagesfrist noch immer nicht beantwortet werden. Denn: Das Amtsgericht Daun hat den Zuschlag für den Höchstbietenden, der vor zwei Wochen eine Million Euro für das Haupthaus samt einiger Zimmer geboten hatte, bislang nicht erteilt.
Rechtspfleger Helmut Hahn hat abgelehnt, weil der Bieter nicht fristgerecht die erforderliche Sicherheitsleistung über 214.000 Euro erbracht hatte. Das sind zehn Prozent des per Gutachten festgelegten Werts des Hotelkomplexes von 2,144 Millionen Euro.

Laut Hahn hat der Bieter dieses Versäumnis mit einem Missverständnis begründet und einen weiteren Aufschub erbeten. Dem hat die Gläubigerin, die BAG Bank-Aktien-Gesellschaft, zugestimmt. Über den Zuschlag wird nun in 14 Tagen entschieden: am Donnerstag, 8. Dezember, 14 Uhr im Sitzungssaal 110 des Amtsgerichts Daun.
Beim Bieter handelt sich um einen türkischen Geschäftsmann namens Süleyman Eyman aus Mannheim, über den ansonsten wenig bekannt ist. Er hatte die Summe nicht selbst geboten und war beim Versteigerungstermin auch nicht anwesend, sondern hatte einen Beauftragten mit einem Ermächtigungsschreiben nach Daun geschickt.
Unter dem Namen Süleyman Eyman und der bei Gericht hinterlegten Adresse in Mannheim gibt es keinen Telefonbucheintrag. Unter dem vollständigen Namen werden eine Reihe von türkischen Internetseiten mit türkischen Rechtsanwälten in Mannheim angezeigt, unter dem Nachnamen samt vorgelegter Adresse ein Eintrag über eine Eyman GmbH - jedoch ohne E-Mail-Adresse, ohne Telefonnummer, ohne Internetauftritt.

Der Eintrag im Handelsregister gibt zumindest einen Hinweis auf das Betätigungsfeld dieser Firma: "Die Haupttätigkeit liegt im Bereich Vermittlung und Verwaltung von Grundstücken, Gebäuden und Wohnungen für Dritte." Ob der Bieter dahintersteckt, ist offen. Als Geschäftsführer ist eine andere Person aufgeführt.
An der Gerolsteiner Stadtspitze fragt man sich nun: Handelt er selbstständig oder im Auftrag? Welche Pläne verfolgen er oder sein eventueller Auftraggeber mit dem ehemaligen Vier-Sterne-Haus?
Bei so vielen offenen Fragen ist es nicht verwunderlich, dass inzwischen in der Stadt Gerüchte kursieren, dass der Komplex weiterveräußert und zu einem Bordell umgebaut werden soll.

Erhellende Aussagen waren bislang weder vom Bieter noch von der Gläubigerbank zu bekommen.
Die gibt sich erwartungsgemäß bedeckt und beantwortet mit Verweis auf das Bankgeheimnis und den Datenschutz keine der Fragen des TV.
Stadtbürgermeister Friedhelm Bongartz (CDU) macht aus seiner Enttäuschung keinen Hehl, denn er hatte mit einem anderen Bieter gerechnet, mit dem er bereits mehrfach über eine Wiederinbetriebnahme des Hotels gesprochen habe. Neben diesem potenziellen Investor - laut Bongartz ein israelischer Geschäftsmann, der bereits einige Hotels besitzt - will er auch bereits einen Betreiber an der Hand gehabt haben. Von beiden habe er nun aber nichts mehr gehört. Er sagt dem TV: "Ich wäre froh gewesen, wenn unter das Verkaufsverfahren mit diesem Bieter ein ablehnender Schlussstrich gezogen worden wäre. Ich habe dabei kein gutes Gefühl. Wir kommen an den Mann einfach nicht ran. Da drängen sich ja Zweifel an der Seriosität auf."

Laut nicht öffentlichem Ratsbeschluss aus diesem Sommer will die Stadt Gerolstein noch bis Ende dieses Jahres versuchen, den seit vier Jahren leer stehenden Komplex als Hotel wiederzubeleben. Dementsprechend hat sich die Stadt bislang stets geweigert, eine andere als eine touristisch-gastronomische Nutzung zuzulassen.
"Wenn diese Frist abgelaufen ist, müssen wir neu entscheiden. Ich jedenfalls werde mich einer guten anderen, das heißt sozialen und dem Wohl der Stadt Gerolstein dienenden Lösung nicht verschließen", sagt der Stadtbürgermeister. Ein Bordell zählt er definitiv nicht dazu.