Hebammenzentrale in Daun ist nur ein erster Schritt

Medizinische Versorgung : Die Hebammenzentrale ist nur ein erster Schritt

(ako) Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Und bis zuletzt hatten viele – vor allem die Hebammen selbst, die zur Eröffnung der Hebammenzentrale in Daun gekommen waren – die Hoffnung auf ein Signal aus der Politik nicht aufgegeben.

Denn angesichts der Tatsache, dass sich die Krise der Geburtshilfe längst deutschlandweit in die Schlagzeilen katapultiert hat und beileibe nicht nur ein Vulkaneifeler Problem ist, herrscht bei medizinischen Fachleuten ebenso wie bei Betroffenen die Erwartung, dass die Gesundheitsminister der Länder wie auch des Bundes für bessere Rahmenbedingungen sorgen. Geburtshilfe soll, so die Forderung, Teil der gesetzlich verankerten medizinischen Grundversorgung werden, was es den Kliniken ermöglichen würde, auch kleine Stationen ausreichend auszustatten.

Doch die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Sabine Lichtenthäler (SPD), die zur Eröffnung der zweiten Hebammenzentrale im Land gekommen war, erfüllte diese Erwartung nicht. Zwar hatte sie den auf drei Jahre beschränkten Bewilligungsbescheid der Förderung von 25 000 Euro pro Jahr im Gepäck, aber keine Perspektive für eine Wiedereinrichtung der Geburtshilfe in Daun. Sie lobte die schöne Eifellandschaft, konstatierte jedoch auch, dass die sehr dünn besiedelt sei. Und die Demografie sei – neben stets höheren Qualitätsanforderungen und neuen Finanzierungsregelungen – einer der Faktoren, warum allein in den letzten zweieinhalb Jahren acht Geburtshilfen im Land verloren gegangen sind und derzeit nur noch dreißig klinische Geburtsstationen zur Verfügung stehen. Ihrer Ansicht nach ist die Vulkaneifel mit den umliegenden Kliniken und der Hebammenzentrale gut genug aufgestellt für eine „qualitativ hochwertige geburtshilfliche Versorgung“.

Von vielen war zu hören: „Damit ist doch nichts erledigt, so lassen wir uns nicht abspeisen.“ Zudem wurde darauf hingewiesen, dass der Kreis Vulkaneifel die zehnthöchste Steigerung der Geburtenrate in ganz Deutschland verzeichnen könne. Außerdem zeichne sich doch nun  schon ab, dass die Stationen in Mayen und Wittlich bald als genauso unrentabel gelten wie die in Daun, wenn sich am System nichts ändere. Zudem seien in den großen Kliniken mit vielen Geburten die Abläufe stressiger, mit negativen Folgen für die Gebärenden, so dass es zu häufigeren medizinischen Interventionen komme. Eine Hebamme ist überzeugt: „Das ist einfach typisch dafür, wie Politik noch immer mit Frauenthemen umgeht: Man nimmt uns nicht ernst.“

Auch Landrat Heinz-Peter Thiel ließ keinen Zweifel daran, dass die Bevölkerung und die Kommunalpolitik vor Ort mit der Hebammenzentrale nicht abschließend zufriedengestellt sind. Lauten Applaus erhielt er für seine erneut gestellte Forderung, dass die klinische Geburtshilfe in der Vulkaneifel wiederhergestellt gehört. Er wies auf das Protestpotenzial der ansonsten eher „stoischen“ Vulkaneifeler hin, die unbeirrt bei ihrer Zielsetzung bleiben. Zwar habe man an von ihm so genannten „eckigen Tischen“ alle Kompetenzen vor Ort zusammengebracht und den Mut gehabt, mit der Hebammenzentrale etwas Neues zu gestalten. Doch die sei das „jetzt erstmal Machbare“ gewesen.

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