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Hallschlag feiert 2022 sein 700-jähriges Bestehen

Geschichte : 700 Jahre Hallschlag – zwischen Zerstörung und Wiederaufbau, Fortschritt und Veränderung

700 Jahre Hallschlag heißt es in diesem Jahr. Heimatforscher Alois Mayer wirft einen Blick in die Entwicklung der Ortsgemeinde – eine oft sehr leidvolle Geschichte.

Im nordwestlichen Zipfel von Rheinland-Pfalz, nahe der Grenzen zu Belgien und Nordrhein-Westfalen und oberhalb der Mündung der Taubkyll in die Kyll, liegt Hallschlag mit seinen rund 450 Einwohnern. Die Verkehrsanbindung des Ortes ist gut. Die 1830 erbaute B421 (Aa­chen – Koblenz) und die L20 (Ormont – Prüm) treffen sich inmitten des Dorfs. „Die vielen Gewässer bilden fruchtbare Wiesentäler, und das Dorf liegt wie in einem Kessel, von hohen Berghängen umgeben, deren Kultur von dem Fleiße der Einwohner Zeugnis gibt“, schrieb Landrat Bärsch um 1850 in seinem Geschichtswerk.

1322 wurde der Ort erstmalig urkundlich als ‚Halslach‘ erwähnt. Sein Name verweist auf seine Lage: ‚Hals‘ meint den Fuß eines gebirgigen Höhenzuges und ‚Lach‘ eine große sumpfige Fläche. Damals gehörte diese Ansiedlung ‚Sumpf am Berg‘ zur luxemburgischen Herrschaft Kronenburg.

Wozu gehörte Hallschlag im Laufe der Zeit?

Seit dieser Zeit wechselte Hallschlag mehrmals seine Herrschaftszugehörigkeit. Im 15. Jahrhundert den Grafen Manderscheid-Schleiden, gegen Ende des 17. Jahrhundert zusammen mit Kronenburg der Blankenheimer Linie gehörend; nach der französischen Besatzungszeit, in der Hallschlag eine Mairie des Kantons Kronenburg war, hin zur preußischen Regierung, die den Ort 1817 zuerst dem Kreis Daun und 1819 dem Kreis Prüm zuwies. Nach dem letzten Krieg wechselte er erneut, diesmal zu Rheinland-Pfalz und wurde seit der Gebietsreform 1970 wieder dem Landkreis Vulkaneifel zugeteilt. Die Einwohner sind über diese Zuweisung nicht ganz glücklich, die Kreisstadt Daun ist weit, bis heute ist eine starke Orientierung nach Prüm feststellbar. Auf dem Wege dorthin werden unsichtbare Grenzen überquert, wie die des Landes Nordrhein-Westfalen und Landkreises Euskirchen.

Hallschlag und seine geografische Lage im Kriegsgebiet

Hallschlag als Grenzort im Westen hatte in den letzten Kriegen mit ihren Besatzungszeiten viel erleiden müssen. Auf seiner Gemarkung lag dereinst eine Munitionsfabrik, die im Mai 1920 explodierte. 1944/45 wurde Hallschlag in den Kämpfen der Westwalloffensive zu 80 Prozent zerstört. Noch heute künden zahlreiche Relikte ehemaliger Westwallanlagen wie Mahnmale von menschlicher Unvernunft.

Abgebrannt und zerbombt – die leidvolle Geschichte der Hallschlager Kirche

Mitten im Ort erhebt sich die Pfarrkirche St. Nikolaus – mit dem Bergrücken im Hintergrund ein imposanter Anblick. Gerade mal 72 Jahre ist sie jung, hatte aber mehrere Vorgängerinnen. Bereits 1301 stand an gleicher Stelle eine kleine Kapelle, die immer wieder renoviert und ausgebaut wurde. Als Hallschlag 1803 zur eigenständigen Pfarrei ernannt wurde, erbaute sich das Dorf 1867 ein neues und eindrucksvolles Gotteshaus, das seiner Schönheit wegen damals als ‚Eifeldom‘ bezeichnet wurde. Jedoch eine Generation später, 1902, wurde es zusammen mit 14 weiteren Bauernhäusern durch einen Großbrand vernichtet. Kaum aufgebaut und wiederhergerichtet, fiel die Nikolauskirche erneut bei zwei Bombenangriffen 1944/45 in Trümmer. Im November 1950 wurde die jetzige Kirche neu eingeweiht.

Die Entwicklung von Hallschlag

Seit Mitte der 1960er Jahre zog sich die Landwirt­schaft als einstiger Haupterwerb weitgehend zurück oder stellte sich auf Nebenerwerb um. Der Milchviehbetrieb von Walter und Andrea Collas in Hallschlag jedoch ein ganz großer in Rheinland-Pfalz. In der hochtechnisierten Anlage werden mehrere hundert Kühe täglich gemolken – mehr Milchvieh, als einst der gesamte Ort aufzuweisen hatte.

Auch sind die kleinen Läden, Geschäfte und Dorfkneipen gänzlich aus dem Dorfbild verschwunden. Einige wenige ortseigene Betriebe bieten noch Arbeitsplätze an, während die meisten Lohn und Arbeit als Pendler in benachbarten Städten oder in Belgien finden. Erfreulicherweise hat im Ort die Kita "Wirbelwind", die Kinder aus Hallschlag, Ormont, Scheid besuchen, keinen Nachwuchsmangel.

Wegen der guten Windverhältnisse ist bei Hallschlag einer der größten Windparks der Region entstanden. Seit 1997 gibt es auf der Gemarkung Hallschlag einen Windpark mit 36 Windkraftanlagen. Die Westnetz GmbH, der Verteilnetzbetreiber der RWE Deutschland, hat die Aufnahmekapazität der bisherigen Umspannanlage für die Einspeisung von erneuerbaren Energien auf 70 Megawatt (MW) erhöht und damit auch die Versorgungsqualität in der Eifelregion gesichert.

Was können Touristen in Hallschlag erleben?

Daneben hat Hallschlag dem Gast, neben einem vielfältigen Freizeitangebot durch die örtlichen Vereine, einiges zu bieten. Bestens ausgebaute Straßen, blumengeschmückte Häuser, gut beschilderte und erschlossene Wanderwege, unter anderem zum nahegelegenen Burgort Kronenburg oder dem Kronenburger See mit seinem großen Sport- und Freizeitangebot. Vor allem der seit 2015 eröffnete überregionale Kyllradweg auf der Trasse der ehemaligen Vennquerbahn, mit Anschluss sowohl im belgischen Weywertz an die Vennbahnstrecke als auch in Jünkerath an das deutsche Radwegenetz, wird von vielen Fahrradfahrern angenommen.